Rassismus und Körperflüssigkeiten: Türkische Gemeinde nimmt Nebahat Güçlü in Schutz

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“Tollwütigen Grauen Wölfen ist der Zutritt untersagt”

Die Türkische Gemeinde Deutschland hat die Vorsitzende ihrer Hamburger Gemeinde Nebahat Güçlü in Schutz genommen.

Nebahat Güçlü, die Grauen Wölfe und die Türkische Gemeinde Deutschland

Güçlü war am 18. Januar vor der den rechtsradikalen “Grauen Wölfen” (Boz Kurt / Ülkücü-Bewegung) aufgetreten.

Zahlreiche Mitglieder der Jugendorganisation der TGH (Türkische Gemeinde Hamburg) distanzierten sich in Folge dessen deutlich von ihr, während andere ihr Verständnis bekundeten.

Auch der Hamburger Landesvorstand der Partei “Die Grünen”, für die Güçlü für die bevorstehenden Bürgerschaftswahlen kandidieren soll, reagierte nach Bekanntwerden des Auftritts ihres Mitglieds Ende Januar schnell mit der Enleitung eines Parteiausschlußverfahrens. Güçlü lies kurz darauf verlauten, dass sie dies nicht akzeptieren wolle. Die Türkische Gemeinde Deutschland weist in einer Erklärung jede Verantwortung für das Handeln Güçlüs von sich, spricht von einer “Hetzjagd” ihr gegenüber und nimmt sie mehrfach in Schutz. In einer Erklärung der TGD heißt es dazu:

“Wir kennen Nebahat Güçlü, die auch Mitglied des TGD-Vorstandes ist, als eine Persönlichkeit, die sich seit Jahren gegen Rassismus und Diskriminierung und für Gleichstellung engagiert. Sie führt dieses Engagement seit über zwei Jahren als Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Hamburg und Umgebung fort. Nebahat Güçlü hat sich sowohl in ihrer beruflichen, als auch politischen Tätigkeit immer gegen jeglichen Extremismus gestellt und sich nicht gescheut, ihre Positionen auch öffentlich vorzutragen.

Aus diesen Gründen wendet sich die Türkische Gemeinde in Deutschland entschieden gegen Bestrebungen, Nebahat Güçlü in ein falsches Licht zu rücken.

Die TGD steht für Pluralität. Solange die allgemeinen Interessen der TGD nicht berührt sind, wird die TGD das Recht der Menschen, ihre unterschiedlichen Meinungen frei zu äußern, respektieren.”

“Antirassistin” wirbt um Stimmen von Rassisten?!

Nebahat Güçlü wird demnach laut der TGD “Engagement gegen Rassismus” attestiert und ihr Auftritt vor den “Grauen Wölfen” solle unter die Meinungsfreiheit fallen.

In einem Bericht des nordrheinwestfälischen Innenministeriums heißt es zu der Gruppierung, um deren Stimmen Nebahat Güçlü für die am 13. Februar stattfindenden Wahlen zur Hamburger Bürgerschaft warb:

“Aggressiver und deutlicher werden die Ziele der „Grauen
Wölfe“, wenn es um den Umgang mit ihren Feinden
geht. Hierzu gehören zum einen die Minderheiten in der
Türkei, wenn sie in den Augen der Ülkücü türkischen Interessen
entgegenstehen. Das sind ethnische Gruppen
wie Kurden, Griechen und Armenier, aber auch religiöse
Gemeinschaften wie Juden oder Christen.
Als Hauptfeinde gelten dabei zurzeit die Kurden. Alle
Kurden, die sich zum Kurdentum bekennen, werden
undifferenziert als Anhänger der ‘Arbeiterpartei Kurdistans’
(PKK) oder als Terroristen und Verräter angesehen

und entsprechend diffamiert. Die Kurden werden als ein
von seinem Ursprung entfremdetes türkstämmiges Volk
betrachtet.
Auch frühere bewaffnete Konflikte mit anderen Völkern
und Nationen sind für die Nationalisten Grund genug,
eine feindselige und herabsetzende Haltung diesen gegenüber
einzunehmen. Feinde sind auch diejenigen, die
gegenüber der Türkei den Vorwurf erheben, 1915 einen
Völkermord an den Armeniern verübt zu haben.
Besonders drastisch ist die Art und Weise, in der diese
Feindbilder über entsprechende Sites, Foren und Chats
im Internet verbreitet werden. Hier bleibt es nicht nur
bei der bloßen Diffamierung. Vielmehr wird in volksverhetzender
Weise zu Körperverletzung, Mord und
sogar Lynchjustiz aufgerufen. Diese Inhalte sind dazu
geeignet, bei Jugendlichen zu einer Radikalisierung
und Gewaltaffinität beizutragen.”

http://www.mik.nrw.de/uploads/media/UElkuecue-Broschuere_01.pdf (S.4-5)

In der Antwort auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevim Dağdelen, Annette Groth, Heike Hänsel, Andrej Hunko, Stefan Liebich, Harald Petzold (Havelland), Martina Renner, Kathrin Vogler, Halina Wawzyniak und der Fraktion DIE LINKE im Bundestag vom 24. Januar 2014 heißt es:

“Die „Grauen Wölfe“ vertreten einen ausgeprägten Rassismus gegenüber nicht türkisch-sunnitischen Bevölkerungsgruppen in der Türkei. Zu ihren Feindbildern gehören so Kurdinnen und Kurden, Alevitinnen und Aleviten, Armenierinnen und Armenier, Griechinnen und Griechen und sowie Jüdinnen und Juden. In der Türkei waren paramilitärische Gliederungen der Grauen Wölfe bis zum Militärputsch im Jahr 1980 für Tausende Morde an politischen Gegnern verantwortlich. Auch in den letzten Jahren kam es mehrfach zu pogromähnlichen Übergriffen und Lynchversuchen von Grauen Wölfen gegen kurdische Arbeitsmigranten und Studierende in der Westtürkei aber auch Roma und Linke. Neben der MHP gehört die Anfang der 90er-Jahre von dieser abgespaltene, stärker religiös ausgerichtete Große Einheitspartei (BBP) zu den Grauen Wölfen bzw. dem als Ülkücü (Idealisten) benannten rechtsnationalistischen Milieu. Aus dem Umfeld der BBP, der MHP und ihrer Jugendorganisationen stammten die Mörder und deren Hintermänner im Falle des im Jahr 2007 in Istanbul erschossenen armenischen Journalisten Hrant Dink sowie mehrerer in den Jahren 2006 und 2007 in der Türkei ermordeter Christen (www.taz.de vom 21. Januar 2008 „Schweigen für Hrant Dink“).
In Deutschland sind die Grauen Wölfe in so genannten Idealistenvereinen (Ülkücü-Vereinen) der Deutschen Türkischen Föderation (ATF) organisiert, die Teil des europaweiten Dachverbandes „Europäische Föderation der Türkischen Demokratischen Idealistenvereine“ (ADÜTDF) ist. Daneben existieren Vereine der 1987 von der ADÜTDF abgespaltenen „Türkisch-Islamischen Union Europa“ (ATIB), die eine stärkere Orientierung auf den Islam als konstitutives Element des Türkentums propagiert. Als Auslandsabteilung der BBP der Türkei existieren zudem der „Verband der türkischen Kulturvereine in Europa“ (ATB).”

[..]

“Auch in Deutschland haben Graue Wölfe Gewalttaten begangen. So wurde im Jahr 1980 der türkische Gewerkschafter und Lehrer Celalettin Kesim in Berlin und im Jahr 1995 ein 21-jähriger Kurde in Neumünster von türkischen Rechtsextremen ermordet. Zudem griffen Personen aus dem Umfeld der Grauen Wölfe in den letzten Jahren zumeist im Umfeld von antikurdischen Demonstrationen mehrfach kurdischstämmige Bürgerinnen und Bürger sowie kurdische und linksgerichtete türkische Kulturvereine an (www.neues-deutschland.de vom 16. November 2013 „Graue Wölfe heulen in Oberhausen“).
Unter dem Verdacht des illegalen Waffenbesitzes durchsuchte die Polizei im Juni 2013 einen Augsburger Verein, der den Grauen Wölfen zugerechnet wird, sowie rund 20 weitere Objekte in Bayern, Recklinghausen und Frankfurt am Main nach Waffen. Bei einem Vorstandsmitglied des Vereins wurden zwei scharfe Schusswaffen mit Munition beschlagnahmt, in anderen Objekten fand die Polizei Schreckschusswaffen, Schlagstöcke, Elektroschocker und Samuraischwerter (www.augsburger-allgemeine.de vom 13. Juni 2013 „Großrazzia: Polizei findet bei Vereins-Vorstand scharfe Schusswaffen“).”


http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/003/1800344.pdf
(S.1-2)

Der Spiegel schrieb bereits 1978 zu den Grauen Wölfen:

“Aus den Kurdendörfern strömten bewaffnete Bauern in die Stadt, in der bereits die lokalen “Grauen Wölfe” wüteten: eine Mord- und Terrororganisation der “Nationalen Bewegungspartei” des Hitler-Verehrers Alparslan Türkes, eines Zyperntürken, der von einem neuen Großtürkischen Reich träumt.”

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40617783.html

Rassismus und Körperflüssigkeiten

In der Facebookgruppe der Türkischen Gemeinde Deutschlands (https://www.facebook.com/groups/tgemeindedeutschland/permalink/255159271321284/) finden sich unter den Fürsprechern Nebahat Güçlüs die üblichen Verdächtigen, die auf Pinnwänden des Deutsch Türkischen Journals (DTJ), der Deutsch Türkischen Nachrichten (DTN) oder der Deutsch Türkischen Zeitung (DTZ), in einer großen Anzahl von Threads zu finden sind, in denen gegenüber den o.g. Feindbildern der “Grauen Wölfe” polemisierend Stimmung gemacht wird. U.a. posierte die im oben verlinkten Thread zu findende Userin Aygül K. im Sommer auf diversen Fotos des rechtsradikalen, ebenfalls den “Grauen Wölfen” nahestehenden Motorradclubs “Turkos MC”. Damals marschierten dessen Mitglieder in München gegen den kurdischen Wiederstand von Kobane auf (https://kurmenistan.wordpress.com/2014/10/19/protest-von-rechtsradikalem-motorradclub-in-munchen-polarisiert-nur-im-internet/).

Wie soll man die Erklärung der TGD, Nebahat Güçlüs Verhalten würde unter die Meinungsfreiheit fallen und sie sei überhaupt eine Antirassistin, verstehen?

Die Stimmen von Mitgliedern einer Organisation, die offen und aggressiv zur Gewalt gegen Kurden, Armenier, Juden und anderen aufzuruft, gewinnen zu wollen, ist also nach Meinung der TGD antirassistisch und fällt unter die Meinungsfreiheit?

Hätte die TGD noch von einem Handeln im Rahmen der Meinungsfreiheit gesprochen, wenn es sich um einen Fall handeln würde, in dem ein deutsche Politiker vor einer Ortsgruppe der NPD, um deren Stimmen und Unterstützung geworben hätte? Hätte man dann nicht vielmehr selbst die klare Kante gezeigt, die man nun als “Hexenjagd” bezeichnet?

In ihrer Erklärung behauptet die TGD für “Pluralität” stehen zu wollen. Das Verhalten in der Causa Güçlü vermittelt den Eindruck, dass diese Pluralität sehr individuell interpretiert wird. Sie gilt scheinbar für Gesinnungen mit klar definierten ethnischen Feindbildern, klammert aber auf der anderen Seite Kurdinnen und Kurden, Alevitinnen und Aleviten, Armenierinnen und Armenier, Griechinnen und Griechen sowie Jüdinnen und Juden aus.

Bei der TGD scheint es mit dem Rassismus so zu sein wie mit den Körperflüssigkeiten. Eklig ist es nur, wenn es nicht die Eigenen sind.

Kurmenistan News





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