Archiv der Kategorie 'Deutsches Haus'

Deutsche IS-Waisen aus Rojava zurückgeholt

Die Autonomieverwaltung Nord- und Ostsyriens hat heute vier IS-Waisen an Mitarbeiter des deutschen Konsulats im Nordirak übergeben. Die Übergabe fand am Grenzübergang Sêmalka statt.

Die Bundesregierung holt erstmals Kinder von deutschen Anhängern der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) nach Deutschland zurück. In Sêmalka an der syrisch-irakischen Staatsgrenze wurden am Montag vier Kinder an Mitarbeiter des deutschen Konsulats in Hewlêr (Erbil) übergeben. Die Kinder hatten nach dem Sieg über die Terrormiliz im Flüchtlingslager al-Hol gelebt. Es handele sich um drei Waisen und ein krankes Baby, sagte Abdulkarim Omar, Verantwortlicher für auswärtige Angelegenheiten der Selbstverwaltung, heute in Qamişlo. Nach der Übergabe bedankte sich die deutsche Delegation bei der Autonomieverwaltung und den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) für die Zusammenarbeit.

Nach vorliegenden Informationen sollen die vier Kinder in Hewlêr zunächst medizinisch versorgt werden. Anschließend werden sie in Begleitung ihrer Großeltern nach Deutschland fliegen. Die Mutter des kranken Mädchens hält sich unterdessen weiterhin mit weiteren Kindern im Camp-Hol auf.

Deutlich mehr deutsche IS-Angehörige in Syrien als bisher angenommen

Über die Rückkehr von IS-Kindern wird in Deutschland seit Monaten diskutiert. Die Bundesregierung hatte zunächst immer wieder darauf verwiesen, dass es in Syrien derzeit keine deutsche diplomatische Vertretung gebe, die als Ansprechpartner fungieren könne.

Das Berliner Verwaltungsgericht hatte im Juli entschieden, dass die Regierung Angehörige von IS-Dschihadisten zurückholen müsse. In Flüchtlingslagern in Nord- und Ostsyrien halten sich nach Angaben des Rojava Information Center (RIC) aktuell deutlich mehr Angehörige von deutschen Islamisten auf als bislang bekannt. Mindestens 117 Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit sollen sich derzeit in den Camps der Selbstverwaltung befinden. Dazu kämen 21 Kinder von Deutschen, die aber keine deutsche Staatsangehörigkeit hätten, sowie Dutzende Frauen und 66 Männer, von denen mehr als 40 an Kriegsverbrechen beteiligt sein sollen. Die Bundesregierung sprach zuletzt von 68 Frauen aus Deutschland und mehr als 120 Kindern.

ANF

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Die Bundesregierung hat offenbar keinerlei Informationen über den Aufenthaltsort von mindestens 160 deutschen Terroristen des `Islamischen Staates´ (IS).

Der Deutschlandfunk berichtet:

Der Bundesregierung fehlen offenbar Hinweise auf den Verbleib von mehr als 160 deutschen Anhängern des Islamischen Staates.

Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage von FDP-Generalsekretärin Teuteberg hervor, aus der die „Welt am Sonntag“ zitiert. Darin heißt es, ein Großteil der islamistischen Kämpfer sei wahrscheinlich getötet worden.

Vereinzelt könnte es den Personen aber auch gelungen sein, sich abzusetzen oder unterzutauchen. Die Regierung hält es demnach aber für wenig wahrscheinlich, dass die IS-Anhänger ohne Kenntnis der Sicherheitsbehörden wieder nach Deutschland einreisen.

Mit anderen Worten: Nichts genaues weiß man nicht …

Haolam

Merkel lehnt eigenen Staat für die Kurden ab

In einem Referendum forderten Kurden im Nordirak mit großer Mehrheit einen unabhängigen Staat. Kanzlerin Merkel hat sich jedoch dagegen ausgesprochen – und einen anderen Wunsch.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt einen separaten Kurdenstaat auf dem Gebiet des Irak ab. „Ich bin für die territoriale Einheit des Irak“, sagte sie bei einem Besuch im niedersächsischen Goslar. „Ich glaube nicht, dass es dem Frieden in der Region diente, wenn es einen eigenen Kurdenstaat gäbe“, fügte die Regierungschefin hinzu.

Merkel plädierte stattdessen für eine möglichst große Autonomie der Kurden. „Die Kurden müssen faire Bedingungen bekommen im Irak.“

Im vergangenen September hatten sich nordirakische Kurden in einem Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit vom Rest des Landes ausgesprochen. Die irakische Regierung in Bagdad lehnt einen Kurdenstaat auf ihrem Territorium jedoch ebenso ab wie die Türkei. Die kurdische PKK, die von Ankara als Terrororganisation angesehen wird, hat Rückzugsgebiete im Irak.

Der Spiegel

Deutsche IS-Kämpfer – Die schlimmsten Touristen der Welt

PKK-Prozess: Stigmatisierung in Stammheim

Gestern hat der Prozess gegen fünf Angeklagte im Zusammenhang mit der PKK in Stuttgart-Stammheim begonnen. Rechtsanwalt Martin Heiming sieht die Unschuldsvermutung verletzt und verweist auf den zweifelhaften Kronzeugen.

Am Dienstag hat die Hauptverhandlung gegen fünf kurdische Angeklagte in einem der neuen Hochsicherheitssäle in Stuttgart-Stammheim begonnen. Einem der Angeklagten wird Mitgliedschaft in der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorgeworfen, drei weitere Männer und eine Frau werden beschuldigt, die PKK unterstützt zu haben. Im Zentrum der Vorwürfe steht die Behauptung eines Kronzeugen, alle Angeklagten hätten ihn einem gemeinsamen Tatplan folgend über mehrere Stunden seiner Freiheit beraubt, er sei bedroht und geschlagen worden. Außerdem seien ihm von drei Angeklagten 280 Euro abgenommen worden.


Höchst problematischer Kronzeuge

Der Heidelberger Rechtsanwalt Martin Heiming, der den Hauptangeklagten Veysel S. verteidigt, erklärte zu Prozessbeginn: „Es ist seit fast einem Jahrzehnt traurige Gewohnheit geworden, dass die Bundesanwaltschaft der Linie des Erdoğan-Regimes folgend kurdische Aktivisten und Politiker unter dem stigmatisierenden Vorwurf des Terrorismus anklagt. Den Prozess gegen angebliche Mitglieder und Unterstützer der PKK jedoch in dem ‚sichersten Gerichtsgebäude für Terrorverfahren in Deutschland‘ (so die FAZ vom 5. April 2019) stattfinden zu lassen, suggeriert eine nicht-existente Gefährlichkeit der Angeklagten und verletzt die Unschuldsvermutung. Dies gilt umso mehr, als die Beschuldigungen im Wesentlichen auf den zweifelhaften Angaben eines höchst problematischen Zeugen beruhen.“

Der Zeuge, nach eigenen Angaben selbst langjähriges Mitglied der PKK, hat bereits in mehreren europäischen Ländern vergeblich um Asyl ersucht. Von den deutschen Strafverfolgungsbehörden forderte er anfangs eine Aufenthaltserlaubnis im Tausch gegen Angaben über die PKK. Aus Sicht der Verteidigung sind seine Bekundungen infolgedessen auch ersichtlich von dem Versuch geprägt, einen privaten Konflikt mit der Angeklagten in einen Zusammenhang mit der PKK zu stellen.

Rechtsanwalt Heiming erklärt dazu: „Wir haben die Sorge, dass das Interesse der Strafverfolgungsbehörden an der Kriminalisierung kurdischer Aktivisten dazu führt, dass sie sich für die Rachegelüste eines abgewiesenen Liebhabers instrumentalisieren lassen.“ Der Umstand, dass ein möglicherweise eskalierter Beziehungskonflikt nunmehr als „Terrorprozess“ in einem Hochsicherheitssaal in Stuttgart-Stammheim verhandelt werden soll, bestätigt diese Befürchtung.

ANF

Deutsche Dschihadistin Von Hamburg zum IS und wieder zurück

Omaima A. ging nach Syrien, schloss sich dem IS an und heiratete den Terroristen Denis Cuspert. Nun ist sie zurück in Deutschland – und lebt in Hamburg. Eine libanesische Reporterin hat den Fall aufgedeckt.

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Omaima Abdi (l.), Denis Cuspert: Engste Kontakte zur Führungsebene des IS

Jenan Moussa ist einiges gewohnt: Seit Jahren recherchiert die im Libanon geborene Reporterin des arabischen Fernsehsenders Al Aan TV im Milieu der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS), unzählige Male ist sie dafür selbst in den vergangenen Jahren nach Syrien und in den Irak gereist.

Immer wieder ist sie dabei den Lebensläufen von sogenannten foreign fighters nachgegangen, die aus dem Westen nach Syrien und in den Irak zogen, um sich dem IS anzuschließen. Bei einem ihrer letzten Trips bekam sie von einem ihrer Informanten fast nebenbei das Telefon von Omaima A., einer jungen Frau aus Hamburg. Vermutlich war es beim Vormarsch der Kurden erbeutet worden oder die Deutsche hatte es sicherheitshalber zurückgelassen.

Das Handy erwies sich als Fundgrube. Es enthielt mehr als 36 Gigabyte an Dateien, das meiste davon Fotos. Anhand der Bilder lassen sich die vergangenen Jahre im Leben der Dschihadistin nacherzählen.


Der Weg in den Dschihad

A. wird im Juli 1984 in Hamburg geboren und beginnt offenbar schon 2011, sich zu radikalisieren: Sie fängt an, sich mit einem Nikab zu verschleiern, der nur die Augen freilässt, trägt Handschuhe, posiert mit islamistischen Flaggen.

Im Mai 2012 heiratet sie den Frankfurter Islamisten Nadir Hadra. Es ist die zweite Ehe für A. Aus einer früheren Beziehung hat sie eine Tochter, die 2007 geboren wurde. Hadra ist bekennender Salafist und IS-Propagandist, der sich unter anderem an den Koranverteilungen beteiligt, die vom islamistischen Laienprediger Ibrahim Abou-Nagie organisiert werden.

Irgendwann nach der Hochzeit verlässt Hadra Deutschland und lässt seine Ehefrau mit zwei Kindern zurück. Ein drittes Kind wird nach seiner Abreise geboren. Im Januar 2015 reist A. mitsamt ihren Kindern Hadra hinterher. Sie fliegen in die Türkei. Dort nimmt Hadra Frau und Kinder in Empfang, wenig später reist die Familie weiter über die Grenze ins IS-Gebiet nach Syrien.

Den deutschen Behörden bleibt das nicht verborgen. Auf dem Handy der Frau findet sich das Foto eines Schreibens vom Jobcenter vom März 2015. Darin informiert das Amt A. darüber, dass ihr die Leistungen gestrichen werden. „Begründung: Ausreise ins Ausland (Syrien)“.

In Syrien ist A. auf du und du mit den prominentesten IS-Terroristen aus dem deutschsprachigen Raum. Sie fotografiert ihren Sohn unter anderem mit Denis Cuspert, der zuvor unter dem Namen Deso Dogg eine mäßig erfolgreiche Karriere als Gangsta-Rapper hingelegt hatte. Außerdem mit dem österreichischen Dschihadisten Mohamed Mahmoud, der im Juni 2015 zwei Gefangene des IS vor laufender Kamera erschoss. Ihre Kleinkinder posieren mit Waffen und werden in die Uniform von IS-Kämpfern gesteckt. Auf einem Foto aus dem März 2015 trägt auch A. selbst eine Waffe. Die achtjährige Tochter trägt Nikab und besucht eine IS-Schule in Rakka.

Die gemeinsame Zeit mit Hadra ist nur von kurzer Dauer. Der Dschihadist wird sechs Wochen nach der Ankunft der Hamburgerin in der Schlacht um Kobane getötet. Der IS entschädigt A. mit 1310 US-Dollar in bar. Die Bürokratie der Terrormiliz erteilt der Frau die Erlaubnis, von der Provinz Rakka in die Provinz Homs umzuziehen.


„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand mit dieser Geschichte frei in Deutschland herumläuft“

Dort heiratet sie Deso Dogg, den engen Freund ihres verstorbenen Ehemannes. Fortan trägt sie zwei goldene Eheringe. Sie leben in einem Haus voller Kleinkinder, auch Söhne und Töchter aus Cusperts früheren Beziehungen wohnen mit ihnen unter einem Dach.

Während Cuspert an der Front kämpft, verbreitet seine Frau Online-Propaganda für den IS. Während der gesamten Zeit steht sie über das Handy in Kontakt mit Angehörigen in Deutschland.

Das letzte Foto auf dem Handy stammt von Ende 2015. Deshalb dachte Moussa zunächst, die Frau müsse tot sein. Doch dann entdeckte sie dieselbe Person auf einem aktiven LinkedIn-Profil, das in Deutschland erstellt worden war. Darin gibt sich A. als freischaffende Übersetzerin und Event-Managerin in Hamburg aus. Das Kopftuch hat sie inzwischen abgelegt, ihr Profilbild zeigt eine selbstbewusste Frau mit schwarzem Blazer und weißer Bluse. Wohl niemand käme auf die Idee, dass sie jahrelang einer Terrormiliz angehört haben könnte.

Moussa reiste selbst nach Hamburg und begab sich auf die Spur der Frau. Unter einer der Adressen, die auf dem Telefon gespeichert waren, machte sie A. ausfindig, traf sie aber nie persönlich an. Erst, als diese einmal das Telefon abnahm, hatte sie Gewissheit. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand mit dieser Geschichte frei in Deutschland herumläuft“, erzählt Moussa dem SPIEGEL.

Den deutschen Behörden ist der Fall im Grundsatz bekannt. A. reiste demnach im September 2016 über die Türkei wieder in die Bundesrepublik ein.

„Diese Frau kann sich mitten in Hamburg ein neues Leben aufbauen“

Frauen, die sich auf den Weg zu Terrormilizen wie dem IS in Syrien und im Irak machten, haben relativ hohe Chancen, unbehelligt zurückzukommen. Die deutschen Gerichte werten den bloßen Aufenthalt bei den Dschihadisten nicht als Straftat. Wenn die Frauen allerdings an Waffen ausgebildet wurden oder sich deutlich als Mitglieder einer der Terrororganisationen betätigt haben, droht ihnen eine Haftstrafe.

Im Fall A. lag bis zu Moussas Recherchen noch nicht genug Material für einen Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Das könnte sich nun ändern: Erstmals haben die Fahnder durch die Fotos mit Deso Dogg Beweise, dass die Frau mit der Kommando-Ebene des IS engsten Kontakt hatte und nicht nur den Haushalt von Kämpfern geführt hat. Allen voran ein Bild, das sie zusammen mit bewaffneten Kämpfern zeigt, wird bei einem möglichen Gerichtsprozess sicherlich Bedeutung haben.

Für die 35-jährige Reporterin, die jedes Jahr Monate im früheren Machtgebiet des IS recherchiert, fühlt sich Erlebtes falsch an. Sie ist wütend. „Im Irak und in Syrien hat der IS Zehntausende auf dem Gewissen und diese Frau kann sich mitten in Hamburg ein neues Leben aufbauen“, sagt sie: „Das wirkt so, als ob die Opfer außerhalb Deutschland nichts wert sind.“

Die Hamburger Polizei teilte am Montag per Twitter lediglich mit, der Sachverhalt sei ihr bekannt.


Der Spiegel

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Jenan Moussa’s exclusive on German ISIS widow Omaima Abdi

Documents: https://www.akhbaralaan.net/jenan/omaima/

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Omaima Abdi

Aus Haft in Syrien und im Irak

90 IS-Leute wollen zurück nach Deutschland

Unter den aus Deutschland stammenden Dschihadisten in kurdischer Haft sind Topgefährder. Syriens Kurden sind von der Bundesregierung enttäuscht.

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Die Flagge der syrischen Kurden weht über dem aus IS-Gewalt befreiten Ort Baghouz.Foto: AFP/Giuseppe Cacace

Fast 90 Angehörige des „Islamischen Staats“ (IS) wollen nach Deutschland zurück. Darunter solche, die im IS Führungspositionen inne hatten. Das bestätigten deutsche und kurdische Sicherheitsleute dem Tagesspiegel. Ein Sprecher von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, die Zahl der aus Deutschland nach Syrien und Irak gereisten Islamisten, die mehrheitlich zurückwollten, liege „im oberen zweistelligen Bereich“, darunter einige Frauen. Die meisten befinden sich in kurdischen Auffanglagern.

BND-Agenten identifizieren IS-Männer in Syrien

Allein in der Rojava genannten Kurdenregion in Syrien sind 66 mutmaßliche IS-Angehörige aus Deutschland in Haft. Laut Deutscher Presseagentur müssten 21 von ihnen nach einer Rückkehr ins Gefängnis, weil deutsche Haftbefehle vorliegen; 19 Gefangene gelten als Gefährder, ihnen wird also ein Terrorakt zugetraut.

Insgesamt waren mehr als 1050 Männer und Frauen aus Deutschland in das einstige IS-Gebiet ausgereist, zu mindestens „200 Personen liegen Hinweise vor, dass diese in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen sind“, teilte das Ministerium mit, circa 340 befänden sich wieder in Deutschland. Die meisten davon nicht in Haft.

Nach Tagesspiegel-Informationen waren BND-Agenten in Syrien, um Dschihadisten zu identifizieren. Zudem sollen BKA-Ermittler dort mit Gefangenen gesprochen haben, um Aussagen zu protokollieren, die vor Gericht verwertbar sind.

Anders als Frankreich und die USA unterhält die Bundesregierung keine offiziellen Beziehungen zu Syriens Kurdenführung. So soll Rücksicht auf die türkische Regierung genommen werden. Im syrischen Rojava regiert eine Koalition unter Führung der PYD, die als Schwesterpartei der auch in Deutschland verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK gilt.

Syriens Kurden schlagen UN-Gericht vor

Von besonderem Interesse in Syrien ist IS-Topmann Martin L., gegen den die Generalbundesanwaltschaft (GBA) wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung ermittelt. L. hat sich laut „Stern“ als Kronzeuge angeboten, die GBA bestätigte das nicht. Auf Anfrage der Bundestagsabgeordneten Evrim Sommer (Linke) erklärte die deutsche Regierung, man behandele den Fall unter der zweithöchsten Sicherheitsstufe „Geheim“.

Syriens Kurden boten an, L. über die Kurdenmetropole Erbil in Irak nach Deutschland zu überstellen. Zu den irakischen Kurden unterhält die Bundesregierung offiziell Beziehungen, auch wenn sie deren Wunsch nach Unabhängigkeit explizit nicht unterstützt.

In Berlin vertritt Ibrahim Murad die syrische Rojava-Föderation. Er sagte am Donnerstag, die Bundesregierung reagiere auf die Kooperationsangebote der syrischen Kurden nicht. Das Auswärtige Amt erklärt seit Beginn des Syrienkrieges, man pflege keine Beziehungen zur kurdischen Regionalverwaltung im Norden des Landes.

„Wir sind bereit, die jeweiligen Staaten dabei zu unterstützen, die IS-Terroristen zu verurteilen“, sagte Murad. „Uns ist die Sorge Deutschlands bewusst, dass sie nicht ausreichend Beweise gegen die IS-Mitglieder haben.“ Murad sagte, alternativ könne die Aufarbeitung der IS-Verbrechen auch durch ein internationales Gericht erfolgen. Über ein UN-Sondergericht, womöglich in der kurdischen Autonomiezone in Nordirak, wird auch unter deutschen Spitzenbeamten diskutiert.

USA warnen Türkei wegen der syrischen Kurden

Die Linken-Abgeordnete Sommer forderte, die Bundesregierung müsse endlich auch mit Syriens Kurden sprechen. Zudem drohe nach wie vor ein Angriff der Türkei. Dann sei ohnehin ungewiss, ob die IS-Dschihadisten jemals belangt werden. Ankaras Armee und verbündete Islamisten hatten vor einem Jahr die syrische Kurdenprovinz Afrin besetzt. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu vor „verheerenden Folgen“ gewarnt, sollte die Türkei die kurdische Autonomiezone erneut angreifen.

Der Tagesspiegel

Deutschland und der IS

Es sind unsere Terroristen

Deutschland sträubt sich gegen die Rückkehr seiner eigenen Staatsbürger, die zu IS-Terroristen wurden. Dabei hat die Bundesrepublik den Terror und die Terroristen einst exportiert. Und dies geschah wissentlich, sagt der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann.

Wann haben Sie sich eigentlich zuletzt von deutschen Terroristen distanziert? Zum Beispiel von Robert B.? Der Ex-Bundeswehrsoldat aus Solingen hat mutmaßlich bei einem Selbstmordattentat Anfang 2014 50 Menschen mit in den Tod gerissen.

Oder von Yannik N.? Der junge Freiburger steuerte wahrscheinlich im Jahr 2015 einen mit anderthalb Tonnen Sprengstoff beladenen LKW in eine Menschenmenge und nahm so Dutzenden Personen das Leben.

Oder von Yamin A.?. Im Sommer 2015 tauchte im Netz ein Video auf, das zeigte, wie der ehemalige Telekom-Azubi aus Königswinter zwei gefesselten Soldaten in den Kopf schoss.
Oder, oder, oder…

Deutsche Täter, aber kaum deutsche Opfer

Hauptsache nicht bei uns! Dies scheint auch dieser Tage wieder die Maxime zu sein, wenn Politiker und Öffentlichkeit über den Umgang mit deutschen Terroristen diskutieren. Von potenziellen Bedrohungen und Anschlagsgefahren in Deutschland liest man dann. Vom ganz realen Terror, den Deutsche in den vergangenen Jahren über die Menschen in Syrien und Irak gebracht haben, hört man hingegen kaum. Ein Terror, der kaum deutsche Opfer aber umso mehr deutsche Täter kannte.

1.050 – das ist laut Bundesinnenministerium die Anzahl der Dschihadisten, die in den letzten Jahren die Bundesrepublik in Richtung Nahost verlassen hat. Es fällt schwer, sich umgekehrtes Szenario überhaupt auszumalen. Was wäre wohl los, hätte es nur ein Bruchteil arabischer Terroristen geschafft, bei uns Anschläge zu begehen? Europas „Muslim Bann“? Überwachungsstaat auf NSA-Niveau?

Die CSU stünde womöglich am linken Ende des politischen Spektrums, und auf Twitter würde Trump deutsche Migrationspolitiker zur Mäßigung aufrufen. Der deutsche Terror in Nahost kommt hingegen seit Jahren ganz ohne Sondersendungen, politische Debatten und Distanzierungsforderungen aus.

Deutsche Kämpfer waren nicht nur willenloses Kanonenfutter

An fehlendem Wissen liegt das nicht. Von ganzen Einheiten des IS, in denen kein einziger Kämpfer Arabisch spreche, berichten syrische, irakische und kurdische Soldaten schon seit Jahren. Von Aleppo über Raqqa bis Mossul haben Aktivisten und Politiker immer wieder darauf hingewiesen, dass viele der schlimmsten Mörder in den Reihen des IS Europäer sind. Interessiert hat das hier kaum jemand.

Dabei dienten Deutsche dem Islamischen Staats nicht nur als willenloses Kanonenfutter, wie es oft dargestellt wird. Viele haben seinen Terror mitgeprägt. Wie Martin L., der derzeit in kurdischer Haft sitzt. Der Schweißer aus Sachsen-Anhalt soll sich vom Folterknecht bis zum Geheimdienstler mit Kontakten bis in die Führungsspitze der Terrororganisation hochgearbeitet haben.

Oder Reda S., Der Prediger aus Berlin-Charlottenburg soll dem IS in Mossul als Bildungsminister gedient haben. Oder der Berliner Ex-Rapper Denis Cuspert, der zu den wichtigsten Personen in der IS-Medienorganisation Al-Hayat gehörte. Oder, oder, oder…

Behörden wussten gut Bescheid

Natürlich entstand der Islamische Staat nicht in deutschen Fußgängerzonen. Zur deutschen Verantwortung gehört aber auch, dass Politiker und Behörden lange wegschauten, solang nur die Täter, aber nicht die Opfer Deutsche waren. Behörden wissen und wussten erschreckend gut Bescheid über die Radikalisierung deutscher Islamisten. Ein Großteil der späteren IS-Kämpfer war polizeibekannt, stand auf Gefährderlisten oder hatte wegen islamistischer Straftaten bereits Haftstrafen verbüßt. An der Ausreise gehindert wurden sie oftmals dennoch nicht. Die Gefahr, die von deutschen Terroristen ausgeht, interessierte Politik und Öffentlichkeit erst dann wieder, als ihre Einreise drohte.

Deutschlandradio

Der hässliche Deutsche

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