Archiv der Kategorie 'GUERILLA / GERILLA'

„Wir wollen Frieden. Aber wir kapitulieren niemals“

Von der Freiheit in den Bergen – Ein Besuch bei der PKK im Kandil-Gebirge.

Hunderte Kämpfer seien bei Bombardements auf das Kandil-Gebirge, das Herzgebiet der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) an der Grenze zwischen der Türkei, dem Irak und dem Iran, getötet worden, meldeten türkische Medien in den vergangenen Monaten immer wieder. Und so fühlt es sich ein bisschen mulmig an, als unser Fahrer seinen Wagen die engen Serpentinen zum Herzgebiet der kurdischen Guerilla hinaufquält.

Doch der Gedanke an die perfiden Bombardements kann sich im Gehirn nicht so richtig festsetzen, weil das Staunen über die Schönheit der Landschaft alle andere Gedanken verdrängt. Kandil ist die mit Abstand schönste Gegend, die ich je gesehen habe. Zwei Guerillas halten uns kurz an, grüßen freundlich, wir dürfen passieren und sehen zwischen klaren Gebirgsbächen, grünen Wäldern und erhabenen Gipfeln immer wieder Bilder von Abdullah Öcalan und Sakine Cansiz.

Spätestens als der Fahrer uns an einem Treffpunkt an Heval Zagros und seinen Begleiter Heval D., einen jungen Kämpfer aus Bakur, übergibt, sind unsere Sorgen so weit entfernt, dass wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wovor wir Angst hatten. Denn zum einen – und das werden wir am heutigen Tag noch dutzende Male hören – sind die Luftschläge der türkischen Streitkräfte gegen die PKK nahezu wirkungslos. Die Guerilla weiß schlichtweg, wie man sich hier bewegt. Zum anderen aber lässt die selbstverständliche Gelassenheit der Menschen in Kandil gar keine Furcht zu.

http://lowerclassmag.com/files/2016/05/mg_6933.jpg
Übrig bleibt nicht viel: Ruine aus dem Dorf, das durch einen Luftangriff ausgelöscht wurde. Acht Menschen starben.


„Man kann nicht in dauernder Panik leben“

Heval Zagros setzt uns neben die Kalaschnikow auf dem Rücksitz in seinen Geländewagen und fährt los. Zuerst sehen wir die Auswirkungen der Bombardements. Weil der Staat die Guerilla nicht trifft, bestraft er die Zivilbevölkerung. 61 Dörfer gibt es in der gesamten Gegend, in denen etwa 8000 Menschen wohnen. Mit der Guerilla leben sie friedlich zusammen, die Kämpfer*innen sind willkommen und gehören zum normalen Leben.

Fährt man durch die Gegend, weist nichts darauf hin, dass die Türkei diesen Ort zum Kriegsgebiet gemacht hat. Hirten treiben ihre Schafs-, Ziegen- und Kuhherden über die holprigen Wege, Frauen bestellen Felder, vor den kleinen Shops sitzen Kinder und lutschen Melonen-Eis. Einzig die Ruinen, die zwischen den intakten Häusern zu sehen sind, verweisen auf die Angriffe der Flugzeuge, die zumeist von Drohnen begleitet werden.

In einem Dorf, Zergelê, töteten diese Attacken im August 2015 8 Menschen – und zwar auf besonders perfide Weise. Als die Bewohner die Geräusche von Explosionen hörten, flohen sie. Zurück blieb eine ältere Frau, die durch einen Treffer in der Nähe verletzt wurde. Die Dorfbewohner kamen zurück, um sie zu retten, die Flugzeuge nahmen die Bewegung wahr und brachten insgesamt acht Menschen um.

Dennoch trotzen die Bewohner des Gebirges dem türkischen Terror. Und zwar durch die simple Aufrechterhaltung normalen Zusammenlebens. Später, als wir vor dem nach einem der ersten hier beerdigten Märtyer, Mehmet Karasungur, benannten Friedhof zu Mittagessen und Cay mit einer Einheit Frauenguerillas zusammentreffen, frage ich Heval Zagros, ob es nicht gefährlich ist, wenn wir mit so vielen Leuten gleichzeitig zusammensitzen. Er gibt die simple und wahre Antwort: „Sicher. Aber man kann nicht in dauernder Panik leben.“

http://lowerclassmag.com/files/2016/05/mg_6812.jpg

Gegen die Türkei und Daesh

Der Mehmet-Karasungur-Friedhof ist ein Architektur gewordenes Monument der Ausdauer und Legitimität des kurdischen Befreiungskampfes. Über 400 gefallene Kämpfer*innen liegen hier begraben. Dass sie für die Sache der Freiheit und Gleichheit starben, zeigt sich schon an den Schlachten, in denen sie gefallen sind: „Hier liegen Märtyrer aus den Gefechten mit der KDP, aus dem Krieg gegen die Türkei in den 1990er Jahren, aus dem Angriff des Irans und viele, die im Kampf gegen Daesh in Syrien und im Irak ihr Leben ließen“, erzählt uns Heval D. „Wer in Frieden und Freiheit leben will, muss leider Opfer bringen.“

Wie bedeutend dieser Kampf ist, zeigen schon die Lebensentwürfe, die die Gegner der Guerilla von der türkischen Regierung bis Daesh einem aufnötigen wollen. Die Guerilla dagegen hat in ihrem Zusammenleben bereits – so gut das eben im Krieg geht – das vorweggenommen, was sie sich auch für die Gesellschaft im Allgemeinen vorstellt: Die Hevals leben gemeinsam, entscheiden gemeinsam, schaffen sich ihre Lebensmittel gemeinsam und teilen sie untereinander, sie diskutieren, kritisch und selbstkritisch. Es mag romantisierend klingen, aber es ist nicht gelogen: Die zwischenmenschlichen, genossenschaftlichen Beziehungen hier sind von einer so anderen Qualität als die, die wir gewohnt sind, dass man sich zu schämen beginnt.


„Wir haben unsere Freiheit gefunden“

http://lowerclassmag.com/files/2016/05/mg_6793.jpg

Am Mittagstisch in der Nähe des Friedhofes sitzen wir mit einer Fraueneinheit der Guerilla zusammen. Wir decken den Tisch, es gibt köstliches Hühnchen, Reis, und gerilla ekmek, Brot, dass die Kämpfer*innen selber backen. „Es schmeckt sehr unterschiedlich“, sagt Heval Berivan. „Manchmal gut, manchmal schlecht. Wenn die Männer es machen, meistens schlecht“, sagt sie und lacht.

Heval Berivan ist aus zwei Gründen in die Berge gekommen. „Die beiden wichtigsten Faktoren für mich waren: Eine Frau zu sein, und Kurdin zu sein.“ Die Diskriminierung kurdischer Kultur und Sprache, die Erniedrigungen erfuhr auch sie in ihrem früheren Leben. „Ich erinnere mich, dass ich kein Türkisch konnte und zur türkischen Schule musste. Ich verstand nichts, es war eine andere Kultur. Wir kurdischen Kinder fühlten, dass etwas nicht stimmt, aber wir verstanden es nicht. Sie wollen etwas aus dir machen, was du nicht bist, etwas von deiner Kultur weit entferntes. Und sie erniedrigen dich.“ Sie sei nachhause Effenberger3gekommen und habe ihre Mutter gefragt, warum sie zwar mit ihr Kurdisch sprechen dürfe, aber in der Schule nicht. „Wir wussten, hier war ein Widerspruch. Aber wir begannen es erst mit der PKK zu verstehen.“

Auch als Frau war der Beitritt zur PKK ein Neuanfang. „Es war wie eine zweite Geburt. Die Verhaltensweisen, die wir aus der Familie, der Gesellschaft, dem System kannten, sind ganz anders. Die Perspektive auf Frauen, die Natur und das Leben ist hier ganz verschieden.“ Im System seien Frauen Menschen zweiter Klasse, erklärt Berivan. „Sie werden wie ein Möbelstück angesehen oder wie eine Maschine zur Produktion von Kindern.“

Hier in den Bergen lernten sich die Frauen erst wirklich kennen. „Nachdem wir getreten worden waren, begannen wir hier ein Bewusstsein von uns zu entwickeln und wir merkten, wir können selber Dinge tun. Wir haben unsere Freiheit gefunden und es ist ein gutes Gefühl.“

Sicher, auch das Leben in den Bergen hat seine Schwierigkeiten, gesteht Heval Berivan zu. Aber: „Du erschaffst dich selbst neu. Wenn du all das durchstehst, wird das Bewältigen der Schwierigkeiten sehr leicht für dich. Die Schwierigkeiten machen dich stärker, lebendiger.“


Aus der Bundeswehr in die Berge

http://lowerclassmag.com/files/2016/05/mg_6787.jpg
Parteigründer Abdullah Öcalan und Sakine Canziz sind überall in überlebensgroßen Aufstellern und Wandbildern gegenwärtig.

Auch aus Deutschland kommen viele hier her. Über Kevin Jochim, den in Rojava gefallenen Internationalisten mit dem Kampfnamen Dilsoz Bahar, hören wir die Anekdote, er habe sich so gut kurdisch und türkisch beigebracht, dass man ihn zur Koordination der Kommunikation zwischen den Einheiten einsetzte.

Einen, der aus Deutschland gekommen ist, treffen wir direkt vor Ort. Heval Harun ist jetzt seit einem Jahr hier. „Einer aus meiner Familie ist in Rojava als Märtyrer gefallen. Ein Teil meiner Familie ist kurdisch und ich hatte viele kurdische Freunde in Deutschland. Die wollten alle nicht kommen und ich habe mir dann gesagt: Hier wird jede Hilfe benötigt.“ Schießen musste Heval Harun wohl nicht mehr lernen, als er hier ankam. Sechs Jahre diente er als Kommandant einer Spezialeinheit in der Bundeswehr. „In der Guerilla ist alles anders als in der NATO. Dort ist ein Kommandant ein Kommandant und zeigt das auch, das kenn ich ja selber. Hier ist das anders. Hier sind alle gleich. Nur die Aufgaben sind verschieden“, lacht der freundliche, kräftige Mann. Früher hat er für Sold gekämpft, in Afghanistan, im Irak, im Kosovo. Die NATO kämpfe „ohne jede Ideologie, das ist ihr Problem. Sie kämpfen für Geld.“

Harun plagten Zweifel: „Ich habe mir jeden Tag die Frage gestellt, ist das jetzt richtig oder falsch, was ich hier tue. Ich habe mich dann entschieden, nie wieder für Geld zu kämpfen.“ Bereut hat er es nicht. Zurück will er nicht mehr. „Die meisten Leute, die beitreten kommen aus dem kapitalistischen System. Da ändert sich viel, denn damit haben wir hier wenig zu tun.“ Sein altes Leben hat er hinter sich gelassen, auch die Kinder, von denen er hofft, dass sie eines Tages nachkommen können. „Im kapitalistischen System geht es nur um Geld. Wenn du kein Geld hast, bist du nix. Und wenn du viel Geld hast, hast du viele Freunde. Bei uns ist das nicht so.“

Vor den Luftschlägen hat auch er keine Angst: „Ich sag mal so: Wir sind ständig auf Abruf für Camouflage. Wenn jetzt über Funk reinkommt, dass Drohnen oder Kampfjets kommen, dann wird direkt alles abgedeckt. Vor zwei Tagen haben sie dort drüben bombardiert“, sagt er und zeigt in ein benachbartes Tal. „8,9 Bomben haben sie geschmissen, aber da sind keine Leute von uns.“ Und er betont: „Das hier ist unser Platz, da können die uns nix. Klar mit ner F16 können sie Bomben abschmeißen. Aber wenn die hier zu Fuß reinkommen, kommen sie keine zwei Meter weit.“


Dinge, die man nicht erklären kann

http://lowerclassmag.com/files/2016/05/mg_6874.jpg
KCK Co-Vorsitzende Bese Hozat

„Waffenstillstand, davon kann man zur jetzigen Zeit nicht reden. Klar ist, Frieden wollen wir alle. Dafür sind wir hier. Aber wir kapitulieren nicht.“ Militärisch äußern sich hier viele zuversichtlich. Die Guerilla ist stark und sie hat noch Kapazitäten. Einen Tag bevor wir nach Kandil gingen, veröffentlichten die Volksverteidigungskräfte HPG Videomaterial eines Hubschrauberabschusses – ein erfolgreicher Einsatz eines sogenannten Manpads durch die Guerilla. Zuvor hatte die Türkei behauptet, der Helikopter sei wegen eines „technischen Defekts“ abgestürzt.

Nach dem Gespräch mit Heval Harun bewegen wir uns an den Ort, an dem wir später Bese Hozat treffen werden. Heval Hozat ist Ko-Vorsitzende der KCK und damit eine der leitenden Aktivist*innen in der PKK. Sie kommt mit einer Leibwache, doch auch sie hat keinerlei Star-Allüren. Wir erinnern uns an die Zusammenkünfte mit führenden Funktionären der PUK, einer der großen Parteien Südkurdistans. Auch sie waren freundlich zu uns, keine Frage. Doch in ihren prunkvollen Empfangszimmern verriet schon die Ästhetik den Ankommenden: Du bist bei einem wichtigen Mann, der Bedienstete hat und es „zu etwas gebracht hat“, was im Kapitalismus ja als Verdienst gilt. Bese Hozat sitzt auf den selben Plastikstühlen wie wir unter einem Baum und wie alle anderen Guerillas lebt sie hier in den Bergen, derselben Gefahr ausgesetzt. Als wir beginnen wollen, kommt über Funk die Meldung: Die Flieger kommen. Bese Hozat bleibt – im Unterschied zu uns – völlig ruhig, einzig die Fahnen müssen abgenommen werden, die Drohnen könnten sie sehen.

Die KCK-Vorsitzende wie alle anderen, die wir hier treffen, ist schlichtweg und ganz banal ausgedrückt als Person beeindruckend. Es lässt sich nicht wirklich in Worte fassen, aber die selbstverständliche Solidarität, die Gelassenheit, Ruhe und Güte dieser Menschen in jeder Geste, jedem Lachen und jedem Blick, jedem Händedruck verzaubert. Die Umgebung und die Art des Zusammenlebens hat ihre eigenen Persönlichkeiten hervorgebracht. Die Beschreibungen klingen zu kitschig, deshalb muss man es vielleicht einfach mit Heval Berivan sagen: „Man kann das Leben hier nicht vollständig erklären. Man muss es leben.“

Epilog

Heval D. nießt. Ich sage „Çok yaşa!“, das türkische Pendant zu „Gesundheit!“, das wörtlich „Lebe lang“ bedeutet. „Çok değil… ama güzel“, sagt er und lacht. Nicht lang gilt es zu leben, sondern schön und gut.

– Von Peter Schaber, Fotos Willi Effenberer

Lower Class Magazine

HPG releases footage from the action against Turkish soldiers in Şemdinli

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/anigifywd2qxli4s.gif

HPG Press Office released footage from the action on the two hills that the Turkish army was stationed on in Xapuşke Plateau in Hakkari’s Şemdinli district on May 2.

In the footage released by HPG, the first group of guerillas are seen infiltrating the hill and destroying 3 positions.

The second group hit 2 positions and tents where the soldiers are.

The soldiers are seen retreating when the second hill is hit.

It was previously announced that 12 soldiers had died in the guerilla aciton. The hill remained in guerilla control after the action. Cobra type helicopters were hit with heavy weapons during the action.

10 Sikorsky helicopters escorted by Cobra helicopters arrived to pick up the casualties on May 3.

The footage is below.

VIDEO

HPG releases footage from the action against Turkish soldiers in Şemdinli – 2016 from ANTIFA KURDISTAN on Vimeo.



ANF

HPG: Guerrillas downed a Cobra helicopter in Çukurca

http://www.fotos-hochladen.net/uploads/anigifywd2qxli4s.gif

HPG reported that “a Turkish troop deployed in Aşutê (Çığlı) area of Hakkari’s Çelê (Çukurca) district was targeted by a revolutionary operation of guerrillas at around 04:30 this morning.”

HPG (People’s Defense Forces) Press Office has released a statement on the downing of a Cobra helicopter in Çukurca which the Turkish military said had crushed as a result of an accident.

HPG reported that “a Turkish troop deployed in Aşutê (Çığlı) area of Hakkari’s Çelê (Çukurca) district was targeted by a revolutionary operation of our forces at around 04:30 this morning.”

Accordingly, guerrillas downed a Cobra type helicopter, as a result of which many soldiers were killed. Guerrillas also seized some arms of the soldiers killed here.

HPG refuted the Turkish General Staff statement that the helicopter crushed as a result of an accident, adding that more detailed information on this operation later on.

VIDEO

HPG: Guerrillas downed a Cobra helicopter in Çukurca from ANTIFA KURDISTAN on Vimeo.


ANF

HPG reports guerrilla actions in Dersim, Şemdinli and Gever

HPG (People’s Defense Forces) Press Office reported guerrilla actions in Dersim, Gever and Şemdinli in memory of the 6 guerrillas who fell in Lice recently.

DERSİM

HPG recalled that Turkish military had launched an UAV-supported operation in Xıştan, Derwêşan, Şobek and İbni Mahmut areas of Dersim’s Mazgirt district at 20:00 on May 4.

HPG said guerrillas infiltrated into the spot where Turkish soldiers were deployed in Derwêşan area at 12:30 on May 5. A total of 5 soldiers were killed in the guerrilla action which was conducted from two directions. The operation zone and surroundings were shelled by Turkish jets and helicopters after the action.

In the wake of the action which was carried out in memory of Azad Siser and 5 other guerrillas martyred in Amed’s Lice district, Turkish troops conducted raids in the surrounding villages and detained many people. The Turkish military operation was retreated inconclusively on May 6.

ŞEMDİNLİ

HPG said another action by guerrillas targeted a Turkish troop deployed around Geniş hill in Hakkari’s Şemzinan (Şemdinli) district between 10.00-14.00 on May 6. The number of casualties left here couldn‘t be verified.

Between 14.00 – 15.00 the same day, Turkish jets bombarded the Martyr Havin area in Şemzinan.

GEVER

According to the statement, guerrillas conducted another action against Turkish soldiers deployed around Leylak hill at the border of Hakkari’s Yüksekova district between 10.00 – 16.00 on May 6. The death toll inflicted here couldn‘t be clarified either.

ANF

Gerilla TV broadcasted the footage of the action with heavy weaponry against Eriş Outpost in Hakkari’s Çukurca distict of April 30.

[Shortnews] Türkei greift PKK an

Während der Nacht hat die türkische Luftwaffe intensive Angriffe auf Stellungen der Arbeiterpartei Kurdistans PKK im Nordirak geflogen. Der sogenannte „Friedensprozess“ zwischen Ankara und der PKK, bei dem immer nur die PKK Leistungen erbrachte, während der Staat seine Positionen ausbaute, ist damit endgültig vorbei. Die PKK hat in den vergangenen Tagen zum Selbstschutz der kurdischen Bevölkerung aufgerufen und Kommandoaktionen gegen die türkische Polizei durchgeführt.

Im mehreren Städten der Türkei kam es in der Nacht erneut zu schweren Auseinandersetzung zwischen der revolutionären türkischen Linken und der kurdischen Bewegung gegen die Organe der Staatsmacht. (Bilder von Aktivisten der marxistischen Halk Cephesi des Fotografen Sinan Targay)

Eine für Sonntag angesetzte Großdemonstration in Istanbul, bei der mehr als 1 Million Menschen erwartet wurden, wurde aus „Sicherheitsgründen“ und wegen des zu erwartenden „Verkehrsaufkommens“ verboten. Kurdische und linke Medien werden in der Türkei gesperrt.

AKP-Premier Davutoglu hat indessen Angekündigt, die Repressionswelle gegen Linke fortsetzen zu wollen. Propagandistisch verschleiert wird dies als „Aktion gegen Extremismus und Terrorismus“, weil die Türkei nun auch den „Islamischen Staat“ (IS) ins Visier nimmt. Bis dato sind die Angriffe auf KurdInnen und Linke allerdings bei weitem umfangreicher als die gegen die Dschihadisten.

Gleichzeitig wurde in Syrien zwischen Mare und Jarablus von den USA und der Türkei eine „Flugverbotszone“ eingerichtet, die als Basis einer vom Westen und der Türkei administrierten „Pufferzone“ wirkt. Auch hier behaupten internationale Medien und die Türkei, es handle sich um einen „Kampf gegen den IS“ – obwohl Davutoglu bereits klar gemacht hat, dass die türkische Armee auch die kurdische PYD und YPG angreifen werde, „wenn sie die Grenzen der türkischen Republik bedroht“

Lower Class Magazine

Turkish warplanes shelling Kandil

Turkish warplanes are shelling the Kandil region of the guerrilla-held Medya Defense Zones.

The areas of Zap, Metina, Haftanin, Garê, Avashîn and Kandil have been targeted by bombardments of the Turkish jets since last night.

ANF

VIDEO

Der Westen verrät die Kurden für den IS

Die USA erkaufen sich die türkische Hilfe im Kampf gegen den IS mit dem Verrat an den Kurden. Im Land richten sich die Razzien auch gegen PKK-Unterstützer. Die Türkei torkelt dem Chaos entgegen.

Wenn 31 Bürgerinnen und Bürger durch einen Terroranschlag ermordet werden, ist das ein hinreichender Grund, militärisch gegen die Urheber vorzugehen. Wer würde da widersprechen? Doch die Trauer und Anteilnahme, die man begleitend dazu erwarten würde, hat das AKP-Regime den Opfern des Anschlags von Suruç und ihren Angehörigen verweigert.

Nicht einmal eine symbolische Geste wie eine Staatstrauer, die man Anfang des Jahres noch zu Ehren des verstorbenen saudi-arabischen Königs verhängt hatte, waren ihm die Opfer wert. Und natürlich hat sich kein Repräsentant dieser Regierung, die einfach so tut, als habe keine Wahl stattgefunden, auf einer Beerdigung blicken lassen.

Damit nicht genug, ging die Polizei in der vergangenen Woche mehrfach mit Tränengas gegen die Freunde der Toten vor, während führende Politiker der AKP und die ihr nahestehende Medien sich in Schuldzuweisungen an die Opfer übten. Darum ist, so hart das klingen mag, folgende Schlussfolgerung zulässig: Der AKP sind 31 ermordete, meist junge linke Oppositionelle herzlich egal; sie sind nur nützlich, um die Türkei im Westen als Terroropfer erscheinen zu lassen und alle folgenden Maßnahmen zu rechtfertigen.

Und das klappt. Derart wohlwollende Reaktionen hat die türkische Staatsführung schon lange nicht mehr erhalten: Endlich, so heißt es allenthalben, gehe die Türkei gegen den Islamischen Staat vor. Doch erkauft haben sich die USA die Beihilfe im Kampf gegen den IS mit dem Verrat an jenen, die den IS bislang am effektivsten bekämpft haben: den Kurden.

Luftangriffe auf PKK-Stellungen

Schon die Razzien richteten sich nicht allein gegen den IS, sondern ebenso gegen mutmaßliche Unterstützer der PKK. Am Freitagabend folgten Luftangriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die türkische Armee auch gegen Rojava, das von den syrisch-kurdischen PYD kontrollierte Gebiet, vorgeht – also auch gegen Kobani, wo die Opfer von Suruç als Freiwillige beim Wiederaufbau helfen wollten. Und die Erklärungen aus Washington deuten darauf hin, dass dies mit dem Wissen der USA geschieht.

Dabei waren es die Milizen der syrisch-kurdischen PYD und die mit ihr verbündete PKK, die die Jesiden aus den Sindschar-Bergen im Nordirak retteten, Kobani verteidigten und zuletzt den IS aus Tel Abiad vertrieben. Und sie hatten dem IS nicht allein militärische Schlagkraft entgegenzusetzen, sondern auch ein anderes Gesellschaftsmodell: säkular, demokratisch, die Gleichberechtigung der Frauen fördernd.

Es gibt nicht viele Kräfte in den syrischen Wirren, für die das zutrifft. Nun verrät der Westen sie zugunsten einer Regierung, die in den vergangenen Jahren nach innen wie nach außen oft genug unter Beweis gestellt hat, dass ihr eine ganz andere Gesellschaftsordnung vorschwebt. Abu Bakr al-Baghdadi ist ein blutrünstiger Operettenkalif. Der wahre Kalif aber heißt Erdogan.

Umgekehrt lässt die Türkei den IS fallen. Das Verhältnis war ohnehin ein eher instrumentelles – ein Mittel, um Assad zu stürzen und die syrischen Kurden im Zaum zu halten. Doch damit schadete man dem Ansehen in der westlichen Welt, während die Kurden an Prestige gewannen und der IS allmählich zu einer Bedrohung für die Türkei wurde.

Eine Atmosphäre von Krieg und Terror

Zudem hat das Ganze eine innenpolitische Dimension: Recep Tayyip Erdogan hat sofort deutlich gemacht, dass er sich mit dem Verlust der absoluten Mehrheit seiner AKP nicht abgegeben und Neuwahlen ansetzen möchte.

Eine Atmosphäre von Krieg und Terror dürfte der AKP nutzen, um Stimmen zurückzuholen, die man an die nationalistische MHP verloren hat, und um zugleich die prokurdisch-linke HDP unter die Zehn-Prozent-Hürde zu drücken. Von einer friedlichen Lösung des Kurdenkonflikts – vor zwei Jahren noch das erklärte Ziel der AKP – spricht die Regierung ohnehin schon lange nicht mehr.

Am Samstag wurde eine für den Sonntag geplante große Anti-Kriegsdemonstration verboten, zugleich will der Staat gegen oppositionelle Internetseiten vorgehen. Die Opposition wird es unter diesen Bedingungen noch schwerer haben als bislang.

Doch auch die PKK hat Mitschuld an dieser Eskalation. Vor zwei Wochen erklärte sie, dass sie gegen „strategische Bauprojekte“ militärisch vorgehen werde; nach dem Anschlag von Suruç folgten Morde an drei Polizisten, mit denen sie auf ebenso niederträchtige wie törichte Weise sowohl dem Ansehen geschadet hat, das sie international mit dem Kampf gegen den IS gewonnen hatte. Sie brachte sich auch um Sympathien, die sich die kurdische Bewegung in Gestalt der HDP und ihres smarten Vorsitzenden Selahattin Demirtas im Westen der Türkei auch in bürgerlichen Milieus aufgebaut hatte.

Die Türkei torkelt dem Chaos entgegen

Dass Demirtas die Morde an den Polizisten verurteilt hat und selber in die Kritik der PKK-Führung im Nordirak geriet, geht in der allgemeinen Wahrnehmung unter. Der Einzige, der die Autorität und den Weitblick besäße, dieses Treiben zu beenden, ist seit vier Monaten komplett isoliert: Abdullah Öcalan. Und nun ist es dazu wohl zu spät.

Es läuft also gut für Erdogan. So gut, dass kaum jemand noch fragt, weshalb sich der IS nicht zum Anschlag von Suruç bekannt hat. Oder ob der türkische Geheimdienst darüber zumindest informiert war.

Wenn man sich an die Anfang 2014 bekannt gewordenen Planspiele des damaligen Geheimdienstchefs Hakan Fidan und des damaligen Außenministers Ahmet Davutoglu erinnert, mit „vier Mann und acht Raketen“ einen Kriegsgrund in Syrien zu inszenieren, ist diese Frage nicht so abwegig, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag.

Aber selbst wenn Erdogan bloß politisches Kapital aus den Ereignissen zu schlagen versucht, ist es töricht zu glauben, man könne eine militärische Eskalation am Abend der Neuwahl einfach so beenden. Die Türkei torkelt dem Chaos entgegen. Und jene Kraft, die die AKP in die Schranken zu weisen schien, nämlich die Kurden, droht verloren zu gehen – in der Türkei wie in Syrien.

Die Welt / Deniz Yücel

PKK-Doku erschüttert Filmfestival in Istanbul

Die Doku “Bakur” von Çayan Demirel und Ertuğrul Mavioğlu hat beim diesjährigen Filmfestival in Istanbul für einen Skandal gesorgt hat. Kurz, bevor der Film gezeigt werden sollte, wurde die Aufführung durch die türkische Regierung unterbunden, was Proteste nach sich zog: 20 Regisseure zogen ihre Beiträge zurück.

“Bakur” folgt Kämpfern der kurdischen Arbeiterpartei PKK in den Bergen des türkischen Kurdistans. Der Film beschreibt, warum die Kämpfer ihre Dörfer und Städte verließen, um in den Bergen zu den Waffen zu greifen.

Ertuğrul Mavioğlu: “Ich bin seit 1985 Journalist und alle kennen den Stil, wie ich dieses Thema behandele. Die Leute wissen, dass sie mir vertrauen können und dass ich die Dinge und Tatsachen nicht verdrehe.”

Çayan Demirel konnte nicht zum Festival kommen, er hatte im März einen Herzinfarkt und liegt seither im Krankenhaus. Die Doku wurde während einer Waffenruhe in den Jahren 2013 und 2014 gedreht. Sie geht unter anderem auf die Rolle der Frauen in der PKK ein.

Ertuğrul Mavioğlu: “Dieser Film handelt nicht nur von Frauen. Wir gingen zu PKK-Lagern in der Türkei, dort waren auch Frauen, und wir haben auch sie interviewt. Wir wollten ihre Realität und ihre Erwartungen an das Leben in den Lagern ebenfalls zeigen. Nicht wir erzählen die Geschichte, es sind die Frauen und Männer, die wir gefilmt haben. Wir wurde als ein drittes Auge angesehen.”

Die Dreharbeiten waren schwierig. Das Team musste gefährliche Bergwege entlanggehen, weit oben, in dünner Luft.

Ertuğrul Mavioğlu: “Es dauert einige Zeit, bis man sich an das Guerilla-Leben angepasst hat, es war schwierig, uns wurde schlecht vom Wasser, vom Essen, den Fliegen, den Insekten.”

“Bakur” ist ein eindringliches Portrait des Lebens und Glaubens der Guerilla-Kämpfer. Manche sagen, die Doku beziehe einseitig Stellung für die PKKler. In den Augen der türkischen Regierung ist der Streifen darum Propaganda für Terroristen. Sowohl Ankara als auch die EU und andere stufen die PKK als Terrororganisation ein.

euronews-Reporter Wolfgang Spindler: “Durch den ganzen Lärm um das Vorführungsverbot des Filmes ging die Diskussion über den Inhalt des Dokumentarfilms völlig unter. Aber sind Filme und Kunst im Allgemeinen nicht dazu da, auch heikle und schwierige Themen zu behandeln, damit sie öffentlich diskutiert werden?”

Euronews

Türkische Armee bombardiert Guerilla-Gebiete

http://www.imgbox.de/users/public/images/tcI36B5kfb.jpg
Guerillakämpfer der kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (HPG).

Gemäß kurdischen Nachrichtenagenturen bombardierte die türkische Armee die Medya-Verteidigungsgebiete mit Mörsern und Granaten. Laut einer schriftlichen Stellungnahme der HPG (Volksverteidigungskräfte) griff die türkische Armee am 26. März zwischen 16:00 – 17:00 Uhr das Gebiet um Gerdiya, ein Bezirk in Şemzînan, mit Granaten und Mörsern an.

Weiter hieß es in der schriftlichen Bekanntgabe, dass Drohnen zwischen 14:00 – 15:00 Uhr um die Gebiete Sehit Rahime und Sehit Gafur, die an der Grenze des Avaşin-Gebietes liegen, gesichtet worden seien. Zeitgleich wurden laut diversen Angaben am Zap-Gebirge Aktivitäten von türkischen Kampffliegern wahrgenommen.

Zur Erinnerung: Am 24. März starteten die Türkischen Streitkräfte (TSK) in Mêrdîn (Nordkurdistan) eine Operation auf vermeintliche Stellungen der PKK.

Kurdische Nachrichten

Es lebe der Widerstand in Kobanê

http://www.imgbox.de/users/public/images/u4V2mYuAP1.jpg




kostenloser Counter
Poker Blog