Archiv der Kategorie 'KURDISTAN'

Der Palast am Tigris


Quelle: Eberhard Karls Universität Tübingen

• Eine langanhaltende Dürre hat einen bronzezeitlichen Palast im Norden des Irak freigelegt.

• Es handelt sich vermutlich um eine Stadtanlage der Mittani-Kultur. Dieses Reich stand in der Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus in seiner Blüte.

Gemessen an seiner Größe ist erstaunlich wenig über das Königreich Mittani bekannt: Während seiner Blütezeit Mitte des zweiten Jahrtausends vor Christus erstreckte sich sein Herrschaftsgebiet von der Mittelmeerküste über Syrien bis in den Norden des heutigen Irak. Akkadische Keilschrifttexte weisen darauf hin, dass die mittanischen Könige mit den ägyptischen Pharaonen und den Herrschern von Babylonien in Kontakt standen. So ist bekannt, dass Pharao Amenophis III. eine Tochter des mittanischen Herrschers Tuschratta heiratete. Dennoch haben nur wenige Überreste der Kultur überdauert, darunter einige Keramikgefäße. Das Reich von Mittani gilt als einer der am wenigsten erforschten Staaten des Altertums.

Ein neuer Fund am Ufer des Tigris könnte das ändern. Ausbleibende Regenfälle ließen den Wasserpegel des Mossul-Stausees im Nordirak vergangenes Jahr sinken, so kamen unerwartet Überreste einer prächtigen Stadtanlage zum Vorschein. Seitdem graben Archäologen der Universität Tübingen gemeinsam mit Experten der Kurdistan Archaeology Organization (KAO). Nun präsentierten die Forscher erste Ergebnisse.

Prächtige Wandmalereien, imposante Mauern

Bei der Anlage handle es sich um ein planmäßig angelegtes Gebäude mit massiven Innenmauern aus Lehmziegeln. Einige Wände seien bis zu zwei Meter dick, die gesamte Anlage sei bis zu sieben Meter hoch. „Wir haben zudem Reste von Wandmalereien in leuchtenden Rot- und Blautönen gefunden“, wird Ivana Puljiz vom Tübinger Institut für die Kulturen des Alten Orients in einer Mitteilung zitiert. Solche Wandmalereien seien vermutlich ein typisches Ausstattungsmerkmal von Palästen gewesen, hätten sich aber nur sehr selten erhalten. Deshalb sei die Entdeckung „eine archäologische Sensation“.

Schon die Lage der Festung weist darauf hin, wie wichtig der Ort einst war. Während des Altertums stand der Palast auf einer Anhöhe am Rand des Flusstals. Um das abschüssige Gelände abzustützen, legten die Mittaner eine gewaltige Terrassenmauer zum Tigris hin an. Die Festung thronte demnach über dem Flusstal.

Die Archäologen haben zudem zwei Nutzungsphasen ausgemacht, der Palast wurde also wahrscheinlich über einen langen Zeitraum bewohnt. Die Forscher vermuten, dass sich im Norden des Palasts eine größere Siedlung anschloss, die nun ebenfalls untersucht werden soll. Eine Schrifttafel enthielt den Hinweis, dass es sich bei dem Komplex um die Stadt Zachiku handeln könnte, die aus einer anderen Quelle bekannt ist. Nach ersten Schätzungen könnte sie bis zu 400 Jahre überdauert haben.

Rund 1350 vor Christus verschwand das Großreich Mittani von der Landkarte. Seine Gebiete fielen unter die Kontrolle mächtiger Nachbarn wie der Hethiter und Assyrer.

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Süddeutsche Zeitung

Trump: I Stopped Erdogan from Attacking Kurds in Syria, 6/29/19

Guerillakämpferin Sarah Handelmann bei Luftangriff gefallen

Die deutsche Guerillakämpferin Sarah Handelmann ist am 7. April bei einem türkischen Luftangriff auf die Medya-Verteidigungsgebiete gefallen. Die HPG sprechen ihren Angehörigen ihr Beileid aus.

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Das Pressezentrum der Volksverteidigungskräfte HPG hat eine Erklärung zum Tod der Internationalistin und Guerillakämpferin Sarah Handelmann abgegeben, die am 7. April bei einem türkischen Luftangriff auf die südkurdischen Medya-Verteidigungsgebiete ums Leben gekommen ist. In der Erklärung heißt es:

„Der Kampf um Widerstand wird in allen Teilen Kurdistans mit großer Selbstlosigkeit, Fleiß und Hingabe geführt. Während das Echo dieses Befreiungskampfes unter Federführung der PKK rund um den Globus widerhallt, nehmen die selbstlosen Kämpfe unserer Gefallenen für den Aufbau eines freien Lebens ihre Plätze in der Geschichte ein.

Viele unserer Freundinnen und Freunde, die sich am Kampf gegen die faschistisch-rassenfanatische türkische Besatzungsarmee beteiligen, haben in unserem historischen Widerstand Heldenmut bewiesen und dem Faschismus in Kurdistan keinen Fußbreit überlassen. Eine dieser Freundinnen ist die internationalistische Kämpferin und Guerillakommandantin Sara Dorşîn (Sarah Handelmann). Heval Sara ist am 7. April bei einem Luftangriff der türkischen Besatzungsarmee auf die Medya-Verteidigungsgebiete gefallen.”

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Codename: Sara Dorşîn

Vor- und Nachname: Sarah Handelmann

Geburtsort: Deutschland

Todestag und -ort: 7. April 2019 / Medya-Verteidigungsgebiete

Zur Biografie von Sarah Handelmann teilen die HPG mit:

„Unsere Freundin Sara kam 1985 in Deutschland zur Welt. Bereits in jungen Jahren erkannte sie die Asozialität des Kapitalismus und begab sich auf die Suche nach dem Kampf, den sie führen wollte. Sie engagierte sich für eine Vielzahl sozialistischer Organisationen, der kurdische Befreiungskampf beeindruckte Sara besonders. Die Vernichtungspolitik, die dem kurdischen Volk auferlegt wird, empfand sie so, als sei ihr eigenes Volk davon betroffen. Sara war sich der demokratischen Einheit der Völker bewusst und glaubte daran, dass die Befreiung aus den Klauen der kapitalistischen Moderne, die den Menschen verdirbt, die Gesellschaft ausbeutet und in Stücke reißt, in der demokratischen Moderne liegt. Sie glaubte daran, dass die demokratische Moderne eine politisch-moralische Gesellschaft ermöglichen kann. Als Resultat ihrer Suche kam Sara im Jahr 2017 in die Berge Kurdistans, um sich der PKK anzuschließen, deren Grundlage die Ideologie nach einem freien Leben des Vordenkers Abdullah Öcalan ist. In den unendlichen Bergen Kurdistans wurde Sara eine Guerillakämpferin und passte sich sehr schnell an das Leben dort an. In dieser Zeit setzte sie sich intensiv mit der Frauenbefreiungsideologie der kurdischen Bewegung auseinander. Sara nahm ihren Platz in den Reihen der Frauenguerilla YJA-Star ein und knüpfte tiefe Freundschaften zu ihren Genossinnen. Sie war eine besonders beliebte Freundin ihrer Kameradinnen.

Sara entwickelte sich sehr schnell. Besonders im militärischen Bereich machte sie erhebliche Fortschritte. Als moderne zeitgenössische Kämpferin übernahm sie bei der Guerilla die Funktion der Teamkommandantin. Sie erfüllte ihre Aufgaben stets gewissenhaft und war in den Augen ihrer Freundinnen und Freunde eine Führungspersönlichkeit. In jedem Moment ihres Lebens bei der Guerilla kämpfte sie mit aufrichtiger Liebe für die Freiheit. Bis zu ihrem Tod war Sara eine aktive Guerillakommandantin, die ihren Platz im Befreiungskampf Kurdistans einnahm.

Genoss*innen wie Andrea Wolf (Ronahî), Uta Schneiderbanger (Nûdem), Jakob Riemer (Şiyar) und unzählige weitere Freundinnen und Freunde, die Symbole dieser Suche nach Freiheit wurden, kämpfen auch jetzt viele Genoss*innen aus Deutschland und anderen Ländern Europas in unseren Reihen. Auch Sara war ein wichtiger Teil unseres Freiheitsmarschs. Sie war der Ansicht, dass die gesamte Menschheit in Frieden zusammenkommen und ihre Muttersprache sprechend nach ihrer eigenen Kultur und nationalen Werten leben sollte. Sara wollte, dass sich die Gesellschaft auf Grundlage einer demokratischen Nation organisiert, um die Freiheit zu erreichen und ein freies Leben zu führen.

Die geschätzte Familie Handelmann kann nicht stolz genug auf ihre Tochter Sara sein, die ihren Kampf für die Freiheit führte. Angesichts dieses schmerzvollen Verlusts sprechen wir den Angehörigen von unserer Freundin Sara unser aufrichtiges Beileid aus.

In der Person von Sara Dorşîn erinnern wir noch einmal an alle internationalistischen Gefallenen, die als Zeichen der Solidarität der Völker im Befreiungskampf der unterdrückten Völker ihr Leben verloren haben. Wir versprechen, die von ihnen an uns übergebene Fahne der Freiheit in den Sieg zu tragen.”

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ANF

Der Widerstand verbindet uns alle: Nachruf auf Sarah Handelmann

Sarah Handelmann ist am 7. April als Guerillakämpferin bei einem türkischen Luftangriff auf die Medya-Verteidigungsgebiete ums Leben gekommen. Ihre Freund*innen teilen ihre Erinnerungen an sie.

Wir, ein paar Freund*innen von Sara, möchten gerne ein paar Erinnerungen an sie mit euch teilen.

Sara ist uns eine sehr bedachte, engagierte und herzliche Freundin. Sie begleitete uns auf mehreren Schritten ihres Lebens und hat uns immer zu vielen Diskussionen angeregt. Unsere geliebte Freundin ist im Kampf für ein freies solidarisches Leben, mit all ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, bei einem Luftangriff des türkischen Militärs in den freien Bergen Kurdistan getötet worden. Es ist nicht einfach, unsere Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Dennoch wollen wir jetzt all unsere Kraft zusammen bringen und ein paar Erinnerungen an sie zusammen tragen, damit die Wünsche und Gedanken von Sara in uns allen weiter leben.

Einer ihrer größten Wünsche war es, einen Text an die revolutionäre Linke, an anarchistische und feministische Gruppen hier in Europa zu schreiben. Sie wollte ihnen sagen, wie wichtig es ist, dass wir uns gemeinsam organisieren, um dem patriarchalen System eine klare Haltung entgegenzusetzen, anstatt uns weiter spalten und vereinzeln zu lassen. Es ging ihr nicht darum, dass wir alle eine einheitliche Meinung zu allem entwickeln und unsere Widersprüche unter den Teppich kehren, um nach Außen eine Stärke zu vertreten, die wir nach innen gar nicht vertreten können. Auch sie selbst trug ganz viele Widersprüche in sich, doch sie wollte sich dem stellen, wollte sich mit sich selbst auseinandersetzen, ihre Persönlichkeit durchleuchten und gemeinsam durch die Methode des kurdischen Freiheitskampfes, der Kritik und Selbstkritik, an sich arbeiten, um eine militante Persönlichkeit zu entwickeln. Dafür müssen wir bei uns selbst beginnen, unsere Widersprüche können uns dazu anregen, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen, fragend voranzuschreiten und uns solidarisch aufeinander zu beziehen. Wirkliche Freundschaften fürs Leben einzugehen und eben auch, wenn es sein muss, uns bis zuletzt zu verteidigen und eine klare Haltung zu bewahren. Wenn wir diese verbindenden Momente erkennen, in denen wir alle gemeinsam betroffen sind und uns füreinander einsetzen, können wir, egal wo auf dieser Welt, eine Veränderung erzielen und eine starke kraftspendende Quelle sein. Indem wir voneinander lernen und uns Sara sowie alle anderen freiheitsliebenden Menschen in Erinnerung rufen, die vor uns diesen Weg gegangen sind und in jeglichen Momenten ihres Lebens Widerstand leisteten, können wir uns bis heute auf diese wertvolle Geschichte eines freien Lebens beziehen und sie nicht nur eine unerreichbare Utopie bleiben lassen.

Saras Suche hatte sie bis in die Berge Kurdistans gebracht. Sie war sehr beeindruckt von der autonomen kurdischen Frauenorganisierung, die sie 2016 in Bakur [Nordkurdistan] kennengelernt hatte und über die sie gemeinsam mit Freundinnen den Film „Xwebûn“ gedreht hatte. Das ist etwas, was sie uns neben allen Erinnerungen hinterlassen hat. Eine Welt, in der Frauen aus den Nachbarschaften sich selbst organisieren und ein solidarisches Miteinander leben, eine Jineolojî-Akademie aufgebaut haben, wo sie gemeinsam diskutieren und die Angriffe des Patriarchats in all seinen Facetten analysieren und Lösungsmöglichkeiten finden, wie wir uns gemeinsam dagegen, auch auf ideologischer Basis, selbst verteidigen können – nämlich indem wir uns selbst kennenlernen, Selbstbewusstsein entwickeln und uns kollektiv organisieren.

Dieser Kampf und auch die kollektive Auseinandersetzung mit dem Tod waren wohl sehr bewegende Momente für sie. Bei der Beerdigung des jungen Mädchens Rozerîn war sie mit der Kamera dabei. Rozerîn, die während der Belagerung der Altstadt Sûr (Amed) ihr Leben verlor, wird von den Familien und der Nachbarschaft zum Grab gebracht, viele Frauen halten Reden, die Eltern pflanzen Blumen auf ihr Grab. Es wird ein Gedicht von Nazim Hikmet vorgelesen, das die Schülerin vor kurzem selbst in der Schule vorgetragen hatte. Es trägt den Titel „Über das Leben“ und geht darum, dass egal in welcher Lage du dich befindest, du immer weiter kämpfen musst für ein freies Leben, auch wenn du dich im Gefängnis befindest und weißt, noch achtzehn Jahre liegen vor dir, du zweifelst nie daran, dass der Krieg gegen die Menschlichkeit irgendwann vorbei ist. Oder dass du auch als 80-Jähriger noch einen Olivenbaum pflanzt und zwar nicht, weil du ihn etwa an deine Kinder weitergeben willst, sondern weil du an den Tod nicht glaubst.

Mit diesen Erinnerungen wollen wir ihr gedenken und hoffen natürlich auch, dass noch viele weitere Freunde und Freundinnen ihre Verantwortung erkennen, die Erinnerungen, Gespräche und Ideen von Sara miteinander zu teilen, damit wir sie verwirklichen können und ihnen gerecht werden. Das ist, was wir für sie weiter tun können und was sie in uns am Leben lässt.

Wir möchten gerne mit einem Zitat von Erich Fromm aus „Haben oder Sein“ an sie erinnern:

„Trotz dieser Sicherheit des Habens

bewundern wir aber Menschen mit einer Vision von etwas Neuem.

Die neue Wege bahnen, die den Mut haben voran zu schreiten.

In der Mythologie verkörpert der Held symbolisch diese Existenzweise.

Der Held ist ein Mensch, der den Mut hat, zu verlassen was er hat

– sein Land, seine Familie, sein Eigentum – und in die Fremde hinauszuziehen,

nicht ohne Furcht, aber ohne ihr zu erliegen.“

Mit diesen Worten wollen wir unserer Freundin Sara sagen, dass sie eine dieser Heldinnen war, die den Geist des Widerstandes verkörperte und die auf ihrem Weg Brücken baute, die wir weiter verfolgen werden und für die wir ihr auf ewig dankbar sind.

Louise Michel schrieb in ihrem Nachlass die Worte:

„Wir kommen wieder, wir sind wie die von Kugeln durchlöcherten Fahnen. Wir wurden geopfert, wir wissen und akzeptieren es. Nicht unseretwegen, sondern für diejenigen, die tot sind. Und an ihrem Todestag vereinigen sich unsere Hände auf ihren Gräbern.“

Der Nachlass von Sara verbindet uns alle und wir werden ihr ewig treu bleiben. Der Widerstand der Frauen befreit uns alle! Jin Jiyan Azadî! Frauen, Leben, Freiheit! Şehîd namirin!

ANF

Merkel lehnt eigenen Staat für die Kurden ab

In einem Referendum forderten Kurden im Nordirak mit großer Mehrheit einen unabhängigen Staat. Kanzlerin Merkel hat sich jedoch dagegen ausgesprochen – und einen anderen Wunsch.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt einen separaten Kurdenstaat auf dem Gebiet des Irak ab. „Ich bin für die territoriale Einheit des Irak“, sagte sie bei einem Besuch im niedersächsischen Goslar. „Ich glaube nicht, dass es dem Frieden in der Region diente, wenn es einen eigenen Kurdenstaat gäbe“, fügte die Regierungschefin hinzu.

Merkel plädierte stattdessen für eine möglichst große Autonomie der Kurden. „Die Kurden müssen faire Bedingungen bekommen im Irak.“

Im vergangenen September hatten sich nordirakische Kurden in einem Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit vom Rest des Landes ausgesprochen. Die irakische Regierung in Bagdad lehnt einen Kurdenstaat auf ihrem Territorium jedoch ebenso ab wie die Türkei. Die kurdische PKK, die von Ankara als Terrororganisation angesehen wird, hat Rückzugsgebiete im Irak.

Der Spiegel

Rojava „Wir werden die türkischen Truppen in den Sumpf ziehen“

Seit mehr als einem Jahr hält die Türkei den syrischen Kanton Afrin besetzt. Ein Großteil der kurdischen Bewohner ist geflüchtet. Doch den Traum von der Rückkehr geben sie nicht auf.

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OMAR HAJ KADOUR/ AFP

Brett McGurk muss kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Mehr als drei Jahre lang amtierte der Jurist und Diplomat als US-Sonderbeauftragter für den Kampf gegen die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS). Zum Jahresende 2018 schmiss er den Job hin – aus Protest gegen den Beschluss von US-Präsident Donald Trump, die etwa 2000 in Syrien stationierten US-Soldaten abzuziehen.

Diese Entscheidung ist bis heute nicht umgesetzt worden – trotzdem kritisiert McGurk die Syrien-Politik der US-Regierung und ihrer Verbündeten in der Region. In einem Aufsatz im Fachblatt „Foreign Affairs“ erhebt er schwere Vorwürfe gegen den Nato-Partner Türkei. Bei der Offensive gegen den kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien Anfang 2018 habe das türkische Militär unter Präsident Recep Tayyip Erdogan gemeinsam mit islamistischen Verbündeten aus Syrien mehr als 150.000 Kurden vertrieben und anschließend Araber und Turkmenen aus anderen Teilen Syriens dort angesiedelt.

Erdogans Ziel ist die Islamisierung und Türkisierung von Afrin

„Diese Operation war keine Antwort auf eine wirkliche Gefahr, sondern ein Produkt von Erdogans Ambitionen, die Grenzen der Türkei zu verschieben, die seiner Ansicht nach 1923 im Vertrag von Lausanne unfair gezogen wurden“, schreibt McGurk.

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Damit bestätigt ein langjähriger hochrangiger US-Beamter, der Erdogan selbst mehrfach persönlich traf, was die Kurden und auch internationale Menschenrechtsgruppen seit Langem sagen:

• Der türkische Staatschef plant eine langfristige Besetzung Nordsyriens und eine Veränderung der Demografie des Grenzgebiets.

• Die Kurden sollen von der Grenze zur Türkei vertrieben und durch Araber und Turkmenen ersetzt werden, die Ankara gegenüber loyal sind.

Im August 2016 waren türkische Armeeeinheiten in der sogenannten Operation „Schutzschild Euphrat“ in das Gebiet zwischen den Städten Asas und Dscharabulus eingerückt. Damit schlug das Militär eine Bresche zwischen die beiden kurdischen Kantone Afrin und Kobane. Im Januar 2018 gab Erdogan dann den Befehl, Afrin zu erobern:

• Innerhalb von zwei Monaten eroberten das türkische Militär und verbündete syrische Milizen Afrin.

• Angesichts der militärischen Unterlegenheit entschieden sich die kurdische Selbstverwaltung und ihre YPG-Miliz im März 2018 zum kampflosen Abzug aus Afrin.

Seither verhindern die türkischen Besatzer eine unabhängige Berichterstattung aus dem Gebiet. Um an Informationen zu gelangen, sind Journalisten auf Berichte von Menschen vor Ort angewiesen, die bislang nicht geflüchtet sind und unter großer Gefahr ihre Eindrücke weitergeben.

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Anhand von Satellitenaufnahmen lässt sich zudem belegen, dass die Eroberer seither etliche Schreine von Alawiten und Jesiden zerstört und Friedhöfe geschändet haben. Mehrere historische Kultstätten sind inzwischen in Militärposten verwandelt worden. Die Vertreibung der religiösen Minderheiten und der Umgang mit ihrem kulturellen Erbe sind ein Indiz dafür, dass die Besatzer das Gebiet langfristig islamisieren wollen. Das zeigt sich auch im Alltag:

• Zu den neuen Herrschern gehören viele islamistische Milizen, die aus anderen Landesteilen, die inzwischen wieder vom Assad-Regime kontrolliert werden, nach Afrin gebracht wurden.

• Mindestens eine von ihnen, die „Brigade des Barmherzigen“, fungiert in Afrin inzwischen als eine Art Polizei.

• Sie ist bestrebt, ihre Auslegung der Scharia im öffentlichen Leben durchzusetzen – und verlangt, dass Frauen nur verschleiert und in Begleitung eines männlichen Angehörigen das Haus verlassen.

• Zwischenzeitlich hatten die Besatzer auch Plakate in der Stadt aufgehängt, die Frauen aufforderten, sich völlig zu verschleiern. Nach Protesten der Bewohner wurden die Poster wieder abgehängt.



Parallel dazu strebt Ankara die Türkisierung Afrins an:

• Die türkische Flagge gehört zum Straßenbild, an den meisten Schulen wird türkisch unterrichtet.

• Die kurdische Sprache und Identität der Region hingegen wird mehr und mehr getilgt.

• Orte verlieren ihren kurdischen Namen, kurdisch wird nicht länger unterrichtet.

• Im März verbot die von der Türkei eingesetzte Lokalverwaltung von Afrin auch die Feiern zum kurdischen Neujahrsfest Newroz.

Das alles dient nach Einschätzung der Kurden nur einem Zweck: Die letzten verbliebenen Kurden aus Afrin zu vertreiben.

Aisha Issa Hesso gehört zu jenen, die schon im März 2018 vor der türkischen Armee flüchteten. Als Co-Vorsitzende der PYD gilt sie in Ankara als Staatsfeindin. Die PYD ist die wichtigste politische Vertretung der Kurden in Syrien. Die Türkei betrachtet sie als Teil der kurdischen Terrororganisation PKK.

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Aisha Issa Hesso: „Je mehr wir angegriffen werden, umso erbitterter leisten wir Widerstand“

Zusammen mit ihren Mitstreitern versucht Hesso, den Widerstand gegen die Besatzung zu koordinieren. Dabei geht es zunächst einmal darum, die Reste der kurdischen Selbstverwaltung, die bis vor einem Jahr in Afrin existierten, in den Flüchtlingslagern irgendwie aufrechtzuerhalten. Der Großteil der Flüchtlinge aus Afrin lebt in Zelten oder einfachen Behausungen in Shehba, einem Gebiet unter kurdischer Kontrolle, das eingezwängt ist zwischen der türkischen Besatzungszone im Norden und dem syrischen Regime im Süden.

Erinnerung an das Schicksal von Alexandretta

Daneben leisten die Volksverteidigungseinheiten (YPG), der militärische Arm der PYD, aber auch militärischen Widerstand. In den vergangenen Wochen häuften sich die Anschläge auf türkische Soldaten und arabische Milizionäre in Afrin. „Je mehr wir angegriffen werden, umso erbitterter leisten wir Widerstand“, sagt Hesso.

„Wir werden die türkischen Truppen in den Sumpf ziehen“, beschreibt die Politikerin ihre Strategie. Ziel sei es, die Besatzung Afrins für Erdogan so kostspielig werden zu lassen, dass er sich irgendwann doch zum Rückzug entscheidet. Die Kurden setzen darauf, dass die schlechte Wirtschaftslage in der Türkei ihnen langfristig in die Hände spielt.

Genau wie McGurk hat Hesso keinen Zweifel daran, dass Erdogan das Gebiet am liebsten der Türkei einverleiben würde. So wie es die Türkei einst mit der Region gemacht hatte, das westlich von Afrin liegt.

Das Gebiet um die Stadt Iskenderun, einst als Alexandretta bekannt, hatte bis 1938 zum französischen Mandatsgebiet Syrien gehört, war dann aber von Frankreich der Türkei überlassen worden. Bis dahin waren Türken in dem Gebiet nur eine von vielen Minderheiten, nach dem Anschluss veränderte Ankara die Demografie des Gebiets und türkisierte die Region, die heute Hatay heißt.

Diesem Schicksal wollen die Kurden von Afrin unbedingt entkommen.

Der Spiegel

Turkish soldiers (TSK) proudly showing heads of Kurdish guerillas they beheaded

WARNING: Graphic content.

Turkish soldiers (TSK) proudly showing heads of Kurdish guerillas they beheaded. It’s not the first time the Turkish army execute or mutilate bodies of Kurdish soldiers. This isn’t a sign of undisciplined soldiers, this is how TSK work in Kurdish areas.

Twitter removed the video showing the barbarity of Turkish soldiers. You can reach here.

Aus Haft in Syrien und im Irak

90 IS-Leute wollen zurück nach Deutschland

Unter den aus Deutschland stammenden Dschihadisten in kurdischer Haft sind Topgefährder. Syriens Kurden sind von der Bundesregierung enttäuscht.

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Die Flagge der syrischen Kurden weht über dem aus IS-Gewalt befreiten Ort Baghouz.Foto: AFP/Giuseppe Cacace

Fast 90 Angehörige des „Islamischen Staats“ (IS) wollen nach Deutschland zurück. Darunter solche, die im IS Führungspositionen inne hatten. Das bestätigten deutsche und kurdische Sicherheitsleute dem Tagesspiegel. Ein Sprecher von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, die Zahl der aus Deutschland nach Syrien und Irak gereisten Islamisten, die mehrheitlich zurückwollten, liege „im oberen zweistelligen Bereich“, darunter einige Frauen. Die meisten befinden sich in kurdischen Auffanglagern.

BND-Agenten identifizieren IS-Männer in Syrien

Allein in der Rojava genannten Kurdenregion in Syrien sind 66 mutmaßliche IS-Angehörige aus Deutschland in Haft. Laut Deutscher Presseagentur müssten 21 von ihnen nach einer Rückkehr ins Gefängnis, weil deutsche Haftbefehle vorliegen; 19 Gefangene gelten als Gefährder, ihnen wird also ein Terrorakt zugetraut.

Insgesamt waren mehr als 1050 Männer und Frauen aus Deutschland in das einstige IS-Gebiet ausgereist, zu mindestens „200 Personen liegen Hinweise vor, dass diese in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen sind“, teilte das Ministerium mit, circa 340 befänden sich wieder in Deutschland. Die meisten davon nicht in Haft.

Nach Tagesspiegel-Informationen waren BND-Agenten in Syrien, um Dschihadisten zu identifizieren. Zudem sollen BKA-Ermittler dort mit Gefangenen gesprochen haben, um Aussagen zu protokollieren, die vor Gericht verwertbar sind.

Anders als Frankreich und die USA unterhält die Bundesregierung keine offiziellen Beziehungen zu Syriens Kurdenführung. So soll Rücksicht auf die türkische Regierung genommen werden. Im syrischen Rojava regiert eine Koalition unter Führung der PYD, die als Schwesterpartei der auch in Deutschland verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK gilt.

Syriens Kurden schlagen UN-Gericht vor

Von besonderem Interesse in Syrien ist IS-Topmann Martin L., gegen den die Generalbundesanwaltschaft (GBA) wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung ermittelt. L. hat sich laut „Stern“ als Kronzeuge angeboten, die GBA bestätigte das nicht. Auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Evrim Sommer (Linke) erklärte die deutsche Regierung, man behandele den Fall unter der zweithöchsten Sicherheitsstufe „Geheim“.

Syriens Kurden boten an, L. über die Kurdenmetropole Erbil in Irak nach Deutschland zu überstellen. Zu den irakischen Kurden unterhält die Bundesregierung offiziell Beziehungen, auch wenn sie deren Wunsch nach Unabhängigkeit explizit nicht unterstützt.

In Berlin vertritt Ibrahim Murad die syrische Rojava-Föderation. Er sagte am Donnerstag, die Bundesregierung reagiere auf die Kooperationsangebote der syrischen Kurden nicht. Das Auswärtige Amt erklärt seit Beginn des Syrienkrieges, man pflege keine Beziehungen zur kurdischen Regionalverwaltung im Norden des Landes.

„Wir sind bereit, die jeweiligen Staaten dabei zu unterstützen, die IS-Terroristen zu verurteilen“, sagte Murad. „Uns ist die Sorge Deutschlands bewusst, dass sie nicht ausreichend Beweise gegen die IS-Mitglieder haben.“ Murad sagte, alternativ könne die Aufarbeitung der IS-Verbrechen auch durch ein internationales Gericht erfolgen. Über ein UN-Sondergericht, womöglich in der kurdischen Autonomiezone in Nordirak, wird auch unter deutschen Spitzenbeamten diskutiert.

USA warnen Türkei wegen der syrischen Kurden

Die Linken-Abgeordnete Sommer forderte, die Bundesregierung müsse endlich auch mit Syriens Kurden sprechen. Zudem drohe nach wie vor ein Angriff der Türkei. Dann sei ohnehin ungewiss, ob die IS-Dschihadisten jemals belangt werden. Ankaras Armee und verbündete Islamisten hatten vor einem Jahr die syrische Kurdenprovinz Afrin besetzt. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu vor „verheerenden Folgen“ gewarnt, sollte die Türkei die kurdische Autonomiezone erneut angreifen.

Der Tagesspiegel

Syria’s Kurds call for international court to try IS jihadists

Syria’s Kurds on Monday called for an international court to be set up in the country to try suspected Islamic State group jihadists following the announced fall of their „caliphate“.

IS imposed its brutal interpretation of Islam on millions living in the proto-state that it declared across a large swathe of Syria and neighbouring Iraq in 2014.

The extremists stand accused of carrying out numerous crimes including mass executions, kidnappings and rape.

„We call on the international community to establish a special international tribunal in northeast Syria to prosecute terrorists,“ the Syria Kurdish administration said.

In this way, „trials can be conducted fairly and in accordance with international law and human rights covenants and charters“, it said in a statement.

The Kurdish-led Syrian Democratic Forces on Saturday announced the end of the „caliphate“ after defeating IS jihadists in the eastern village of Baghouz near the Iraqi border.

Kurdish-led forces, backed by a US-led coalition, have detained thousands of suspected IS fighters in more than four years battling the jihadists, including around 1,000 foreigners.

While alleged IS fighters are held in jail, women and children suspected of being affiliated to the group are housed in Kurdish-run camps for the displaced.

More than 9,000 foreigners, including over 6,500 children, were held in the main camp of Al-Hol, a Kurdish spokesman said, giving the latest figures from a week ago.

- ‚Not realistic‘ -

The Kurdish administration has repeatedly called for the repatriation of foreign IS suspects, and warned it does not have capacity to detain so many people.

But the home countries of suspected IS members have been reluctant to take them back, due to potential security risks and a likely public backlash.

„The Kurdish administration in northeast Syria has appealed to the international community to shoulder its responsibilities“ with regards to IS suspects, it said Monday.

„But unfortunately there was no response.“

It urged the international community, particularly countries that have nationals detained, to support the establishment of an international tribunal.

A top foreign official for the Kurdish administration said foreign experts could work side by side with local judges.

„They could be foreign judges working with local judges and be experts in crimes committed by terrorist groups,“ Abdel Karim Omar told AFP.

Previous international courts include the International Criminal Tribunal for Rwanda which tried genocide perpetrators in the African country.

The International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia meanwhile tried those accused of genocide, crimes against humanity and war crimes in conflicts that tore apart the Balkans in the 1990s.

Joel Hubrecht, a Paris-based expert in transitional justice expert, said setting up an special tribunal to judge IS was a good idea in theory in view of the international dimension of its alleged crimes.

„The idea of an international criminal court is relevant and interesting,“ he told AFP.

„But in northeast Syria it’s not realistic.“

The Syrian Kurdish authorities are not internationally recognised, setting up such a tribunal usually takes time, and ensuring witness protection is tough in a war-torn country, he said.

- Humanitarian crisis -

Despite the declared victory against IS in Baghouz, the jihadists still maintain a presence in the country’s vast desert and have continued to claim deadly attacks in SDF-held territory.

President Bashar al-Assad’s forces have made a territorial comeback against rebels and jihadists with key Russian backing since 2015, but the war is far from over.

The battle to end the „caliphate“ has triggered an exodus of tens of thousands of people — mainly women and children — out of crumbling IS territory, sparked a humanitarian crisis.

The main camp in Al-Hol is now bursting at the seams, housing more than 70,000 people — in a place designed for just 20,000.

„Humanitarian conditions in Hol camp are extremely critical,“ World Food Programme spokeswoman Marwa Awad said Monday.

At least 140 people — overwhelmingly young children — have died on the way to the camp or shortly after arriving, the International Rescue Committee aid group says.

The Kurdish administration on Monday called on the United Nations to improve living conditions at the Al-Hol camp.

It particularly called for more humanitarian assistance, expanding the camp, and better water and sewage networks.

Syria’s war has killed more than 370,000 people and displaced millions since starting in 2011 with the brutal repression of anti-government protests.

Apart from fighting IS, the Kurds have largely stayed out of the civil war, instead setting up their own semi-autonomous institutions in the northeast of the country.

YAHOO

Werden IS-Dschihadisten vor internationales Gericht gestellt?

Abdulkarim Omar, der Außenvertreter der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien, benennt die möglichen Konsequenzen aus der Verweigerung vieler Herkunftsstaaten, ihre IS-Dschihadisten zurückzunehmen.

Abdulkarim Omar, Sprecher für Außenbeziehungen der Demokratischen Föderation Nord- und Ostsyrien, weist im Gespräch mit ANF auf die internationale Gefahr hin, die von den gefangenen IS-Dschihadisten und ihren Familien ausgeht: „Wenn die internationalen Kräfte diese Gefahr stoppen wollen, dann müssen die Herkunftsländer die IS-Mitglieder mit ausländischer Staatsangehörigkeit zeitnah zurücknehmen. Die IS-Dschihadisten müssen vor Gericht gestellt und verurteilt werden, die Frauen und Kinder müssen neue Bildung erhalten und in ihre Herkunftsgesellschaften reintegriert werden. Gelingt uns das, bewahrt es uns vor großen Gefahren. Schaffen wir es nicht, stellen diese Personen für uns und für sich selbst eine potentielle Bedrohung dar.”

Laut Omar wird als Alternative darüber nachgedacht, in Nordsyrien einen internationalen Gerichtshof einzurichten: „Wenn es einen internationalen Gerichtshof geben sollte, muss dieser auch international anerkannt werden. Die internationale Gemeinschaft muss Gefängnisse einrichten. Die Staaten müssen es auch in ihrer Verantwortung sehen, den täglichen Bedarf dieser Gefangenen zu decken. Eine Verteidigung muss bei diesen Gerichten möglich sein. Es müssen Camps für Frauen von IS-Dschihadisten und Kinder eingerichtet werden. Auch ihr Bedarf muss gedeckt werden und es muss eine Umerziehung in diesen Camps stattfinden. Das alles, was ich hier aufgezählt habe, fällt in den Verantwortungsbereich der internationalen Gemeinschaft.”

VIDEO ( Auf Kurdisch )

Wir sprachen über diese Fragen mit Abdulkarim Omar:

Seit wann ergeben sich IS-Dschihadisten und ihre Ehefrauen den Demokratischen Kräften Syriens (QSD)?

Seit der Befreiung von Kobanê sind sehr viele IS-Dschihadisten von den QSD gefangengenommen worden. Nach den Operationen auf Minbic (Manbidsch), Tabqa, Raqqa und Deir ez-Zor haben sich viele IS-Dschihadisten und ihre Familien den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) ergeben oder wurden von ihnen aufgegriffen.

Wie viele IS-Dschihadisten befinden sich bei Ihnen in Haft?

In unseren Gefängnissen befinden sich etwa 800 IS-Mitglieder, die nicht aus Syrien stammen. Aber mit der Befreiung von al-Bagouz steigt ihre Zahl täglich. Natürlich haben wir viel mehr Dschihadisten aus Syrien in Haft. Bei uns befinden sich Islamisten aus 49 Ländern mit ihren Frauen und Kindern.

Es gibt sowohl Familien von syrischen Dschihadisten als auch solche aus dem Ausland. Der größte Teil der Frauen und Kinder sind in Flüchtlingslagern untergebracht. Diese Lager sind für Flüchtlinge eingerichtet worden. Wir behandeln diese Personen wie jeden anderen Flüchtling auch und versorgen sie mit allem, was in unserer Macht steht. Wir versorgen auch die IS-Dschihadisten in unseren Gefängnissen.

Was für eine Lösung sehen Sie für die IS-Dschihadisten und ihre Familien aus Syrien?

Als Demokratische Selbstverwaltung sehen wir uns in der Verantwortung, für die Dschihadisten aus Syrien und ihre Familien zu sorgen. Wir übergeben die Dschihadisten den Volksgerichten. Frauen, die selbst kein Blut an den Händen haben, führen wir zum Beispiel durch ihre Stämme wieder der Gesellschaft zurück. Wir haben ein Bildungszentrum in Hol eingerichtet, um die Kinder neu zu erziehen. Wir erfüllen unsere Pflicht gegenüber den Menschen aus Syrien.

Sie haben gesagt, dass Dschihadisten aus 49 Ländern bei Ihnen gefangen sind. Sie selbst kommen Ihrer Verantwortung für die syrischen Staatsbürger nach. Erfüllen die Herkunftsstaaten der ausländischen Dschihadisten ihre Verantwortung für ihre Staatsbürger?

Leider übernehmen die internationale Gemeinschaft und sogar unsere Partner im Kampf gegen den IS diese Verantwortung nicht. Sie erfüllen ihre Pflichten weder in Bezug auf die Rücknahme der Dschihadisten noch auf die Versorgung der Gefangenen. Auch internationale Hilfsorganisationen kümmern sich nicht um die IS-Familien in den Flüchtlingslagern. Bis jetzt konnten nicht einmal fünf Prozent der gefangenen IS-Dschihadisten oder ihre Familien aus internationalen Hilfen versorgt werden. Es gibt wirklich sehr viele. Wir können diese Last nicht alleine tragen.

Stellen die vielen IS-Gefangenen in Nord- und Ostsyrien kein internationales Sicherheitsproblem dar? Die Region hat ja keinen anerkannten Status und ist von einer türkischen Invasion bedroht.

Die Situation stellt sowohl eine große Last als auch eine große Gefahr dar. So lange sich der IS in unserem Gebiet befindet, ist er für die Völker der Region eine potentielle Bedrohung. Die Anwesenheit dieser ausländischen IS-Mitglieder stellt an sich schon eine Gefahr dar. Dazu haben wir gemeinsam mit der Koalition koordiniert gearbeitet. Der IS hört als Kalifat auf zu existieren. Eines der größten Probleme hier sind die gefangenen IS-Dschihadisten und ihre Ehefrauen und Kinder. Das ist ein internationales Problem. Diese Frauen und Kinder befinden sich auf unserem Territorium, aber sie stellen nicht nur für uns, sondern auch auf internationaler Ebene eine Gefahr dar.

Das Syrienproblem und die Frage unserer Region sind noch ungelöst. Eine politische Stabilität ist nicht gegeben. Unser Gebiet ist von einem Angriff des türkischen Staates und seiner Verbündeten bedroht. Wenn die Türkei hier angreift, hier Krieg oder Chaos ausbricht, stellt das eine ideale Möglichkeit für die IS-Dschihadisten dar, aus den Gefängnissen auszubrechen. Dann werden diese geflohenen Dschihadisten sowohl für uns als auch international zu einer großen Gefahr. Sie gefährden dann auch ihre Herkunftsländer. Es gibt außerdem viele Kinder, die vom IS indoktriniert worden sind. Wenn diese vom IS erzogenen Kinder nicht umerzogen werden und nicht in ihre Herkunftsgesellschaften zurückfinden, werden sie uns mit immer neuen terroristischen Projekten bedrohen. Dies gilt auch für die Frauen.

Aber was ist angesichts dieser Gefahr zu tun?

Als Völker von Rojava und Nordsyrien haben wir einen hohen Preis im Kampf gegen den IS gezahlt. Die von uns festgenommenen IS-Dschihadisten wurden unter großen Opfern gefangen genommen. Aus Gesprächen mit den von uns inhaftierten IS-Mitgliedern haben wir erfahren, dass der IS viele Aktionen in Europa plante und wir diese gestoppt haben. Wir haben damit unsere Pflicht erfüllt. Wenn die internationalen Kräfte etwas gegen diese Gefahr tun wollen, muss in absehbarer Zeit jedes Land seine Staatsangehörigen zurücknehmen.Die IS-Dschihadisten müssen vor Gericht gebracht und verurteilt werden, die Frauen und Kinder müssen neue Bildung erhalten und in ihre Herkunftsgesellschaften reintegriert werden. Wenn wir das schaffen, dann bewahrt das alle vor großen Gefahren. Wenn es nicht gelingt, stellen sie für uns und für sich selbst eine große potentielle Bedrohung dar.

Was unternehmen Sie auf diplomatischer Ebene, um die IS-Dschihadisten in ihre 49 Herkunftsstaaten zurückzuführen?

Wir haben offizielle Dokumente von in Gefangenschaft befindlichen IS-Dschihadisten aus 49 Staaten vorliegen. Wir führen Akten zu den IS-Dschihadisten, wie auch zu den Frauen und Kinder. Auf internationaler Ebene führen wir Gespräche mit den Ländern zur Rückführung der Dschihadisten. Leider erfüllen diese Länder nicht ihre Verantwortung und nehmen ihre Staatsangehörigen nicht zurück.

Wie erklären diese Länder ihr Verhalten?

Die Dschihadisten stellen eine Bedrohung dar. Sie sind gefährlich, daher will sie niemand zurückhaben. Ich wiederhole es noch einmal, dass die IS-Dschihadisten bei uns in Gefangenschaft sind, ist für die Herkunftsländer ein großes Glück. Aber dass sie jetzt alle in einem Land wie unserem, einem Land ohne Status, das unter großem Risiko steht, bleiben sollen, stellt auch für diese Länder eine große Gefahr dar.

Einige Länder haben ihre Staatsbürger zurückgenommen. Können Sie dazu etwas sagen?

Nur einige wenige Staaten haben eine sehr geringe Anzahl von IS-Mitgliedern zurückgenommen. Russland hat wenige Frauen und Kinder zurückgenommen. Indonesien hat eine Großfamilie mit 27 Mitgliedern zurückgeführt. Es handelt sich um eine studierte, gutsituierte Familie. Sie hat geglaubt, nur in einem islamischen Staat leben und ist deswegen zum IS nach Syrien gekommen. Dann weigerten sich die Männer, für den IS zu kämpfen und wurden ins Gefängnis geworfen. Bei erster Gelegenheit sind sie aus dem Gefängnis zu den QSD geflohen. Daraufhin haben wir Kontakt mit ihrem Herkunftsland aufgenommen und sie übergeben. Zwei Frauen und einige Kinder haben wir in den Sudan geschickt. Eine US-amerikanische Frau und ihre Kinder wurden den USA übergeben. Fünf Dschihadisten, elf Frauen und drei Kinder wurden an Kasachstan ausgeliefert.

Das sind natürlich angesichts der Anzahl unserer Gefangenen sehr wenige.

In letzter Zeit wird die Option diskutiert, einen internationalen Gerichtshof auf Ihrem Gebiet zu errichten, da die Länder ihre IS-Dschihadisten nicht zurücknehmen. Was denken Sie dazu?

Für den Fall, dass die Koalition und die internationale Gemeinschaft sich dieser Aufgabe nicht annehmen, müssen wir andere Alternativen suchen. So könnte zum Beispiel eine zwischenstaatliche Konferenz organisiert werden. Dort sollte diskutiert werden, wie wir dieses Problem lösen, und dann könnten wir einen Weg zu einer Lösung einschlagen. Es könnte ein Dialog darüber entstehen, wie Alternativen wie die Einrichtung eines internationalen Gerichtshofs auf den Weg gebracht werden. Es könnte eine Methode entwickelt werden, wie wir gemeinsam eine Lösung dieses Problems erreichen können.

Wir haben bereits früher über die Presse und Öffentlichkeit dazu aufgerufen, die eigenen Staatsbürger zurückzunehmen. Trump hatte über Twitter die Länder der europäischen Union dazu aufgerufen, ihre Staatsangehörigen zurückzuführen. Aber alle Länder in Europa haben sich demgegenüber ablehnend verhalten. In den europäischen Ländern kam es zu Erklärungen, dass man die Staatsbürger nicht zurücknehmen werde. Wenn eine Rückführung nicht stattfinden kann, muss eine Alternative geschaffen werden. Wir müssen gemeinsam darüber nachdenken, wie dieses Problem gelöst werden kann.

Gibt es zur Frage eines internationalen Gerichtshofes eine offizielle Entscheidung bei Ihnen?

Wir diskutieren über Alternativen, aber wir haben noch keine offizielle Entscheidung getroffen. Unsere Gespräche dazu dauern immer noch an. Wir wissen jedoch, dass das Ergebnis davon abhängig ist, inwiefern der IS als gemeinsames Problem angesehen wird und es ein gemeinsames Vorgehen gibt. Im Rahmen von Dialogprozessen müssen die Meinungen aller betroffenen Parteien berücksichtigt und auf dieser Grundlage muss eine gemeinsame Lösung entwickelt werden.

Was wären Ihre Kriterien für ein solches internationales Gericht?

Wenn es einen internationalen Gerichtshof geben sollte, muss dieser auch international anerkannt werden. Die internationale Gemeinschaft muss außerdem Gefängnisse einrichten. Die Staaten müssen es auch in ihrer Verantwortung sehen, den täglichen Bedarf der IS-Gefangenen zu decken. Eine Verteidigung muss bei diesen Gerichten möglich sein. Es müssen Camps für Frauen und Kinder der Dschihadisten eingerichtet werden. Auch ihr Bedarf muss gedeckt werden und es muss eine Umerziehung in diesen Camps stattfinden. Das alles, was ich hier aufgezählt habe, fällt in den Verantwortungsbereich der internationalen Gemeinschaft. Es handelt sich dabei um eine schwere Last, die wir nicht alleine tragen können.

ANF

Offenen Brief

Wir fordern die Weltgemeinschaft auf ein internationales Gericht in Rojava ( Nordsyrien ) einzurichten, um die Gefangenen IS-Terroristen zu verurteilen.

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