Iranisch-Kurdistan: Schwere Ausschreitungen nach Tod eines Zimmermädchens

Eine aufgebrachte Menge hat in der iranischen Stadt Mahabad ein Hotel in Brand gesetzt. Dort war zuvor eine junge Frau gestorben, die versucht haben soll, einer Vergewaltigung zu entkommen.

Der Tod eines Zimmermädchens hat schwere Ausschreitungen in Mahabad ausgelöst, einer mehrheitlich von Kurden bewohnten Stadt im Nordwesten Irans. Die 25-jährige Farinaz Khosravani war am Montag aus dem vierten Stock des Tara-Hotels gestürzt – mit vier Sternen das beste Haus in der 250.000-Einwohner-Stadt.

Kurdische Medien im Ausland berichteten, die Frau habe versucht, vor einem iranischen Regierungsbeamten zu fliehen. Dieser habe versucht, sie zu vergewaltigen. Der Hotelbesitzer soll dem Mann dabei geholfen haben. Der Beamte habe dem Besitzer versprochen, für einen fünften Stern zu sorgen, wenn er ihm den Aufenthalt im Hotel Tara so angenehm wie möglich gestalte, hieß es.

Der Bürgermeister von Mahabad, Jafar Katani, hat laut kurdischen Medien bestätigt, dass ein Mann versucht hatte, das Zimmermädchen zu vergewaltigen. Dabei handele es sich aber nicht um einen Staatsbeamten, sondern um einen Mann, der beauftragt worden war, den Hotelstandard anzuheben. Der Verdächtige sei festgenommen worden.

Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein

Trotzdem ist der Ärger in der Stadt groß. Am Donnerstag versammelten sich Tausende aufgebrachte Menschen vor dem Hotel. Sie setzten das Gebäude in Brand. Auf Twitter wurden Fotos verbreitet, die zeigen, dass große Flammen aus dem Hotel steigen. Sicherheitskräfte versuchten, die Menge mit dem Einsatz von Tränengas auseinanderzutreiben. Bei den Zusammenstößen wurden mehrere Menschen verletzt.

Bürgermeister Katani rief die Bewohner der Stadt auf, die Ruhe zu bewahren: „Die Leute müssen die Untersuchungsergebnisse abwarten, erst dann kennen wir den Grund für Khosravanis Tod“, sagte er der kurdischen Nachrichtenagentur Rudaw.

In Mahabad, einer Stadt in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan, hatte es zuletzt vor zehn Jahren größere Proteste gegeben. Damals hatten Sicherheitskräfte einen kurdischen Jugendlichen erschossen, in der Folge gingen Tausende Kurden gegen das Regime auf die Straße. Bei wochenlangen Unruhen kamen mehrere Menschen ums Leben. 2010 wurden bei einem Anschlag auf eine Militärparade in Mahabad mehrere Personen getötet.

DER SPIEGEL





kostenloser Counter
Poker Blog