Archiv für Juni 2019

Die Bundesregierung hat offenbar keinerlei Informationen über den Aufenthaltsort von mindestens 160 deutschen Terroristen des `Islamischen Staates´ (IS).

Der Deutschlandfunk berichtet:

Der Bundesregierung fehlen offenbar Hinweise auf den Verbleib von mehr als 160 deutschen Anhängern des Islamischen Staates.

Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage von FDP-Generalsekretärin Teuteberg hervor, aus der die „Welt am Sonntag“ zitiert. Darin heißt es, ein Großteil der islamistischen Kämpfer sei wahrscheinlich getötet worden.

Vereinzelt könnte es den Personen aber auch gelungen sein, sich abzusetzen oder unterzutauchen. Die Regierung hält es demnach aber für wenig wahrscheinlich, dass die IS-Anhänger ohne Kenntnis der Sicherheitsbehörden wieder nach Deutschland einreisen.

Mit anderen Worten: Nichts genaues weiß man nicht …

Haolam

Guerillakämpferin Sarah Handelmann bei Luftangriff gefallen

Die deutsche Guerillakämpferin Sarah Handelmann ist am 7. April bei einem türkischen Luftangriff auf die Medya-Verteidigungsgebiete gefallen. Die HPG sprechen ihren Angehörigen ihr Beileid aus.

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Das Pressezentrum der Volksverteidigungskräfte HPG hat eine Erklärung zum Tod der Internationalistin und Guerillakämpferin Sarah Handelmann abgegeben, die am 7. April bei einem türkischen Luftangriff auf die südkurdischen Medya-Verteidigungsgebiete ums Leben gekommen ist. In der Erklärung heißt es:

„Der Kampf um Widerstand wird in allen Teilen Kurdistans mit großer Selbstlosigkeit, Fleiß und Hingabe geführt. Während das Echo dieses Befreiungskampfes unter Federführung der PKK rund um den Globus widerhallt, nehmen die selbstlosen Kämpfe unserer Gefallenen für den Aufbau eines freien Lebens ihre Plätze in der Geschichte ein.

Viele unserer Freundinnen und Freunde, die sich am Kampf gegen die faschistisch-rassenfanatische türkische Besatzungsarmee beteiligen, haben in unserem historischen Widerstand Heldenmut bewiesen und dem Faschismus in Kurdistan keinen Fußbreit überlassen. Eine dieser Freundinnen ist die internationalistische Kämpferin und Guerillakommandantin Sara Dorşîn (Sarah Handelmann). Heval Sara ist am 7. April bei einem Luftangriff der türkischen Besatzungsarmee auf die Medya-Verteidigungsgebiete gefallen.”

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Codename: Sara Dorşîn

Vor- und Nachname: Sarah Handelmann

Geburtsort: Deutschland

Todestag und -ort: 7. April 2019 / Medya-Verteidigungsgebiete

Zur Biografie von Sarah Handelmann teilen die HPG mit:

„Unsere Freundin Sara kam 1985 in Deutschland zur Welt. Bereits in jungen Jahren erkannte sie die Asozialität des Kapitalismus und begab sich auf die Suche nach dem Kampf, den sie führen wollte. Sie engagierte sich für eine Vielzahl sozialistischer Organisationen, der kurdische Befreiungskampf beeindruckte Sara besonders. Die Vernichtungspolitik, die dem kurdischen Volk auferlegt wird, empfand sie so, als sei ihr eigenes Volk davon betroffen. Sara war sich der demokratischen Einheit der Völker bewusst und glaubte daran, dass die Befreiung aus den Klauen der kapitalistischen Moderne, die den Menschen verdirbt, die Gesellschaft ausbeutet und in Stücke reißt, in der demokratischen Moderne liegt. Sie glaubte daran, dass die demokratische Moderne eine politisch-moralische Gesellschaft ermöglichen kann. Als Resultat ihrer Suche kam Sara im Jahr 2017 in die Berge Kurdistans, um sich der PKK anzuschließen, deren Grundlage die Ideologie nach einem freien Leben des Vordenkers Abdullah Öcalan ist. In den unendlichen Bergen Kurdistans wurde Sara eine Guerillakämpferin und passte sich sehr schnell an das Leben dort an. In dieser Zeit setzte sie sich intensiv mit der Frauenbefreiungsideologie der kurdischen Bewegung auseinander. Sara nahm ihren Platz in den Reihen der Frauenguerilla YJA-Star ein und knüpfte tiefe Freundschaften zu ihren Genossinnen. Sie war eine besonders beliebte Freundin ihrer Kameradinnen.

Sara entwickelte sich sehr schnell. Besonders im militärischen Bereich machte sie erhebliche Fortschritte. Als moderne zeitgenössische Kämpferin übernahm sie bei der Guerilla die Funktion der Teamkommandantin. Sie erfüllte ihre Aufgaben stets gewissenhaft und war in den Augen ihrer Freundinnen und Freunde eine Führungspersönlichkeit. In jedem Moment ihres Lebens bei der Guerilla kämpfte sie mit aufrichtiger Liebe für die Freiheit. Bis zu ihrem Tod war Sara eine aktive Guerillakommandantin, die ihren Platz im Befreiungskampf Kurdistans einnahm.

Genoss*innen wie Andrea Wolf (Ronahî), Uta Schneiderbanger (Nûdem), Jakob Riemer (Şiyar) und unzählige weitere Freundinnen und Freunde, die Symbole dieser Suche nach Freiheit wurden, kämpfen auch jetzt viele Genoss*innen aus Deutschland und anderen Ländern Europas in unseren Reihen. Auch Sara war ein wichtiger Teil unseres Freiheitsmarschs. Sie war der Ansicht, dass die gesamte Menschheit in Frieden zusammenkommen und ihre Muttersprache sprechend nach ihrer eigenen Kultur und nationalen Werten leben sollte. Sara wollte, dass sich die Gesellschaft auf Grundlage einer demokratischen Nation organisiert, um die Freiheit zu erreichen und ein freies Leben zu führen.

Die geschätzte Familie Handelmann kann nicht stolz genug auf ihre Tochter Sara sein, die ihren Kampf für die Freiheit führte. Angesichts dieses schmerzvollen Verlusts sprechen wir den Angehörigen von unserer Freundin Sara unser aufrichtiges Beileid aus.

In der Person von Sara Dorşîn erinnern wir noch einmal an alle internationalistischen Gefallenen, die als Zeichen der Solidarität der Völker im Befreiungskampf der unterdrückten Völker ihr Leben verloren haben. Wir versprechen, die von ihnen an uns übergebene Fahne der Freiheit in den Sieg zu tragen.”

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ANF

Der Widerstand verbindet uns alle: Nachruf auf Sarah Handelmann

Sarah Handelmann ist am 7. April als Guerillakämpferin bei einem türkischen Luftangriff auf die Medya-Verteidigungsgebiete ums Leben gekommen. Ihre Freund*innen teilen ihre Erinnerungen an sie.

Wir, ein paar Freund*innen von Sara, möchten gerne ein paar Erinnerungen an sie mit euch teilen.

Sara ist uns eine sehr bedachte, engagierte und herzliche Freundin. Sie begleitete uns auf mehreren Schritten ihres Lebens und hat uns immer zu vielen Diskussionen angeregt. Unsere geliebte Freundin ist im Kampf für ein freies solidarisches Leben, mit all ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, bei einem Luftangriff des türkischen Militärs in den freien Bergen Kurdistan getötet worden. Es ist nicht einfach, unsere Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen. Dennoch wollen wir jetzt all unsere Kraft zusammen bringen und ein paar Erinnerungen an sie zusammen tragen, damit die Wünsche und Gedanken von Sara in uns allen weiter leben.

Einer ihrer größten Wünsche war es, einen Text an die revolutionäre Linke, an anarchistische und feministische Gruppen hier in Europa zu schreiben. Sie wollte ihnen sagen, wie wichtig es ist, dass wir uns gemeinsam organisieren, um dem patriarchalen System eine klare Haltung entgegenzusetzen, anstatt uns weiter spalten und vereinzeln zu lassen. Es ging ihr nicht darum, dass wir alle eine einheitliche Meinung zu allem entwickeln und unsere Widersprüche unter den Teppich kehren, um nach Außen eine Stärke zu vertreten, die wir nach innen gar nicht vertreten können. Auch sie selbst trug ganz viele Widersprüche in sich, doch sie wollte sich dem stellen, wollte sich mit sich selbst auseinandersetzen, ihre Persönlichkeit durchleuchten und gemeinsam durch die Methode des kurdischen Freiheitskampfes, der Kritik und Selbstkritik, an sich arbeiten, um eine militante Persönlichkeit zu entwickeln. Dafür müssen wir bei uns selbst beginnen, unsere Widersprüche können uns dazu anregen, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen, fragend voranzuschreiten und uns solidarisch aufeinander zu beziehen. Wirkliche Freundschaften fürs Leben einzugehen und eben auch, wenn es sein muss, uns bis zuletzt zu verteidigen und eine klare Haltung zu bewahren. Wenn wir diese verbindenden Momente erkennen, in denen wir alle gemeinsam betroffen sind und uns füreinander einsetzen, können wir, egal wo auf dieser Welt, eine Veränderung erzielen und eine starke kraftspendende Quelle sein. Indem wir voneinander lernen und uns Sara sowie alle anderen freiheitsliebenden Menschen in Erinnerung rufen, die vor uns diesen Weg gegangen sind und in jeglichen Momenten ihres Lebens Widerstand leisteten, können wir uns bis heute auf diese wertvolle Geschichte eines freien Lebens beziehen und sie nicht nur eine unerreichbare Utopie bleiben lassen.

Saras Suche hatte sie bis in die Berge Kurdistans gebracht. Sie war sehr beeindruckt von der autonomen kurdischen Frauenorganisierung, die sie 2016 in Bakur [Nordkurdistan] kennengelernt hatte und über die sie gemeinsam mit Freundinnen den Film „Xwebûn“ gedreht hatte. Das ist etwas, was sie uns neben allen Erinnerungen hinterlassen hat. Eine Welt, in der Frauen aus den Nachbarschaften sich selbst organisieren und ein solidarisches Miteinander leben, eine Jineolojî-Akademie aufgebaut haben, wo sie gemeinsam diskutieren und die Angriffe des Patriarchats in all seinen Facetten analysieren und Lösungsmöglichkeiten finden, wie wir uns gemeinsam dagegen, auch auf ideologischer Basis, selbst verteidigen können – nämlich indem wir uns selbst kennenlernen, Selbstbewusstsein entwickeln und uns kollektiv organisieren.

Dieser Kampf und auch die kollektive Auseinandersetzung mit dem Tod waren wohl sehr bewegende Momente für sie. Bei der Beerdigung des jungen Mädchens Rozerîn war sie mit der Kamera dabei. Rozerîn, die während der Belagerung der Altstadt Sûr (Amed) ihr Leben verlor, wird von den Familien und der Nachbarschaft zum Grab gebracht, viele Frauen halten Reden, die Eltern pflanzen Blumen auf ihr Grab. Es wird ein Gedicht von Nazim Hikmet vorgelesen, das die Schülerin vor kurzem selbst in der Schule vorgetragen hatte. Es trägt den Titel „Über das Leben“ und geht darum, dass egal in welcher Lage du dich befindest, du immer weiter kämpfen musst für ein freies Leben, auch wenn du dich im Gefängnis befindest und weißt, noch achtzehn Jahre liegen vor dir, du zweifelst nie daran, dass der Krieg gegen die Menschlichkeit irgendwann vorbei ist. Oder dass du auch als 80-Jähriger noch einen Olivenbaum pflanzt und zwar nicht, weil du ihn etwa an deine Kinder weitergeben willst, sondern weil du an den Tod nicht glaubst.

Mit diesen Erinnerungen wollen wir ihr gedenken und hoffen natürlich auch, dass noch viele weitere Freunde und Freundinnen ihre Verantwortung erkennen, die Erinnerungen, Gespräche und Ideen von Sara miteinander zu teilen, damit wir sie verwirklichen können und ihnen gerecht werden. Das ist, was wir für sie weiter tun können und was sie in uns am Leben lässt.

Wir möchten gerne mit einem Zitat von Erich Fromm aus „Haben oder Sein“ an sie erinnern:

„Trotz dieser Sicherheit des Habens

bewundern wir aber Menschen mit einer Vision von etwas Neuem.

Die neue Wege bahnen, die den Mut haben voran zu schreiten.

In der Mythologie verkörpert der Held symbolisch diese Existenzweise.

Der Held ist ein Mensch, der den Mut hat, zu verlassen was er hat

– sein Land, seine Familie, sein Eigentum – und in die Fremde hinauszuziehen,

nicht ohne Furcht, aber ohne ihr zu erliegen.“

Mit diesen Worten wollen wir unserer Freundin Sara sagen, dass sie eine dieser Heldinnen war, die den Geist des Widerstandes verkörperte und die auf ihrem Weg Brücken baute, die wir weiter verfolgen werden und für die wir ihr auf ewig dankbar sind.

Louise Michel schrieb in ihrem Nachlass die Worte:

„Wir kommen wieder, wir sind wie die von Kugeln durchlöcherten Fahnen. Wir wurden geopfert, wir wissen und akzeptieren es. Nicht unseretwegen, sondern für diejenigen, die tot sind. Und an ihrem Todestag vereinigen sich unsere Hände auf ihren Gräbern.“

Der Nachlass von Sara verbindet uns alle und wir werden ihr ewig treu bleiben. Der Widerstand der Frauen befreit uns alle! Jin Jiyan Azadî! Frauen, Leben, Freiheit! Şehîd namirin!

ANF

Merkel lehnt eigenen Staat für die Kurden ab

In einem Referendum forderten Kurden im Nordirak mit großer Mehrheit einen unabhängigen Staat. Kanzlerin Merkel hat sich jedoch dagegen ausgesprochen – und einen anderen Wunsch.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt einen separaten Kurdenstaat auf dem Gebiet des Irak ab. „Ich bin für die territoriale Einheit des Irak“, sagte sie bei einem Besuch im niedersächsischen Goslar. „Ich glaube nicht, dass es dem Frieden in der Region diente, wenn es einen eigenen Kurdenstaat gäbe“, fügte die Regierungschefin hinzu.

Merkel plädierte stattdessen für eine möglichst große Autonomie der Kurden. „Die Kurden müssen faire Bedingungen bekommen im Irak.“

Im vergangenen September hatten sich nordirakische Kurden in einem Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Unabhängigkeit vom Rest des Landes ausgesprochen. Die irakische Regierung in Bagdad lehnt einen Kurdenstaat auf ihrem Territorium jedoch ebenso ab wie die Türkei. Die kurdische PKK, die von Ankara als Terrororganisation angesehen wird, hat Rückzugsgebiete im Irak.

Der Spiegel




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