Rojava

USA schützen Kurden in Syrien

Nach türkischen Angriffen auf Kurden in Syrien springen Amerikaner ihren Verbündeten bei.

Die Vereinigten Staaten stellen sich hinter ihre kurdischen Verbündeten in Nordsyrien. Der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis kündigte am Mittwoch in Washington an, dass die US-Armee an der Grenze zwischen Syrien und der Türkei mehrere Beobachtungsposten einrichten werde. Damit sollten Spannungen zwischen der Türkei und den Kurden in Syrien vermieden werden, sagte er laut US-Medienberichten. Das von Washington unterstützte arabisch-kurdische Bündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) solle sich auf den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) im Osten des Landes konzentrieren können.

Mit der Einrichtung der Beobachtungsposten an der Grenze reagieren die USA auf Angriffe der Türkei auf das kurdische Autonomiegebiet „Rojava“ in Syrien. Anfang des Monats hatte türkische Artillerie Stellungen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in den Grenzstädten Kobane und Gire Spi (arabisch Tall Abyad) beschossen und mindestens zehn Menschen getötet, darunter ein zehnjähriges Mädchen. Das SDF-Bündnis, dessen Rückgrat die YPG bilden, hatte daraufhin seinen Kampf gegen den IS in der Region Deir as-Sour vorübergehend eingestellt.

Die rund 50.000 kurdischen YPG-Kämpfer der Allianz, darunter viele Frauen, sind die wichtigsten lokalen Verbündeten der von Washington angeführten internationalen Koalition in Syrien gegen die Dschihadisten in Syrien. Im Bürgerkriegsland sind nach Pentagon-Angaben rund 2000 US-Spezialkräfte stationiert, die das SDF-Bündnis gegen den IS unterstützen.

Da die türkischen Angriffe die weitere Eindämmung des IS gefährdeten, hatten US-Soldaten gemeinsame Patrouillenfahrten mit kurdischen YPG-Milizen und demonstrativ gehissten amerikanischen Fahnen entlang der Grenze zur Türkei gestartet. Zugleich versuchten US-Unterhändler, die Spannungen zu deeskalieren. Mit Erfolg: Inzwischen hat die SDF-Allianz ihre Offensive gegen den IS wieder aufgenommen.

Hintergrund des Konflikts der Nato-Partner ist ein ungelöster Interessengegensatz. Die Türkei betrachtet die YPG als verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und ergo als „Terroristen“, deren „Festsetzung östlich des Euphrats zerstört“ werden müsse, wie Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte. Die US-Regierung führt die PKK zwar ebenfalls in ihrer Liste von Terrororganisationen und setzte vor zwei Wochen sogar ein 12-Millionen-Dollar-Kopfgeld auf die drei wichtigsten PKK-Führer aus, um die Türkei zu besänftigen. Gleichzeitig aber machten die Amerikaner in Ankara klar, dass sie die YPG trotz deren unbestrittener PKK-Verbindung weiter als Verbündete betrachten. Inhaltlich tut sich Washington schwer, dieses Paradox aufzulösen, in der Praxis wird die Zusammenarbeit zumindest im Moment fortgesetzt. So lieferten die USA den syrischen Kurden in der letzten Woche laut türkischen Medien erneut 300 Lastwagenladungen Waffen und Munition.

Die Einrichtung der US-Beobachtungsposten ist ein weiteres deutliches Signal an die Türkei, ihre Angriffe auf die syrischen Kurden einzustellen. Die Stellungen würden klar gekennzeichnet, „damit die Türken wissen, wo sie sind“, sagte US-Verteidigungsminister Mattis. Ihre Einrichtung sei mit Ankara abgesprochen worden. Die Posten seien dazu da, jedwede Aggression gegen die Türkei an der Grenze zu erkennen und zu stoppen. Allerdings hat es seitens der YPG bisher noch nie eindeutig belegbare Angriffe gegeben.

Die politische Führung in Ankara und die regierungsnahe Presse halten sich mit Kommentaren auffallend zurück. Die Zeitungen berichteten sogar wohlwollend über einen Gedankenaustausch mit dem Geschäftsträger der US-Botschaft, dessen lobende Worte über die YPG sie neutral wiedergaben. Die neue Sanftmut dürfte mit dem gegenwärtigen Tauwetter zwischen Ankara und Washington nach der Freilassung des US-Pastors Andrew Brunson zusammenhängen und mit dem Interesse der Türkei, trotz ihrer Energie-Geschäfte mit Teheran weiterhin von den amerikanischen Iran-Sanktionen verschont zu bleiben.

Frankfurter Rundschau





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