Türkei ruft Ausgangssperre aus und führt die internationale Koalition gegen den „IS“ vor

Ein Sprichwort lautet: „Die Intrigen der Osmanen sind unerschöpflich“. (Wörtlich: Die Spiele der Osmanen sind viele). Den Neo-Osmanen um T.R. Erdogan ist ein richtiger Coup gelungen. Ausgerechnet die Türkei, die verdächtigt werden muss, den „Islamische Stadt“ zu fördern und die sich anfangs beharrlich geweigert hat, sich der Koalition anzuschließen, ist ihr ausgerechnet dann beigetreten, als die Offensive auf Kobanê bereits begonnen hatte.
Heute ist klar, wozu diese ganze Maskerade dienen soll. Beobachter aus aller Welt schauen von der Grenze aus zu, wie der „IS“ gegen Kobanê vorrückt und in die Stadt eindringt. Der UNO Generalsekretär ruft zu sofortigem Handeln auf. Martin Schulz, Präsident des europäischen Parlaments, schließt sich dem an und auch Laurent Fabius, der Außenminister Frankreichs, betont die Dringlichkeit zu handeln.
Kurz, alle sehen die Notwendigkeit, sofort etwas zu unternehmen. Geografisch gesehen ist die von der Türkei kontrollierte Region die einzige Möglichkeit, um nach Kobanê vorzudringen. Die Türkei tut so, als würde sie kurz davor stehen, in Kobanê zu intervenieren. Mesud Barzani, Präsident der autonomen Kurdenregion im Irak (Süd-Kurdistan), der verstanden hat, dass nichts dergleichen geschehen wird, bat heute die Türkei, seine kurdischen Freiheitskämpfer, die Peschmergas, über das Staatsgebiet der TR nach Kobanê zu lassen. Doch der türkische Präsident und sein Anhang führten in der Vergangenheit nicht nur die Kurden an der Nase herum, sondern darüber hinaus auch die ganze Welt.
Heute hielt T. Erdogan unweit von Kobanê eine Rede, in der er seine Freude vor dem Fall von Kobanê kaum verbergen konnte. Diese Rede ließ er ins Arabische (nicht ins Kurdische) übersetzen. Er lässt es sich auf der Zunge zergehen, dass Kobanê bald fallen wird. Dieses politische Kalkül der Vernichtung der Kurden wird als Sorge und Betroffenheit politisch vermarktet und der Westen glaubt es. Was bei T. Erdogan ganz offensichtlich nur leere Parolen sind, die im Gegensatz zu seinen Taten stehen, erscheinen der Koalition dennoch glaubwürdig. Bittsteller stehen vor Erdogans Tür, doch die türkischen Panzer stehen an der Grenze still.
Während Erdogan davon spricht, in Syrien einzumarschieren, stellt er gleichzeitig seine erpresserischen Bedingungen an die Koalition. Die Koalition solle in Syrien gegen Asad intervenieren, während sie sich gerade einer dringlicheren Aufgabe gegenüber sieht. Dazu fordert er die Bewaffnung und Ausbildung „gemäßigter Kräfte“ (gemeint sind andere islamistische Gruppierungen, dieselben zu denen „IS“ gehört) die in der von ihm geforderten Pufferzone entlang der syrischen Grenze agieren sollen.
Aufgebrachte Kurden, die im Gegensatz zum „IS“ nicht über die Grenze gelassen werden, werden mit Tränengas auseinandergetrieben. Überall in der Türkei hingegen ist die Jagd auf Kurden eröffnet.
In bisher 7 kurdischen Städten wurde eine Ausgangssperre verhängt. Auf den Straßen zielen Polizisten mit scharfer Munition auf Kurden und schreien dabei den Schlachtruf des „IS“. In Varto wurde bereits ein 25-Jähriger Demonstrant von türkischen Polizisten erschossen. In Diyarbakir wurden zwei Kurden von Islamisten der Hisbollah erschossen. In den türkischen Städten lynchen Türken kurdische Demonstranten. Graue Wölfe und Islamisten erwarten mit Sehnsucht dieselben Verhältnisse wie in Kobanê. Ausgerechnet diese Türkei steht nun auf dem Papier an vorderster Front gegen den „IS“.
Wann werden Europa und die USA endlich aufwachen, und verstehen dass die Türkei nicht zu intervenieren gedenkt bis Kobanê gefallen ist? Die türkischen Panzer werden sich erst in Bewegung setzen, wenn Kobanê de facto gefallen sein wird. Dann gibt es nichts mehr zu intervenieren, sondern nur noch die Pufferzone einzurichten, in denen die Islamisten aus aller Welt angesiedelt werden sollen. Erdogan will nicht den „IS“ bekämpfen, sondern selbst der Kalif in der Region werden. Schließlich waren die Osmanen die letzten Kalifen.
Ein Bittsteller nach dem anderen präsentiert sich in der Türkei, zuerst Mesud Barzani, dann Muslim Salih, der Vorsitzende der PYD, dann der Außenminister Frankreichs, Laurent Fabius, um die Türkei zu bitten, zu intervenieren oder die Kurden intervenieren zu lassen. Die Kurden, die Kobanê flehen seit 14 Tagen die Koalition an, ihnen zur Hilfe zu kommen. Die Munition ihrer Handwaffen geht aus und die Stadt ist von der Wasserzufuhr und Stromversorgung abgeschnitten. Der Rest der Bevölkerung von Kobanê, die die Stadt zusammen mit den Widerstandskämpfern der PYD verteidigen, harren ohne jegliche Hilfe von außen aus.
Würde die Koalition nicht auf die Türkei zählen, stünde sie unter Zugzwang und hätte selbst intervenieren müssen. Die Türkei jedoch hilft nicht, sondern ruft durch ihr doppeltes Spiel den unmittelbar bevorstehenden Fall Kobanês herbei.
Die Türkei sieht wegen der Kurden gerade ihre Felle wegschwimmen. Wenn man das versteht, kann man ihre Handlungen im Voraus berechnen.
Amerikanische Think Tanks behaupten, dass Obama auf türkische Befindlichkeiten Rücksicht nähme und daher zwar den „IS“ bekämpfen wolle, jedoch ohne dass die Kurden damit gestärkt würden. Wenn es nur zwei Möglichkeiten gibt, dann muss man sich für die eine entscheiden. So einfach ist das. Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung.
Es ist wirklich ein Armutszeugnis für die westliche Politik, sich von einem T. Erdogan und der islamischen Allianz derartig vorführen zu lassen!

J.J.
München, 07.10.2014
Kurdische Gemeinde Bayern (V.i.G.)





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