Warum Trump und Erdogan wohl keine Freunde mehr werden

US-Präsident Trump und der türkische Staatschef Erdogan sind sich nicht unähnlich. Mancher sieht darin die Chance für gute Zusammenarbeit. Dann aber passierte etwas Seltsames.

Viele Medien hielten es nach der Wahl des neuen US-Präsidenten für ausgemachte Sache: Weil Donald Trump im Grunde einen autokratischen Stil an den Tag lege, werde er die Nähe zu Führern suchen, die man durchaus als Autokraten bezeichnen kann. Der neue Mann im Weißen Haus hatte gesagt, dass er großen Respekt für den russischen Präsidenten Wladimir Putin habe.

Und Trump lud zum Beispiel Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán – wenn auch zunächst inoffiziell und unverbindlich – bei einem Telefongespräch nach Washington ein. Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gilt manchem als potenzieller neuer Freund Trumps. Immerhin war sein Berater für Nationale Sicherheit, Michael Flynn, als sehr protürkisch aufgefallen.

Erdogan überraschend weit hinten auf der Telefonate-Liste

Dann aber passierte etwas Seltsames. Der anfangs entsprechend hoch gehandelte Erdogan rutschte in der Reihenfolge der Staatschefs, mit denen Trump unbedingt telefonieren wollte, nach hinten. Schon vor seiner Vereidigung hatte der US-Wahlsieger alle möglichen Staats- und Regierungschefs angerufen, darunter eben auch den Ministerpräsidenten des kleinen Ungarn. Erst am Dienstag dieser Woche war dann Erdogan an der Reihe – noch nach Ägyptens Militärherrscher Abdel Fattah al-Sisi.

Inhaltlich wurde kaum etwas bekannt gegeben über das Gespräch Donald Trumps mit Erdogan, mit Ausnahme der üblichen Floskeln: wichtiger Partner im Rahmen der Nato, gemeinsamer Kampf gegen den Terrorismus. Fast zeitgleich ließ Erdogan erneut Tausende missliebige Hochschullehrer feuern, wie um ein Zeichen zu setzen.

Tatsächlich muss der türkische Staatschef wohl von Trump, anders als von seinem Amtsvorgänger Barack Obama, keine Kritik erwarten, wenn er die Türkei weiter in Richtung Autokratie führt. Jedenfalls hat Trump bisher noch kein Wort der Kritik am Regierungsstil in Ankara geäußert. Und es gibt Gemeinsamkeiten: So kann man Erdogan und Trump als Geldmenschen bezeichnen. Trump betont immer wieder, er sei ein Geschäftsmann. Erdogan startete auch als ein solcher seine Karriere. Heute ist seine Familie eine der reichsten im Land.

Zudem: Wie Trump verachtet Erdogan politische Korrektheit und schätzt einen zuweilen rücksichtlosen Pragmatismus. Obendrein befinden sich beide in einer ähnlichen Situation. Sie sind Führer eines einflussreichen Landes und äußerst überzeugt von sich selbst und ihrem Handeln – werden aber von der Mehrheit der Medien weltweit scharf kritisiert, zuweilen gedemütigt und gar verlacht.

Gemeinsamer Feind: die Terrormiliz Islamischer Staat

Politisch liegt beiden zudem daran, den Islamischen Staat niederzuringen (obwohl die Türkei lange zögerte, sich am Kampf gegen die Terrororganisation zu beteiligen), und beide eint ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Iran und seinen geopolitischen Zielen im Nahen Osten.

Können die beiden auf Basis dieser Gemeinsamkeiten nun auch gut zusammenarbeiten?

Berichte türkischer Medien über das Telefonat der beiden Präsidenten lassen keineswegs erkennen, dass man an einem Strang zieht. Erdogan hat demnach darauf bestanden, dass die Vereinigten Staaten damit aufhören, die Kurden in Syrien zu unterstützen. Sie sind aber die wirkungsvollsten und eigentlich die einzigen verlässlichen Verbündeten der Amerikaner in der Region, außer Israel. Trump wird sie aber sicher nicht im Stich lassen. Auch die von Erdogan geforderte Auslieferung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen wird es so bald wohl nicht geben.

N24





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