Eingekesselt: Der einsame Kampf der Peschmerga / ARTE

Dezember 2014: Vorrückende ISIS-Truppen kesseln den nordirakischen Sindschar-Höhenzug ein. Die kurdischen Dörfer, in denen Jesiden, Muslime und Christen leben, sind von der Außenwelt abgeschnitten. An Bord eines Hubschraubers reist der Dokumentarfilmer Xavier Muntz in das umkämpfte Gebiet. Bei seiner Landung wird der Hubschrauber von verzweifelten Flüchtlingen gestürmt …
An Bord eines Versorgungshubschraubers reist der französische Dokumentarfilmer Xavier Muntz Anfang Dezember in das umkämpfte Gebiet des nordirakischen Sindschar-Höhenzug westlich der ISIS-Hochburg Mossul. Bei seiner Landung wird der Hubschrauber von verzweifelten Flüchtlingen und Soldaten gestürmt. Sie versuchen, einen Platz zu ergattern, um der Hölle zu entgehen. Der Helikopter muss wieder abheben und den Proviant an anderer Stelle abwerfen.

20 Tage lang hält sich Xavier Muntz bei den Kurden auf. Als unauffälliger Beobachter filmt er den Alltag der Kämpfer, der Dorfbewohner und ihrer Kinder, die im staubigen Gelände mit Patronengürteln spielen. An der Seite der Peschmerga dokumentiert er den Widerstand gegen die islamistischen Schockkommandos. Ohne diese Abwehr sind die Bewohner den Terrormilizen ausgeliefert, die die Männer ermorden und die Frauen zu Sexsklavinnen machen.

In den eingeschlossenen Dörfern herrscht Angst. Der Film zeigt die Jesiden (Angehörige einer sehr alten im Kurdenvolk verankerten Religion) während des Sonnengebets. Einer von ihnen beschreibt Hunger, Furcht und das Gefühl, vom Rest der Welt im Stich gelassen zu sein. Die Menschen sind fast mittellos, das Feldlazarett besteht aus drei Betten. Die einzige Energiequelle ist das Feuer, für das ständig Holz beschafft werden muss.

Die Bilder belegen die fehlende logistische Unterstützung im Kampf gegen die Islamisten. Entgegen allen offiziellen Regierungserklärungen bleiben die amerikanischen Luftangriffe gegen ISIS praktisch aus. Die Menschen kämpfen mit uralten Gewehren und Behelfswaffen mit der Aufschrift „Made in Kurdistan“. Die Gruppe, bei der sich Xavier Muntz aufhält, besteht aus teilweise recht alten marxistischen Veteranen, die im Konflikt mit der türkischen Armee ihre Kampferfahrung gesammelt haben. Nachts, beim stundenlangen Ausharren, streiten Jesiden und Muslimen zuweilen heftig über die Natur des Islams. Eine während einer Offensive gefilmte Szene zeigt eine hochrangige Kämpferin, die ihre untergebenen Soldaten in Sachen Geschlechtergleichheit zurechtweist.

An der Seite der Kurden kämpft auch Jason, ein Veteran des US-Marine-Corps. Dass er ausgerechnet einer Gruppe eingefleischter Marxisten zugeordnet wurde, bringt den konservativen Republikaner nicht sonderlich aus der Fassung. Er kann auf den Christen Yol zählen, der aus der Gegend stammt und mit dem ihn eine starke Freundschaft und Vertrautheit verbindet. Als Yol durch einen ISIS-Schützen an der Brust getroffen wird, sind Jasons Aufregung und Sorge groß.

Mit dem Mut der Verzweiflung versuchen die Kämpfer, die Umzingelung zu durchbrechen. Haus für Haus stürmen sie die islamistischen Positionen. Xavier Muntz begleitet die Heckenschützen und folgt der Vorhut in den umkämpften Straßen, er filmt zivile Opfer und tote ISIS-Angehörige. Nach einer Woche erbitterter Gefechte gelingt es den Peschmerga, unterstützt durch syrische Kurden, den Gegner zurückzudrängen. Damit sind die Verbindungsstraßen zwischen den befreiten Kurdengebieten in Syrien und im Nordirak wieder offen. Mit wehenden Fahnen fahren die Kämpfer ab. Ihr nächstes Ziel heißt Mossul.

ARTE





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