Aufruf zur Newrozdemonstration 2015 am 21. März in Bonn

Newroz 2015

Im Lichte von Kobanê zur Freiheit der Völker

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Solange Unterdrückung und Unrecht auf der Erde besteht, wird es auch den Widerstand dagegen geben. Newroz – das neue Jahr – ist für viele Völker im Mittleren Osten das Fest des Frühlings und der Fruchtbarkeit der Natur. Für das kurdische Volk jedoch symbolisiert er den Tag der Befreiung gegen die Finsternis der Tyrannei. Im Jahre 612 v. Chr. haben die Vorfahren der Kurden gegen den damaligen Tyrannen Dehaq einen erfolgreichen Widerstand geleistet. Heute, also mehr als 2600 Jahre danach, führen die Kurden in derselben Region erneut einen Widerstand gegen die Tyrannei der Gegenwart. Es sind der sog. Islamische Staat und die autoritären staatlichen Regime des Mittleren Ostens, die durch Unterdrückung, Gewalt, Versklavung und Ausbeutung der Menschen gleich Dehaq die Region in der Finsternis halten wollen. Doch es haben sich auch in der Gegenwart unzählige Menschen in der Region für den Aufstand gegen diese Finsternis entschieden.

Die Bevölkerung Kurdistans nimmt in diesem Aufstand eine bedeutende Rolle ein. Seit einem Jahrhundert aufgeteilt auf die vier Staaten Türkei, Iran, Irak und Syrien, werden die Menschen Kurdistans durch die herrschenden Staaten systematisch unterdrückt und verleugnet. Doch der jahrzehntelange Widerstand der Menschen Kurdistans gegen diese Tyrannei hat inmitten einer Phase, in welcher der Mittlere Osten im Chaos zu versinken droht, auch einen Hoffnungsschimmer für all diejenigen Menschen hervorgebracht, die ihren Platz im Kampf gegen die zeitgenössischen Dehaqs der Region eingenommen haben.

Inmitten des syrischen Bürgerkriegs riefen die Kurden in Rojava (Nordsyrien) im Januar 2013 die Demokratische Autonomie aus und bauten demokratische Selbstverwaltungsstrukturen in den drei Kantonen Kobanê, Afrin und Cizîrê auf. Die Entscheidung eine eigene Selbstverwaltung aufzubauen, wurde gemeinsam mit den in der Region lebenden Assyrern, Arabern, Tschetschenen, Armeniern und Turkmenen getroffen. Auch die Interessen der Glaubensgemeinschaften der ezidischen Kurden, Alewiten und Christen flossen in den Gesellschaftsvertrag von Rojava ein, der die Grundlage der Selbstverwaltung bildet. Ein fundamentales Prinzip der Demokratischen Autonomie von Rojava ist die aktive Teilnahme von Frauen in allen Strukturen der Selbstverwaltung.

Auch wenn Rojava auf der Landkarte betrachtet nur ein geographisch kleines Gebiet ausmacht, hat die Revolution, die von diesem Gebiet ausgeht, eine große Bedeutung für die gesamte Region. Die Menschen aus Rojava wissen um die Bedeutung ihrer Revolution. Deswegen haben sie wie zuletzt in Kobanê auch nicht bloß gegen die systematischen Angriffe einer weitaus besser ausgerüsteten IS standgehalten, sondern sie halten auch weiterhin gegen ein wirtschaftliches und politisches Embargo gegen ihre Selbstverwaltungen stand. Das Geheimnis hinter diesem Widerstand steckt in der Überzeugung, dass die Revolution von Rojava die Vorstellung eines demokratischen und pluralistischen Nahen und Mittleren Ostens am Leben hält.

Der Mythos der Unschlagbarkeit des Islamischen Staates wurde im Kanton Kobanê in Rojava zerschlagen. Dieser erfolgreiche Widerstand stellt nicht nur den bisherigen Höhepunkt der Rojava-Revolution dar, er könnte auch wie die Niederlage des Tyrannen Dehaq im Jahre 612 v. Chr. den Anfang vom Ende einer Epoche der Tyrannei darstellen. Kobanê ist zum Symbol der Hoffnung für die Freiheit gegen die Finsternis unserer Zeit geworden. Deshalb wollen wir das diesjährige Newrozfest, als das Fest der Befreiung der Völker von der Tyrannei, dem erfolgreichen Widerstand von Kobanê widmen. Denn dieser erfolgreiche Widerstand ist zur Quelle der Kraft für alle Völker und Glaubensgemeinschaften des Nahen Ostens und der gesamten Welt im Kampf gegen die Tyrannei geworden.

Gemeinsam sind wir Unbesiegbar

Zu jedem Erfolg gegen die Tyrannei gehört neben Entschlossenheit und einer gesellschaftlichen Perspektive auch die Solidarität und Vernetzung der Menschen, die an ein anderes Leben glauben. Während die Unterdrücker sich global vernetzen, werden die Unterdrückten bewusst zersplittert und vereinsamt. Menschen werden nach Ethnien, nach Religionszugehörigkeit, und nach Geschlecht aufgeteilt und gegeneinander aufgehetzt.

Solange wir nicht unsere gemeinsamen Perspektiven und Träume egal ob in Rojava, in Deutschland oder anderswo zum Bindeglied im Kampf für eine gemeinsame freie Zukunft machen, werden anderen versuchen unsere Unterschiede zur Grundlage von Feindschaften zu machen, um davon zu profitieren.

Wir laden alle Menschen, die ihre Träume und Kämpfe für eine demokratische, gerechte, gewaltfreie, und ökologische Welt mit uns vereinen wollen, dazu ein, mit uns das diesjährige Newrozfest zu feiern.

NAV-DEM e.V. Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e. V.





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