Archiv der Kategorie 'KURDISTAN'

Solidarität mit Rojava und Shengal – Gegen die Kriminalisierung der PYD, YPG und YPJ

Demonstration: 17. Juni 2017, 12 Uhr, Berlin, Mathilde-Jakob-Platz (Rathaus Tiergarten)

Aufruf der PYD-Deutschland (Partei der Demokratischen Einheit):

In Rojava und Shengal werden heute die demokratischen Grundwerte geschützt und verteidigt. Spätestens seit der Verteidigung Kobanês im Jahr 2014, weiß die ganze Welt, dass die Volks- und Frauenverteidigungskräfte YPG und YPJ in Rojava ihr Leben für Demokratie, Freiheit und Frieden auf der ganzen Welt einsetzen. Während der gesamte Mittlere Osten seit Jahren in Kriegen versinkt, wird heute in allen Regionen Kurdistans eine Alternative aufgebaut: Basisdemokratie, Frauenbefreiung und Ökologie bilden die Grundpfeiler des gesellschaftlichen Neuaufbaus. An dem Aufbau einer Gesellschaft in Freiheit beteiligen sich sowohl die regionalen Bevölkerungsgruppen, Glaubens- und Religionsgemeinschaften als auch tausende internationalistische AktivistInnen. Rojava und Shengal sind heute eine gelebte Alternative für alle Menschen, die für eine gerechte Welt ohne Krieg und Ausbeutung eintreten.

Trotz millionenfacher Solidaritätsbekundungen von Menschen aus der ganzen Welt, sind bisher nur wenige Staaten solidarisch mit den demokratischen Errungenschaften in Rojava und Shengal. Es fehlt nicht nur an ausreichender direkter Unterstützung für den Kampf und Widerstand der YPG und YPJ. Die Kraft, die den Islamischen Staat (IS) seit Jahren am effektivsten bekämpft und tausende von KämpferInnen verloren hat, bezeichnet heute einzig die Türkei als „Terroristen“, so wie sie es mit allen politischen Gegnern macht. Die Bundesregierung übernimmt nun die Sichtweise des AKP-Regimes von Recep Tayyip Erdoǧan und stellt damit die YPG und YPJ mit praktisch verbotenen Organisationen gleich.

Denn Deutschland treibt die Kriminalisierung der YPG und YPJ, aber auch der politischen Partei PYD am aktivsten voran. Die Empfehlung des Innenministeriums von Anfang März diesen Jahres, unter anderem die Flaggen der YPG, YPJ und der PYD bei öffentlichen Demonstrationen und Kundgebungen zu verbieten, ist der Höhepunkt dieser Kriminalisierungs- und Verbotspolitik. KurdInnen in Deutschland, aber auch ihre internationalistischen UnterstützerInnen können heute auf deutschen Straßen praktisch keine Solidarität mehr mit den demokratischen Errungenschaften sowie den Kampf und Widerstand in Rojava und Shengal leben und zeigen.

Das Konzept des demokratischen Konföderalismus und die Praxis in Rojava und Shengal zeigen uns, dass ein demokratisches und gleichberechtigtes Zusammenleben der verschiedenen Völker und Glaubensgemeinschaften möglich ist. Reaktionäre Kräfte attackieren aus diesem Grund umso heftiger gesellschaftliche Perspektiven, die jenseits kapitalistischer Ausbeutung und gesellschaftlicher Fragmentierung aufgebaut werden. Ob religiöser Fundamentalismus oder Nationalismus im Mittleren Osten und in Europa: Ziel ist stets, einen Keil in die Gesellschaften zu treiben. Emanzipatorische Alternativen zum bestehenden System sollen bereits im Keim erstickt werden. Unsere Kämpfe für eine solidarische Gesellschaftsperspektive müssen somit immer wieder zusammengeführt werden.

Der Endpunkt der Demonstration markiert somit den Beginn der Gegenproteste gegen den geplanten Aufmarsch der rassistischen, neu-rechten “Identitären Bewegung”. Mit der aggressiven Stimmungsmache gegen Geflüchtete und alle, die als “nicht-europäisch” oder “links” markiert werden und nicht in ihr enges Weltbild passen, heizen sie aktiv den Rechtsruck an und paktieren dabei mit der “Alternative für Deutschland (AfD)”.

Wir rufen alle solidarischen Menschen zur Teilnahme auf.

Wer heute für die Demokratie einsteht, steht auch für Rojava und Shengal ein! Wir akzeptieren die Kriminalisierungs- und Verbotspolitik nicht!

Datum und Zeit: 17. Juni 2017 um 12 Uhr

Ort: Mathilde-Jakob-Platz (Rathaus Tiergarten)

ISKU

VIDEO

Erê ji bo serxwebûna Kurdistanê!

Kurdistan Region to hold independence referendum in September

http://kurdischenachrichten.com/wp-content/uploads/2014/06/kurdistan-flagge.jpg

The Kurdistan Regional Government (KRG) of South Kurdistan (Northern Iraq) is to hold the long disputed independence referendum on 25 September 2017.

The region, which has had an inactive parliament since October 2015 will also hold parliamentary elections on 6 November.

Referendum committees have been formed by the KRG’s out-of-term president Masoud Barzani and will visit foreign and neighbouring countries to discuss the referendum, according to Rudaw.

Four points agreed at meeting

A meeting was held with the top officials of parties within the KRG Parliament on Wednesday, excluding Gorran (Change Movement), which refuses to hold a referendum before the inactive parliament convenes again.

The following points were agreed upon by the attendees:

- First, 25 September 2017 was set for holding referendum in the Kurdistan Region of Iraq and the Kurdistani areas outside the region’s administration.

- Second, from the end of the meeting until the date of holding the referendum, the parties will be working to reactivate the parliament and resolve the political issues for the sake of obtaining a national unanimity.

- Third, emphasising the maintenance of the livelihood and addressing the economic crisis of the people of Kurdistan, civil servants, other groups and the destitute people.

- Fourth, the formation of the referendum high council was decided on to be overseen by Mr. President Masoud Barzani. It was also decided on that the political parties have to appoint their respective representatives until 12 June 2017 to be part of some committees of the referendum and post-referendum.

The parties which attended the meeting: Kurdistan Democratic Party (KDP), Patriotic Union of Kurdistan (PUK), Kurdistan Islamic Union (KIU), Kurdistan Islamic Movement (KIM), Kurdistan Communist Party, Kurdistan Toilers Party, Kurdistan Toilers and Workers Party, Kurdistan Development and Reform Party, Erbil Turkmen List, Iraqi Turkmen Front, Turkmen Development Party, Armenian List in Kurdistan Parliament, Assyrian Democratic Movement, Assyrian Chaldean Popular Council.

Kirkuk, Khanaqin, Makhmour, Sinjar included in referendum

Masoud Barzani’s senior adviser Hemin Hawrami also tweeted that areas contested between the KRG and Iraqi central government will also be included in the referendum.

Kurdish officials have said the referendum will show what the people of the region want and strengthen the KRG’s position.

Neighbouring countries, including Turkey, Iran and Iraq have warned against the referendum, saying it could destabilise the area and have instead called for the protection of the integrity of current state borders. The US and European countries have also been tentative in supporting the independence initiative.

Kurdish Question

Ja zur Unabhängigkeit Kurdistans!

https://kurdische-gemeinde.de/wp-content/uploads/Unabhaengigkeit-kurdistan.jpg

Die kurdische Autonomieregierung hat in einer gemeinsamen Erklärung mit mehr als 14 Parteien und Organisationen Kurdistans, inklusive der turkmenischen, armenischen, chaldäischen und assyrischen Minderheiten bekanntgegeben, dass ein Referendum zur Unabhängigkeit Kurdistans stattfinden solle. Als Datum für das Unabhängigkeitsreferendum wurde der 25. September 2017 festgelegt.

Die Kurdische Gemeinde Deutschlands begrüßt den Beschluss des unter Kurdinnen und Kurden langersehnten Referendums.

Mehmet Tanriverdi, stellvertretender Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, stuft diese Entscheidung als „historisch“ ein. „Mit diesem friedlichen Schritt sendet das kurdische Volk und die in Kurdistan lebenden Minderheiten ein deutliches Signal an die Weltgemeinschaft, dass nur ein unabhängiges und demokratisches Kurdistan zur Stabilisierung des Nahen Ostens beitragen kann.“

Die Kurdische Gemeinde Deutschland unterstützt jede friedliche Anstrengung, die dazu beiträgt, dass eine funktionierende Gewalteinteilung entsteht, dass ein starkes Parlament das Volk repräsentiert, den Schutz der Minderheiten garantiert und die Präsidentschaftswahlen ausrichtet. Eine stabile Unabhängigkeit im fragilen Nahen Osten braucht auch eine funktionierende starke Demokratie.

Tanriverdi ruft die Bundesregierung auf, bereits im Vorfeld des Referendums die kurdische Autonomieregierung in der Planung und Umsetzung des Referendums organisatorisch und logistisch zu unterstützen. Deutschland und Kurdistan sind über die 1,2 Millionen in Deutschland lebenden Kurdinnen und Kurden hinaus enge Partner, insbesondere im Kampf gegen den Terrorismus. Daher sieht Tanriverdi in der tatkräftigen Unterstützung des Referendums durch Deutschland die logische Fortsetzung und Vertiefung der begonnen militärischen Partnerschaft.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland wird laut Tanriverdi ihre „Brückenfunktion nutzen, um als verlässlicher Partner der Bundesregierung die politischen und wirtschaftlichen Chancen einer engeren Vernetzung Deutschlands und Kurdistans aufzuzeigen.“

Kurdische Gemeinde Deutschland e.V.

Kurden kündigen Unabhängigkeits-Referendum an

http://kurdischenachrichten.com/wp-content/uploads/2014/06/kurdistan-flagge.jpg

Noch im September sollen die Bürger über eine Abspaltung ihrer Gebiete entscheiden.

Die Kurden im Irak sollen am 25. September in einem Referendum über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Das gab das Büro von Präsident Masoud Barzani nach einem Treffen mit Funktionären der im Parlament in Erbil vertretenen Parteien und Mitgliedern der kurdischen Regionalregierung bekannt. Die Abstimmung soll ausdrücklich alle von der Regierung als kurdisch betrachteten Gebiete in Irak umfassen, also auch die Region Kirkuk, Khanqin, das Sinjar-Gebirge und Makhmour, die auch von der schiitisch dominierten Zentralregierung in Bagdad beansprucht werden. Die kurdischen Peschmerga hatten die Kontrolle über diese Gebiete im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewonnen. Das wegen seines Ölreichtums seit langem umstrittene Kirkuk hatten sie auf ausdrückliche Bitte Bagdads übernommen und verteidigt.

Die Abstimmung soll nicht bindend sein – birgt aber dennoch viel Konfliktpotenzial

Die Abstimmung war zuvor schon für nicht bindend erklärt worden und würde wohl nicht sofort eine Unabhängigkeitserklärung nach sich ziehen. Sie hat aber das Potenzial, zu einem ernsten Konflikt mit Bagdad zu führen – bis hin zu einem neuen Krieg im Irak. Erbil und die Zentralregierung streiten seit Monaten über die Verteilung der Öleinnahmen. Bagdad hat seine Überweisungen eingestellt, sodass die kurdische Regionalregierung monatelang keine Gehälter auszahlen konnte. Erst vor Kurzem hatten die Kurden ihre Flagge über Kirkuk gehisst und ein Votum des Parlaments in Bagdad ignoriert, alleine die irakische Flagge über Regierungsgebäuden wehen zu lassen.

Barzani hat schon mehrmals ein Referendum angekündigt. Diesmal beruht sein Vorstoß aber auf einem breiten politischen Kompromiss, der ebenfalls vorsieht, im November die überfälligen Parlamentswahlen abzuhalten. Die Parteien beschlossen zudem, der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen Priorität zu geben. Die Mehrheit der arbeitenden Kurden ist direkt oder indirekt bei der Regionalregierung beschäftigt und deshalb von der Wirtschaftskrise und dem Ausbleiben der Gehälter besonders betroffen. Westliche Diplomaten hatten noch im Frühjahr keine logistischen Vorbereitungen für die angekündigte Abstimmung bemerkt. Sie könnte auch dieses Mal wieder verschoben werden. Mit dem Beschluss vom Mittwoch haben sich aber alle wichtigen kurdischen Parteien in Irak selbst unter Druck gesetzt und Erwartungen bei der Bevölkerung geweckt.

SZ

Art, a pillar of Rojava’s revolution

Is art the fuel that kept the fire of the Kurdish resistance alive?

Art at war times always carries strong messages.

In Rojava it’s not only a political statement or a form release from facing real tough times, it’s about, as a Kurdish person, to take back your identity in your hand.
Before 2011, to have a book written in Kurdish or to sing traditional songs in the street could easily lead you to prison and torture.
Since we have gained greater autonomy in north Syria, the Kurd’s mother tong can at last be heard in the streets, the new school books are written in Kurmanji and art and cultural centers are thriving in every city.

This short docu is an introduction to the creative mind of Rojava’s artists and an attempt to grasp the essence of their inspiration.

Black Flag Down

Die Schlacht um Mosul / 2017

Seite an Seite mit den kurdischen Kämpfern und der irakischen Armee berichtet Bernard-Henri Lévy über die Eroberung der „Hauptstadt des IS“.

Es dauerte vom 17. Oktober 2016, dem ersten Tag der Schlacht um Mosul, bis Mitte Januar, bis der Osten der Stadt endlich aus den Fängen Terrorregimes des IS befreit war – dort steht das Grab des Propheten Jonas aus dem Alten Testament, heute noch hoch verehrt von Juden, Christen und Muslimen. Zwischen diesen beiden Ereignissen kehrten Bernard-Henri Lévy und sein Team immer wieder an die Front zurück, zu den kurdischen Soldaten und auch zu den irakischen Spezial-Einheiten, der sogenannten Golden Division – sie waren dabei, bei den Momenten zwischen Sieg und Niederlage: Zwischen dem Vorrücken der Befreier und den Überraschungsangriffen der islamistischen Terroristen, der Freude der Zivilbevölkerung beim Anblick der Befreier und der Bestürzung der Christen, die nach der Vertreibung wieder zurückkehren durften, in ihre häufig vom IS-Terror geschändeten Häuser und Kirchen.

Nach seinem ersten Film Peshmerga von 2015, einer Reise entlang der 1000 Kilometer langen Front zwischen dem Gebiet der Kurden und dem IS, liefert Bernard-Henri Lévy nun in seinem zweiten Film zu diesem Thema die Fortsetzung des Kampfes gegen den Islamistischen Terror. Die Kurden erhoffen sich davon noch immer die Anerkennung der Weltgemeinschaft, auf ihrem langen Weg, einen eigenen Staat zu gründen.

ARTE
/ 2. März 2017

Will Turkish airstrikes stop Kurdish-led operation to capture Raqqa?

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/123m1p6xk7d9i.gif
YPG commanders and US-led coalition representatives visited the site of Turkish airstrikes in Karakoch, northeastern Syria on Tuesday (Photo: ANF)

Airstrikes by the Turkish military on Kurdish groups in Syria and Iraq on Tuesday has put the operation to capture the Islamic State (IS) stronghold Raqqa in danger, according to statements from Syrian Kurdish leaders.

Turkish airstrikes targeted the positions of the Kurdish People’s Protection Units (YPG), the main group in the Syrian Democratic Forces (SDF), which is spearheading the assault on Raqqa, killing at least 18 early Tuesday morning, Reuters reported.

http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/zy1jz27fsmag5.gif

Syrian Kurdish officials of the Kurdish-led autonomous administration in northern Syria have condemned the dozen or so strikes and said they could put the operation in danger if international forces did not put up a stance.

Salih Muslim: We are expecting a statement from the coalition

Kurdish Democratic Union Party (PYD) co-leader Salih Muslim said the airstrikes would have a negative impact on the Raqqa operation, adding, “Turkish warplanes cannot fly in the area without the coalition’s approval. The coalition needs to make a statement. Did the coalition have knowledge of the attack? How do they view this development?”

Ilham Ehmed: Attack occurred as Raqqa operation reaches final stage

Syrian Democratic Council (SDC) co-leader Ilham Ehmed, who spoke from northeastern Derik city’s Karakoch area, which airstrikes targeted, also emphasised that the coalition needed to make its stance clear.

“While the YPG is participating in the Wrath of Euphrates Operation to liberate Raqqa, Turkey is attacking our centres. We do not accept any airstrikes on our forces, whether they be Turkish, Russian or Syrian.”

Fawza Yousif: We will protect our land

A leading member of the North Syria Democratic Federation Executive Council, Fawza Yousif said Kurdish forces would stop the Raqqa operation and instead defend themselves against Turkey if the coalition and US did not stop Ankara’s attacks, Kurdish agency Roj News reported.

KOM NEWS

VIDEO

Erdogans neuer Feldzug beginnt

http://de.share-your-photo.com/img/610bac7b7e.jpg

Türkische Kampfjets bombardieren das Jesidengebiet Sengal im Nordirak und YPG-Stellungen in Rojava.

Vom 9. April an hielten wir uns zwei Wochen im nordirakischen Sengal auf. Wir recherchierten zum illegalen Gebrauch deutscher Waffen gegen die dort lebenden Jesiden durch den kurdischen Warlord Mesud Barzani. Als wir ankamen, war einer der ersten Orte, den uns die Kolleg*innen vor Ort stolz zeigten, der Bahce Serokatî, der Abdullah-Öcalan-Garten. Das Denkmal erinnert an jene Frauen und Männer der PKK und der jesidischen Widerstandseinheiten YBS, die im Herbst 2014 im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS, Daesh) fielen, um einen Genozid an der jesidischen Minderheit zu verhindern.

Das Denkmal gibt es nicht mehr. In der Nacht zum 25. April flogen türkische Kampfjets parallel Angriffe auf Gebiete im Nordirak, im Sengal und in Rojava. Sie zerstörte ebenfalls eine YPG-Basis in Karacok, zwei Radio-Sender – einen davon in Rojava, einen im Sengal –, und bombardierten die Bergregionen in Haftanin, Gare und Kandil.

Die genauen Ausmaße der Attacke können wir zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Textes noch nicht feststellen. Sicher ist aber, dass es Gefallene und Verwundete gab. Sicher ist auch: Der Angriff war lange absehbar und soll den Aufakt zu einer länderübergreifenden Kampagne gegen die kurdische Befreiungsbewegung bilden. Überrascht muss niemand tun: Recep Tayyip Erdogan und seine Handpuppe Binali Yildirim haben die Aktion seit Monaten öffentlich angekündigt, inklusive Datum. Die internationale Öffentlichkeit, die sich so herzzerreissend um die Jesiden sorgte, als es darum ging, Waffenexporte in den Irak zu rechtfertigen, schwieg.

Schon jetzt kann man einige Feststellungen zur Einordnung der Bombenkampagne treffen. Erstens: Es wird nicht bei vereinzelten Provokationen bleiben. Die Türkei zieht Panzer an der Grenze zum Irak zusammen, vestärkt ihre Truppen in der Kurdischen Autonomieregion im Nordirak und bringt Kollaborationskräfte in Stellung.

Zweitens: Die Attacken nutzen direkt dem Islamischen Staat. Denn die kurdischen Volksverteidigungskräfte YPG/YPJ und verbündete Kräfte sind derzeit dabei, die syrische Kleinstadt Taqba zu befreien, der Belagerungsring um die Daesh-Hauptstadt Raqqa ist geschlossen. Bei Taqba gibt es seit Tagen heftige Kämpfe. Die türkischen Bombardements helfen dem Islamischen Staat, Luft zu holen, weil sich YPG/YPJ nun um eine weitere Front kümmern müssen.

Drittens: Die USA haben entweder ihre Zustimmung zu (begrenzten) Operationen gegeben oder müssten jetzt scharf reagieren. Realistisch ist ersteres. „Jeder hier weiß, dass es ein taktisches Spiel ist“, sagt der Internationalist Serhildan Sengali in Qamishlo gegenüber LCM. „Manchmal macht Washington uns Zugeständnisse, manchmal der Türkei. Sicher, die USA wollen, dass wir nach Raqqa gehen. Aber sie wollen auch nicht, dass wir zu stark werden. Deshalb erlauben sie der Türkei in bestimmten Ausmaßen Operationen. Und Kandil wollen sowieso beide beseitigen.“

Viertens: Der Krieg rund um Sengal wird mit deutschen Panzern geführt werden. Denn die dortigen KDP-Milizen haben welche und sie kooperieren mit Erdogan. Sie haben sie am 3. März gegen Jesiden eingesetzt und sie werden es wieder tun, wenn Barzani keinen Positionswechsel vollzieht oder ihn andere kurdische Parteien daran hindern.

Fünftens: Der Angriff zeigt auch erneut, wie sich Angela Merkels „Flüchtlingsdeal“ mit der Türkei in der Realität auswirkt. Ankara verhindert systematisch jede Normalisierung im Sengal oder Rojava, die dafür sorgen könnte, dass Menschen hier bleiben oder zurückkehren. Der Effekt der Attacken: Neue Fluchtbewegungen.

Die heutigen Bombenangriffe lassen für die kommenden Monate unruhige Zeiten erwarten. Erdogan will seine Diktatur nach innen wie außen absichern, sein Hauptgegner dabei ist die kurdische Befreiungsbewegung. Er hat betont: Er will sie „vernichten“. Das weltweite Schweigen zu Massakern wie in den Städten Cizre und Nusaybin im vergangenen Jahr, hat ihn ermutigt, dabei keine Rücksicht mehr auf zivile Opfer zu nehmen.

Lower Class Magazine

VIDEO




kostenloser Counter
Poker Blog