„Jugendliche in OWL werden von Salafisten angeworben“

Die Bielefelder Pädagogin Birgit Ebel warnt vor einer Verharmlosung der salafistischen Szene in der Region. Die Expertin fordert von der Politik die Stärkung von Schulen, Lehrern und Sozialpädagogen

Bielefeld. Die Vorwürfe des Freiburger Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi gegen die Arrahma Moschee in Paderborn haben eine neue Debatte über die salafistische Szene in OWL ausgelöst. Die Bielefelder Pädagogin Birgit Ebel engagiert sich seit Jahren mit ihrer unabhängigen Präventionsinitiative „Extremdagegen“ gegen Salafismus und bestätigt, dass Salafisten nicht nur in Bielefeld, Herford und Detmold aktiv sind. „Die vielen jungen Männer und Frauen, die von OWL aus in das Gebiet des IS ausgereist sind, haben sich auch in Moscheen in OWL radikalisiert“, sagt Ebel. „Diese Beispiele zeigen, dass Salafisten in der Region aktiv sind und sich nicht auf Großstädte beschränken.“

Aktuell sorgt der Fall der Detmolderin Fatima M. bundesweit für Aufsehen. Die 30-Jährige reist 2015 mit Mann und Kindern in das IS-Gebiet im Irak aus und arbeitet dort offenkundig als Sittenwächterin. 2017 wird sie verhaftet. Seitdem wird gegen sie im Irak und in Deutschland ermittelt. „Berichten zufolge floh die Familie von Fatima M. 2002 aus Tschetschenien und lebte lange in Detmold, mittlerweile jedoch scheinbar in Paderborn“, erklärt Ebel. „Mehrere Familienmitglieder waren schon 2012 für die verbotene salafistische Organisation ’Millatu Ibrahim’ aktiv.“

Mädchen und Frauen wie Fatima M. spielen nach Angaben der Expertin eine immer bedeutendere Rolle im Salafismus. „In Deutschland werben sie Jugendliche an, geben die Ideologie weiter, schaffen Netzwerke und halten inhaftierte Salafisten bei der Stange. Im IS sind sie dann häufig als Sittenwächterinnen aktiv.“

Gefährder Ahmet Y. aus Altenbeken wird 2017 abgeschoben

Auch der Fall von Ahmet Y. aus Altenbeken zeigt laut Ebel, wie gefährlich die salafistische Szene in OWL ist. Der 22-Jährige engagiert sich unter anderem in Bielefeld bei den inzwischen verbotenen Koranverteilungen „Lies!“ und versucht 2017 über Kairo in das IS-Gebiet auszureisen. Ägyptische Sicherheitsbehörden stoppen den Abiturienten eines Bad Driburger Gymnasiums, der IS-Propagandamaterial dabei hat, und überstellen ihn nach Deutschland. Um eine Gewalttat zu verhindern, wird Y. 2017 als erster Gefährder auf Verdacht in die Türkei abgeschoben. „Ahmet Y. ist ein Beispiel für viele junge Männer, die sich in OWL radikalisiert haben und ihre Heimat verlassen haben, um für den IS zu kämpfen“, erklärt Ebel.

Aus diesem Grund warnt die Pädagogin vor einer Verharmlosung der salafistischen Szene in OWL. „Das Ignorieren dieser Fakten stärkt diese gefährliche Szene, denn auch im vermeintlich beschaulichen OWL sind Jugendliche permanent Anwerbeversuchen von Salafisten ausgesetzt.“ Um diese Gefahren abzuwenden, sieht Ebel vor allem Behörden, Jugendarbeit und Schulen in der Pflicht. „Schule ist oft die einzige Institution, die noch Einfluss auf Jugendliche nehmen kann, die in den Salafismus abdriften, wenn das Elternhaus versagt.“

Seit Jahren kämpft Ebel dafür, dass Lehrer und Sozialpädagogen besser ausgebildet werden. „Pädagogen haben die Möglichkeit das Abdriften von Jugendlichen zu bemerken und gegebenenfalls zu verhindern und sie können für die Gefahren sensibilisieren.“ Mit Blick auf die steigende Zahl von Gefährdern in Deutschland sieht die Lehrerin das als ihre Pflicht an. „Wir müssen alle Verantwortung übernehmen“, fordert Ebel.

Schulleitungen fürchten sinkende Anmeldezahlen

„Jeder zweite Gefährder in Deutschland ist minderjährig und hat insofern zuvor wie Fatima M., Ahmet Y. und die vielen anderen Salafisten in OWL auch hiesige Schulen besucht. Das ist eine riesige Chance für die Demokratiepädagogik. Deshalb müssen die Institutionen und ihre Mitarbeiter gestärkt werden.“ Ebel plädiert auch dafür, dass Schulleitungen deutlicher auch diese Probleme ansprechen und nicht etwa aus Angst vor sinkenden Anmeldezahlen verschweigen. „Wir dürfen nicht länger dabei zuschauen, wie sich junge Menschen in OWL radikalisieren.“

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