Archiv der Kategorie 'KURDISTAN'

Bundesregierung hilft Idlib-Rebellen in Syrien

Deutschland unterstützt Oppositionelle im syrischen Idlib. Das könnte Russland provozieren – und die Türkei. Deren Armee will mehr Kurdenstellungen bombardieren.

Während Russland, Frankreich, die Türkei und Deutschland über Syriens Zukunft mit einem im Amt verbleibenden Präsidenten Baschar al Assad verhandeln, ist bekannt geworden, dass die Bundesregierung die Oppositionellen mit Millionensummen unterstützt. Nach Tagesspiegel-Informationen erhalten die in Idlib, Syriens bedeutendster Hochburg der Aufständischen, eingekesselten Rebellen derzeit 37,5 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt sowie über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Dazu kommen 11,3 Millionen Euro anderer Geber und über deutsche Stellen mitverwaltete 17,05 Millionen Euro der Europäischen Union. Insgesamt handelt es sich also um fast 49 Millionen Euro.

Dies geht aus einer Antwort von Außenamtsstaatssekretär Walter Lindner (SPD) auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Evrim Sommer (Linke) hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Diese Hilfe ist insofern brisant, als dass sie mindestens zwei Regierungen, provozieren könnte. Zunächst ist da Russland, das die Zentralregierung von Assad unterstützt. Er möchte die Rebellenhochburg erobern und wird von der internationalen Gemeinschaft – vor allem seinem Verbündeten Moskau – bislang davon abgehalten. Dann ist da die türkische Regierung, die in Idlib islamistische und turkmenische Milizen aufrüstete.

Bundesregierung: Helfen zivilen Akteure, nicht extremistischen Rebellen

Die in Ankara herrschende AKP-Regierung wollte Assad jahrelang stürzen. Sie nutzt ihre Kräfte nun allerdings vorrangig, um in Syrien die prowestlichen und sozialistischen Kurden anzugreifen. Die Gelder der deutschen Bundesregierung für Rebellen in Idlib dürften Ankara dann ärgern, wenn Außenamtsstaatssekretär Lindner recht behalten sollte. Man unterstütze vor Ort „zivile Akteure, die sich extremistischen Einflüssen in der Region Idlib entgegenstellen“, schreibt er in der Antwort auf die Anfrage. Womit die protürkischen Islamisten wohl ausfallen.
Ebenfalls am Dienstag wurde bekannt, dass Assads Regierung der Türkei erneut vorwarf, die über Moskau vermittelte Entwaffnung der Islamisten in Idlib nicht umzusetzen. Die Regierung in Ankara sei nicht gewillt, sich an die Absprachen zu halten, sagte Außenminister Walid al Mualem in Damaskus der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. Ankara widersprach: Die mit Russland vereinbarte Schaffung einer entmilitarisierten Zone laufe nach Plan. Sollten Extremisten den Abzug verhindern, greife die türkische Armee ein. Beim Syrien-Gipfel vor einigen Tagen in Ankara zeigten sich Russlands Staatschef Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einvernehmlich.

Erdogan kündigt Bomben auch östlich des Euphrats an

Erdogan nutzt diese Lage für türkische Expansionsansprüche. Ankaras Armee hält derzeit nordsyrisch-kurdische Gebiete besetzt und baut dort die Infrastruktur um. Es geht Erdogan darum, eine Autonomiezone der Kurden wie in Nordirak zu verhindern. So kündigte Erdogan am Dienstag den Beginn einer neuen Offensive an. Offenbar will er die von den USA unterstützen Kurden, Christen und säkularen arabischen Verbände nun auch dort angreifen, wo ihnen bislang US-Truppen helfen. Die Operation gegen „terroristische Strukturen“ östlich des Euphrats habe begonnen, sagte Erdogan. Er betrachtet die syrischen Kurdenpartei PYD und deren verbündete Miliz YPG als Schwesterorganisationen der verbotenen PKK. Am Wochenende hatte Ankaras Nachrichtenagentur Anadolu gemeldet, die türkische Armee habe am Ostufer des Euphrat kurdische Stellungen bombardiert.

Linke fordert deutsche Hilfe für Kurden

„Die Stabilisierungshilfe und die humanitäre Unterstützung der Bundesregierung für die Menschen in der Region Idlib sind zu begrüßen“, sagte Linken-Abgeordnete Evrim Sommer. „Es muss aber sichergestellt sein, dass sie ausschließlich der Zivilbevölkerung zu Gute kommen und nicht von Erdogan bewaffnete islamistische Terrorbanden mit deutschen Steuergeldern gepäppelt werden.“ Wolle die Bundesregierung wirklich „prinzipiengeleitete Hilfe“ leisten, müsse sie auch die Kurden unterstützen. Vor einigen Tagen hatte die türkische Armee auch Orte nahe der nordsyrischen Grenzstadt Kobane bombardiert. Kobane war 2014 bekannt geworden, weil die von der türkischen Grenze und dem „Islamischen Staat“ eingekesselten Kurden dort nach einer verlustreichen Schlacht letztlich siegten.

Der Tagesspiegel

YPJ: Wir werden die Revolution verteidigen

Die Generalkommandantur der YPJ hat anlässlich des Welt-Kobanê-Tages eine Erklärung abgegeben. Darin kündigen die Frauenverteidigungseinheiten an, „entschlossen und mit Eigenkraft die Revolution von Rojava und der Menschheit zu verteidigen“.

Als der sogenannte Islamische Staat (IS) am 13. September 2014 die nordsyrische Stadt Kobanê umzingelte und auf barbarische Weise angriff, trat der Name Kobanê plötzlich ins Zentrum der Weltöffentlichkeit. Gegen die „schwarze Pest“, leistete eine ganze Stadt mit all ihrer Existenz einen 134 Tage andauernden unbeugsamen Widerstand, an dessen Ende der Islamische Staat in Kobanê besiegt wurde.

Dass es in Kobanê um viel mehr als die Eroberung einer Stadt ging, wurde sehr schnell deutlich. Die Dialektik zwischen der Verteidigung Kobanês und dem Eintreten für universelle Werte der Menschheit verlieh dem Kampf sowohl einen globalen als auch symbolischen Charakter. Aus diesem Grund haben sich Menschen weltweit unter dem Motto ‚Überall ist Kobanê, überall ist Widerstand!‘ mit Kobanê solidarisiert und den 1. November zum Welt-Kobanê-Tag erklärt. Es waren Hunderttausende Menschen, die in allen fünf Kontinenten für die Revolution in Rojava und gegen den IS auf die Straßen gingen. Diese weltweite Solidaritätswelle leistete einen wichtigen Beitrag für die Befreiung der Stadt.

Anlässlich des heutigen Welt-Kobanê-Tages hat die Generalkommandantur der Frauenverteidigungseinheiten YPJ (Yekîneyên Parastina Jin) eine Grußbotschaft veröffentlicht. Diese lautet:

„Zum Welt-Kobanê-Tag am 1. November beglückwünschen wir die gesamte Menschheit, die Völker des Mittleren Ostens und das Rückgrat des Widerstandes in Nordsyrien und Kobanê; das kurdische Volk. Wir gedenken in tiefem Respekt Arîn Mîrkan, Rêvan Kobanê, der internationalistischen Gefallenen Ivana Hoffmann, Sibel Bulut, Rıfat Horoz und all derer, die ihr Leben für die Befreiung Kobanês und die Revolution Nordsyriens ließen.

Kobanê-Widerstand hat globale Dimensionen

Der weltweite Tag für Kobanê hat die Menschheitsgeschichte geprägt. Von Indien bis Japan, von Pakistan bis nach Ecuador, Peru, Argentinien, Italien und Spanien haben die Völker der Welt das Ende der Angriffe des sogenannten Islamischen Staates gefordert. Demokratie- und Friedensbewegungen glaubten fest daran, dass der Widerstand von Kobanê den Anfang des Weltfriedens markiert und gingen mit der Maxime ‚Überall ist Kobanê, überall ist Widerstand!‘ überall auf die Straßen. Insbesondere der Widerstand der Frauen war richtungsweisend und bewirkte, dass der Kampf um Kobanê globale Dimensionen angenommen hat. Die gesamte Menschheit realisierte, dass es sich beim „IS“ um eine große Gefahr für uns alle handelt und solidarisierte sich überall mit dem Widerstand. Mit dem globalen Ausmaß des Kampfes für Kobanê ist auch die Revolution von Rojava gewachsen und zu einer Schöpferin großer Errungenschaften geworden. Hunderte internationalistische Freiwillige haben sich den Reihen der YPJ und YPG angeschlossen und mit großer Hingabe in Kobanê und Efrîn an vorderster Front gekämpft. Für die Verteidigung menschlicher Werte wandten sie sich der Revolution in Nordsyrien zu, wo viele von ihnen ihr Leben gelassen haben.


Für den IS schlägt die letzte Stunde

Heute liegt der „IS“ in seinen letzten Zügen. Schritt für Schritt wird in Nordsyrien der Dreck der Dschihadisten beseitigt. Diese Schritte tätigen zu können war und ist jedoch nicht einfach. Die herrschenden Kräfte, allen voran die Türkei, agieren weiterhin als Unterstützer der Islamisten. Unter dem Scheingrund, für die Sicherheit Syriens zu handeln, werden schmutzige Pläne ausgehandelt, um den Dschihadisten Rückhalt zu bieten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kräfte die Revolution in Syrien und Rojava entsprechend ihren eigenen Interessen lenken zu versuchen und den Willen der Völker zerschlagen wollen. Die letzten Angriffe des türkischen Staates auf Dörfer in Kobanê dienen als konkretes Beispiel für die Absichten in der Region. Obwohl die breite Öffentlichkeit über die Vorgänge bestens informiert ist, wird keine entsprechende Haltung eingenommen. Zweifellos stellt diese Tatsache eine Situation dar, die von den friedfertigen Völkern in Frage gestellt wird.

Entschlossen, die Revolution zu verteidigen

Wir Frauenverteidigungseinheiten leisten weiterhin entschlossen Widerstand gegen alle Angriffe. In diesem Sinne sind wir der Überzeugung, dass jede Person, die einen Kampf für die Freiheit leistet, seiner Verantwortung nachkommt. So wie die Welt im Kampf um Kobanê nicht schwieg und sich solidarisch zeigte, glauben wir, dass sie auch heute zur Verteidigung menschlicher Werte für die Revolution von Rojava und Syrien eintreten wird.

Mit dieser Überzeugung werden wir als YPJ alle Angriffe vereiteln. Mit Eigenkraft werden wir gemeinsam mit unserem Volk entschlossen die Revolution von Rojava und der gesamten Menschheit verteidigen. Unsere Verbundenheit gilt den Gefallenen von Kobanê, den Gefallenen Nordsyriens und den Gefallenen des Widerstandes von Efrîn. Wir gedenken ihrer mit tiefem Respekt und versprechen, zu siegen“.

ANF

Türkisches Militärfahrzeug als Reaktion auf Angriff zerstört

Gemeinsame Patrouille im Grenzgebiet Nordsyriens

Kräfte der internationalen Koalition gegen den IS und die QSD haben gemeinsam die von der türkischen Armee in Nordsyrien angegriffenen Gebiete besucht.

Eine Abordnung der internationalen Koalition gegen den IS und der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) hat die von türkischen Angriffen betroffenen Gebiete bei Kobanê und Girê Spî (Tall Abyad) aufgesucht. Im Kanton Kobanê patrouillierten die Kräfte gemeinsam entlang des Flusses Şêxler, der sich östlich der von der Türkei besetzten Region Cerablus befindet.

Auch in Girê Spî fand eine gemeinsame Patrouillenfahrt statt.

Angriffe seit vergangenem Sonntag

Das Erdoğan-Regime greift seit dem 28. Oktober Grenzdörfer in Nordsyrien an. Bei den bisherigen Angriffen auf Kobanê und Girê Spî wurden drei Personen getötet und mehrere Personen verletzt. Gestern Abend wurde ein zwölfjähriges Mädchen durch einen Kopfschuss tödlich verletzt. Bei den zwei weiteren Todesopfern handelt es sich um Mitglieder der lokalen Selbstverteidigungskräfte.

Offensive gegen IS abgebrochen

Die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) haben aufgrund der türkischen Angriffe eine Anfang September gestartete Offensive auf die IS-Hochburg Hajin an der irakisch-syrischen Grenze unterbrochen und eine klare Stellungnahme der von den USA angeführten internationalen Koalition eingefordert.

Koalitionssprecher Sean Ryan hatte gestern lediglich über Twitter erklärt, es bestehe Kontakt zur Türkei und den QSD, es werde versucht, die Lage zu entspannen. Ähnlich hatte sich das US-Außenministerium bereits am Mittwoch geäußert.

ANF

VIDEO

Türkische Armee greift Dörfer bei Kobanê an

Die türkische Armee hat ihre Angriffe auf Rojava ausgeweitet. Aktuell werden die Dörfer Kor Eli und Selim bei Kobanê beschossen.

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur ANHA beschießt die türkische Armee aktuell zwei Dörfer westlich von Kobanê. Demnach wird das Dorf Kor Elî mit Mörsergranaten beschossen, das 15 Kilometer westlich von Kobanê liegende Dorf Selim wird mit Panzergeschossen angegriffen. Zwei Zivilisten sind verletzt worden.

Die Einheiten der YPG und YPJ beantworten gegenwärtig den Beschuss des Dorfes Selim durch die türkische Armee. Dabei wurde ein Fahrzeug der türkischen Besatzerarmee zerstört.

ANF

VIDEO

Deutschland pumpt Millionen nach Idlib

Aus einer schriftlichen Anfrage der Abgeordneten Evrim Sommer geht hervor, dass die Bundesregierung in Kooperation mit der EU 65 Millionen Euro in die von Dschihadisten kontrollierte Stadt Idlib in Nordsyrien steckt.

Im Rahmen des Projektes „Unterstützung für einen Stabilisierungs- und Transitionsprozess in Syrien“ fördert die Bundesregierung „zivile Akteure“ mit 10,03 und die EU diese mit 17,05 Millionen Euro. Damit sollen die Grundversorgung in Idlib sichergestellt und „unabhängige zivile Akteure“ in dem syrischen Gouvernement unterstützt werden. Hinzu kommen 27,5 Millionen Euro aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Beiträge „anderer Geber“ in Höhe von 11,3 Millionen Euro. Diese Zahlen gehen aus einer schriftlichen Anfrage von Evrim Sommer, der entwicklungspolitischen Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE hervor.

Die Abgeordnete erklärt dazu: „Die Stabilisierungshilfen und die humanitäre Unterstützung der Bundesregierung für die Menschen in der Region Idlib sind zu begrüßen. Es muss aber sichergestellt sein, dass sie ausschließlich der Zivilbevölkerung zu Gute kommen und nicht von Erdoğan bewaffnete islamistische Terrorbanden mit deutschen Steuergeldern gepäppelt werden.“

Das dürfte schwierig sein, da ein Großteil der Region von dem Al-Qaida-Ableger HTS (vormals al-Nusra) kontrolliert wird. Der Rest wird von türkeitreuen und nicht weniger dschihadistisch ausgerichteten Milizen beherrscht, die ebenfalls Verbindungen zu al-Qaida bzw. dem IS haben. Wie die Bundesregierung die Verteilung der Mittel „engmaschig“ überwachen will, bleibt ihr Geheimnis.

Ein anderes Beispiel zeigt, was die Bundesregierung mit der Unterstützung des Transitionsprozesses meint. So unterstützte die Bundesregierung, wie aus eine Kleinen Anfrage der innenpolitischen Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke, hervorging, Türkei-nahe Gruppen aus dem sogenannten Kurdischen Nationalrat (ENKS) mit über 800.000 Euro unter anderem für „Öffentlichkeitsarbeit“. Aus Mitgliedern des besagten ENKS und anderen ist in Efrîn ein Marionettenrat für die türkische Besatzung aufgebaut worden.

Vergleicht man die Unterstützung für Idlib mit der praktisch kaum vorhandenen staatlichen humanitären Hilfe für Rojava und dem Versuch der systematischen diplomatischen Isolierung der Demokratischen Föderation Nordsyrien durch die Bundesregierung, dann wird das Bild klarer: Diese Tatsachen legen den Schluss nahe, dass es bei den Zahlungen an Idlib mehr um ein Geschenk der Bundesregierung im Sinne der Interessenspolitik der Türkei geht als um wirkliche humanitäre Hilfe.

ANF

Drei kurdische Gefangene hingerichtet / Iran

Hengaw: In den vergangenen Tagen wurden drei kurdische Gefangene in den Zentralgefängnissen in Ilam, Meraghe und Isfahan hingerichtet.

Laut der Nachricht, die die Organisation für Menschenrechte Hengaw erreicht hat, wurde am 16. Oktober die Todesstrafe eines kurdischen Gefangenen namens Meloud Shahoseni, 29 Jahre alt, aus Diwander im Zentralgefängnis in Isfahan vollstreckt. Meloud Shahoseni wurde zuvor des Drogenhandels angeklagt und zum Tode verurteilt.

Des Weiteren wurden am 14. Oktober ein kurdischer Gefangener namens Aslan Shirani aus Miandoab im Zentralgefängnis in Meraghe hingerichtet und am 18. Oktober ein kurdischer Gefangener namens Kurush Behzadiyan im Zentralgefängnis in Ilam. Beide Bürger wurden wegen des Totschlags zum Tode verurteilt.

Organisation für Menschenrechte Hengaw

QSD verhindern IS-Anschlag in Deutschland

Mitglieder eines IS-Kommandos, das Anschläge in Deutschland vorbereitete, befinden sich in QSD-Gefangenschaft. Die QSD haben einen Großteil der für Deutschland vorgesehenen Attentäter aufhalten können.

Die Aussagen des im Oktober 2017 in Raqqa zusammen mit seiner Frau Marcia M. festgenommenen Dschihadisten Oğuz G. aus Niedersachsen schlagen in den deutschen Medien hohe Wellen. Vor seiner Ausreise gehörte er in Hildesheim zum Umfeld des Salafistenpredigers Abu-Walaa, der ebenfalls enge Verbindungen zu Anis Amri, dem Attentäter vom Breitscheidplatz, pflegte.

Korrespondenten von NDR, WDR und SZ konnten den Dschihadisten Oğuz G. in einem von den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) kontrollierten Gefängnis besuchen. Aus den Aussagen des IS-Mitglieds geht hervor, wie ein Anschlag in Deutschland verhindert wurde. Gegenüber den Korrespondenten erklärte er, es sei ein Massaker ähnlich dem von 2015 in Frankreich, bei dem 130 Personen starben, für Deutschland geplant gewesen. Nach Informationen, die den deutschen Medien und den Sicherheitsbehörden übergeben wurden, sollten im Rahmen dieses Plans drei IS-Kommandos nach Deutschland entsandt werden, um Anschläge zu verüben.

QSD-Operationen in Nordsyrien verhinderten Ausreise

Da die QSD dem IS in Rojava und Nordsyrien schwere Verluste zufügten, riss die Kommunikation ab und die für das Massaker vorgesehen Gruppen konnten nicht aus dem Kriegsgebiet ausreisen.

Obwohl deutsche Behörden und Regierungsstellen eine offizielle Kontaktaufnahme mit der Vertretung von Rojava tunlichst vermeiden und eine Rücknahme von Dschihadisten mit deutschem Pass mit der Begründung verweigern, es gebe keine bundesdeutsche Vertretung in Syrien, ist der deutsche Nachrichtendienst BND sehr wohl in Nordsyrien aktiv und hat unter anderen Oğuz G. und viele andere IS-Dschihadisten in Gefangenschaft der QSD vernommen.


ANF

Born From Urgency – Faces from the Frontline Against ISIS

Born From Urgency – Faces from the Frontline Against ISIS from Joey L on Vimeo.

Kurden leiden und die Welt schaut nur zu

Der kurdische Politiker Selahattin Demirtas fordertet nur Frieden und wurde deshalb zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Iran hat drei kurdische Aktivisten hingerichtet und am gleichen Tag noch das Lager einer kurdischen Partei bombardiert, dabei kamen 15 Menschen ums Leben. Die Kurden leiden immer mehr unter den herrschenden Regimes in der Hölle des Nahen Ostens. Die übrige Welt ist still und reagiert nicht…

Nach dem Ersten Weltkrieg zogen sich Briten und Franzosen aus dem Nahen Osten zurück und ließen viele Staaten zurück. Die Türkei, Syrien und der Irak waren drei dieser neuen Länder. In Lausanne zogen die Briten und Franzosen neue Grenzen für dieser Länder. Von diesen Grenzen waren in erster Linie Kurden betroffen. „Das Recht der Nationen, ihr Schicksal zu bestimmen“ wurde Kurden verwehrt.

1639 unterzeichneten der Iran (Safawiden-Reich) und das Osmanische Reich den Vertrag von Kasri-Shirin und teilten die kurdische Region unter sich auf. Nach Jahrhunderten wurde diese kurdische Region dieses Mal unter den Ländern Türkei, Irak und Syrien aufgeteilt. Sie sahen kein Problem darin, Kurden zu massakrieren und leiden zu lassen. Während die Geschichte für viele Völker Wandel btachte, blieb den Kurden ausschließlich Tod, Leid und Massaker überig.

Der Iran, Irak, Syrien und die Türkei scheinen wegen regionaler Interessen ständig in Konflikt zu sein. Wenn jedoch Kurden im Spiel sind, gehen sie stets gemeinsam vor. Die Kurden dagegen halten nicht zusammen und führen eine zersplitterte Politik. Der Grund für den hundertjährigen Erfolg der „Teile und Herrsche“ – Politik, welche von den Engländern stammt, ist diese gespaltene Politik der Kurden.

Wir sind im Jahr 2018 und Kurden werden immer noch hingerichtet, bombardiert, getötet, verhaftet und wegen ihrer Ansichten zu Haftstrafen verurteilt. An einem Tag kommen bittere Nachrichten aus der Türkei und am nächsten Tag aus dem Iran, Irak oder aus Syrien. Es gibt fast keinen Tag, an dem die Kurden nicht sterben, verhaftet werden oder leiden. Das Leiden der Kurden wird nicht in diesen vier Teilen enden. Es ist wahr, dass Kurden als ein Volk an sich viel zu viel Leid erfahren.

Das iranische Regime hat am vergangenen Wochenende drei junge kurdische Männer hingerichtet. Einer von ihnen war Ramin Panahi. In seiner letzten Botschaft sagte er: „Ich bin kein Terrorist. Ich bin ein Aktivist, der für die Rechte der Kurden kämpft.“ Die Hinrichtung des iranisch-kurdischen jungen Mannes wurde zuvor durch heftigen Reaktionen verbunden mit Kampagnen in den sozialen Medien zweimal verschoben. Am Morgen nach dem Idlip-Gipfeltreffen in der iranischen Hauptstadt Teheran, an dem auch der türkische Präsident Erdogan teilnahm, wurde nicht nur Panahi, sondern auch zwei seiner Cousins hingerichtet. Ist die Botschaft an die Kurden nicht eindeutig? Hat sich jemand außer Kurden und ihren Freunden den Hinrichtungen widersetzt? Nein! Die Welt ist still und reagiert nicht, sie nahm lediglich die Rolle eines Zuschauers ein. Ramin Panahis trauernde Mutter sagte: „Ich hatte ein ruhiges Gewissen und bin von einer Hinrichtung nicht ausgegangen. Sie haben ihn aber hingerichtet. Ramin ist nicht mehr da.“ Haben denn diese Worte bei keinem ein schlechtes Gewissen hervorgerufen? Ihre Worte sind so bitter gewesen, als wäre jedes einzelne Wort von ihr erst einmal in Leid eingetaucht und dann erst ausgesprochen worden. (Wow! Sehr gut!)

Noch am selben Tag bombardierte der Iran das Lager der kurdischen Partei İ-KDP in der Stadt Erbil der kurdischen Region im Irak. Dabei kamen 15 Kurden ums Leben. Es wurde behauptet, dass der Iran diese Raketen, die auf sie abgefeuert wurden, zum ersten Mal eingesetzt habe. Es ist nichts Neues, dass Staaten ihre neuen Waffen erst einmal bei Kurden ausprobieren. Es gibt viele Beispiele diesbezüglich. Saddams chemische Waffen in Halabdscha oder Erdogan, der noch in jüngster Vergangenheit seinen „nationalen Mehrfachraketenwerfer” das erste Mal im nordsyrischen Afrin getestet hatte…

In der Türkei wurden die Verteidiger des Friedens bestraft. Selahattin Demirtas, ehemaliger Co-Vorsitzende der HDP und Sirri Süreyya Önder, Abgeordneter der HDP, die von sechs Millionen Menschen in der Türkei unterstützt wird, wurden wegen ihrer Aussagen in der Zeit als noch Friedensgespräche mit der Regierung geführt wurden, zur Haftstrafe verurteilt. In der Türkei wurde das Recht auf freie Meinungsäußerung ausgeschaltet und die Justiz ist im Garten des AK Palastes begraben. Die „Große türkische Gerechtigkeit“ sucht die Kurden schon seit mehreren Jahren nicht mehr auf.

Die USA und die westlichen Staaten widersetzen sich einer möglichen militärischen Operation von Syrien und Russland gegen radikale dschihadistische Gruppen in Idlib. Gleichzeitig erheben sie ihre Stimme dagegen. Wenn es jedoch um Kurden geht, nehmen sie alle die Rolle der drei buddhistischen Affen ein. Die westliche Demokratie behauptet in Sachen Kurden, nichts zu wissen, nichts zu sehen und nichts zu hören. Die Welt hält trotz der Geschehnisse ihre Ohren zu. Kurden stehen mit ihrer historischen Einsamkeit allein da. Kurden, die in der Hölle des Nahen Osten unter der repressiven Herrschaft von vier Länder leben müssen, haben nicht viele Möglichkeiten: Entweder halten sie zusammen und kämpfen gemeinsam für ihre Freiheit oder sie werden noch weiter hingerichtet, massakriert und müssen noch viel leiden.

WDR




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