Archiv für Oktober 2014

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SAT 1 – FOCUS TV

Déjà-vu: Von Ahmet Külahci, der Hürriyet, Kurden, Armeniern und hässlichen Afrikanern

Egal ob im Presseclub oder bei Anne Will, Ahmet Külahci von der Hürriyet ist zur Zeit wohl mit der gefragteste und populärste Journalist im deutschsprachigen Raum, wenn es um das Blockadeverhalten der Türkei gegenüber den von Mordbanden des IS / ISIS eingekesselten Kurden von Kobanê geht.

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Ahmet Külahci in der Phoenixrunde nach der Erstausstrahlung von „Aghet-Ein Völkermord“ 2010 / Youtube-Screenshot von https://www.youtube.com/watch?v=1z8vAeXBsYA

Gute türkische Demonstranten, böse kurdische Terroristen

Vor gut einem Jahr noch kritisierte der einflussreiche Journalist jener kemalistischen Tageszeitung, die 1992 Nelson Mandela auf ihrer Titelseite einen „hässlichen Afrikaner“ nannte, weil dieser es sich wagte, die Menschenrechtsverletzungen des türkischen Staates an den Kurden anmahnte, das Vorgehen der AKP-Regierung gegenüber den Gezi-Demonstranten. Nun, da es also angesichts Unruhen in der Türkei und eines drohenden Genozids an ihrer Südgrenze gegen einen der Erbfeinde geht, äußert er nicht nur Verständnis, sondern wirbt sogar bedingungslose Solidarität.

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Hüriyet Titelseite von 1992, auf der Nelson Mandela aufgrund geäußerter Kritik an der türkischen Kurdenpolitik als “hässlicher Afrikaner” verunglimpft wird.


Das kennen wir doch irgendwo her

Ahmet Külahci ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um die Leugnung von Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen des türkischen Staates gegenüber seinen Minderheiten geht. Bereits im April 2010 machte er sich bei der Erstausstrahlung der Dokumentation von „Aghet – Ein Völkermord“, welche die Vernichtungspolitik des Osmanischen Reiches, Vorgängerstaat der Türkischen Republik, gegenüber den Armeniern, behandelt, in der an die Ausstrahlung anschließenden Diskussionsrunde auf Phoenix einen Namen als Geschichtsfälscher und Verbreiter von Dolchstoßlegenden (siehe auch http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/integration/voelkermord-an-den-armeniern-das-letzte-was-ich-von-den-kindern-sah-1582205-p4.html )

Ebenso sind Külahcis Äußerungen zur aktuellen Situation in Kobanê und dem Verhalten des türkischen Staates alles andere als neu.

„Dieser Film löst heftige Kontroversen aus. Während Angehörige der Opfer die späte Ausstrahlung am Sonntag erst um 23.00 Uhr kritisieren, werfen Vertreter der türkischen Haltung dem ARD eine Verleumdungs- und Propagandakampagne auch auf Kosten türkischer Gebührenzahler der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten vor. Historische Tatsachen in Form von Aufzeichnungen verstorbener Zeitzeugen und wesentliche Dokumente aus den Archiven würden gefälscht und bewusst gegen die Türkei eingesetzt, so der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland während der anschliessenden Diskussion. Diesem Tenor schloss sich auch dessen Landsmann und Journalist Ahmet Külahci an, der gar einen Völkermord anhand der Tatsache versuchte zu entkräften, dass doch vornehmlich Männer getötet wurden, während Frauen und Kinder lediglich deportiert wurden. Die zahlreichen Vergewaltigungen und Verstümmelungen wurden als “bedauerliche Nebenerscheinungen eines Krieges” abgetan.“ (Quelle: http://www.online-presseportal.com/politik/ausland/tuerkei-voelkermord-an-armenier-114/).

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass der historische Konsens mittlerweile eindeutig einen Völkermord an Armeniern, Aramäern / Assyrern sowie pontischen und ionischen Griechen festgestellt hat. Der Erklärung des schwedischen Parlaments von 2010 ist hier Vorreiter. In Deutschland war dies auch auf Druck staatlich gesteuerter türkischer Lobbyverbände in Deutschland im selben Jahr noch nicht öffentlichkeitsfähig.

Des Weiteren wird deutlich, dass es sich nicht etwa um einen türkischen Beißreflex gegenüber Kritik handelt, sondern um ein jahrzehntelang erfolgreich praktizierte wohlüberlegte Taktik zur immer wiederkehrenden Umkehr des Opfer-Täter-Verhältnisses, und kulpablisierenden Versuch der Mundtotmachung von Kritikern


…und immer wieder sind die Anderen schuld

Am Sonntag im Presseclub und am Mittwoch, den 15.10.2014 bei Anne Will (Sendung von 15.10.2014: http://daserste.ndr.de/annewill/videos/ ) nahm sich Ahmet Külahci nun also die Kurden vor. Ein Volk, das nach der Gründung der türkischen Republik wie kein zweites unter einer rigoros mit drakonischen Strafen durchgesetzten Einsprachenpolitik litt und hunderttausende Opfer durch Massaker an Zivilisten durch den türkischen Staat und dessen Paramilitärs wie der Hizbullah (hat außer dem Namen nichts mit der Organisation im Libanon zu tun) zu beklagen hat. Kühlaci sieht offensichtlich in ihnen Terroristen und propagiert dies in erschreckend offensiver und aggressiver Art und Weise. Die Gefahr von Massakern an Kurden und die Bedrohung durch den IS / ISIS sind für ihn allenfalls zweitrangig.


Auswirkungen solcher Auftritte und ähnliche Meinungen

In allen Kommentarbereichen lesen wir zur Zeit Kommentare türkischstämmiger Diskutanten, die gegen Kurden lospöbeln, das Verhalten ihrer Regierung bedingungslos unterstützen, teileweise mit IS / ISIS sympathisieren, und die bloße Berichterstattung deutscher Medien über die Lage in Kobanê als „Teil einer jüdischen Weltverschwörung“ bewerten.

Passend zum Verschwörung- und Dolchstoßlegendenwahn befeuert die türkische Zeitung Takvim Anfang der Woche, Deutsche Journalisten würden hinter den Protesten kurdischer Aktivisten und türkischer Intellektueller stecken.

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Titelseite der Zeitung Takvim spricht im Zusammenhang von den Demonstrationen für Kobanê von einer deutschen Verschwörung


Wäre Külahci Chinese und die Kurden Tibeter…

Wir halten also fest, Deutschlands Polittalkmaster geben einem Menschen eine Bühne, dessen Zeitung von „hässlichen Afrikanern“ titelt, und der selbst die Blaupause für die Shoah (Völkermord an den Juden durch die Nazis) als armenische Kollateralschäden, kurdische Terroristen und so seine Landsleute ermutigt weiter in den sozialen Netzwerken zu schreiben, die öffentliche Fokussierung auf Kobanê sei durch jüdische, deutscher oder andere Weltverschwörer gewollt.

Mögen die drei großen türkischen Parteien AKP (sunnitisch-konservativ) CHP (Kemalisten und Heimat von Ahmet Kühlaci) und MHP (von Hitlerfan Alparslan Türkes gegründete Rechtsradikale) sonst ihre Differenzen haben. Geht es um Kurden, Armenier, Assyrer / Aramäer oder Griechen, sind sie sich einig und das Handeln der zehntausende von fanatisierten Menschen, die Jahr für Jahr mit Sprechchören wie „Türkiye türklerindir“ (zu deutsch: Die Türkei den Türken) in ein rot-weißes Fahnenmeer gehüllt, am Nationalfeiertag durch die Städte des Landes ziehen, bekommt eine ganz andere Dimension.

Wie würde die Öffentlichkeit reagieren, wenn Vertreter der chinesischen Presse tibetanische Mönche, die sich aus Verzweiflung über die staatliche Unterdrückung selbst in Brand setzen, als öffentlich als Terroristen brandmarken würde? Würde sie sich nicht zu Recht empören? Wo bleibt dieser Aufschrei bei Wiederholungstäter Ahmet Kühlaci?

Wäre Külahci nicht selbst Migrant, würde wahrscheinlich keiner zögern, ihn einen lupenreinen Rassisten zu nennen, und auf Lebenszeit für öffentliche Auftritte in Deutschland zu ächten!

Ein Glück, dass mit Özlem Topçu von der Tageszeitung „Die Zeit“, eine ihm rhetorisch und argumentativ weit überlegene Journalistin ebenfalls bei Anne Will zu Gast war.

Hintergrund

Liste der gravierendsten Menschenrechtsverletzungen gegen Minderheiten seit Bestehen der türkischen Republik (kein Anspruch auf Vollständigkeit), die nach staatlich türkischer Version alle entweder gar nicht, ohne Schuld des Staates oder sogar durch die Schuld der Opfer stattgefunden haben sollen:

1930 Zilan-Massaker (http://de.wikipedia.org/wiki/Zilan-Massaker)

Thrakien-Progrom 1934 (http://de.wikipedia.org/wiki/Thrakien-Pogrom_1934)

Das Massaker von Dersim 1937 / 38 (http://www.bdaj.de/index.php?option=com_content&view=article&id=395:das-massaker-von-dersim-19371938&catid=61:aktuelles)

Progrom von Istanbul 1955 (http://kuepeli.blogsport.de/2010/12/09/ereignisse-vom-6-7-september-1955)

Überfall auf Zypern 1974 (http://www.mfa.gov.cy/mfa/embassies/berlinembassy.nsf/DMLcyquest_de/DMLcyquest_de?Opendocument)

Maraş-Massaker 1978 (http://www.youtube.com/watch?v=civn61aildA)

Massaker von Sivas 1993 (http://www.welt.de/politik/ausland/article117621279/Als-15-000-Islamisten-Jagd-auf-Aleviten-machten.html)

Das Massaker von Roboski 2011 (http://diefreiheitsliebe.de/politik/turkei-verubt-massaker-an-zivilbevolkerung/)

Kurmenistan News

NO PASARAN !

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Delil Dilanar – Qerîn

Türkei ruft Ausgangssperre aus und führt die internationale Koalition gegen den „IS“ vor

Ein Sprichwort lautet: „Die Intrigen der Osmanen sind unerschöpflich“. (Wörtlich: Die Spiele der Osmanen sind viele). Den Neo-Osmanen um T.R. Erdogan ist ein richtiger Coup gelungen. Ausgerechnet die Türkei, die verdächtigt werden muss, den „Islamische Stadt“ zu fördern und die sich anfangs beharrlich geweigert hat, sich der Koalition anzuschließen, ist ihr ausgerechnet dann beigetreten, als die Offensive auf Kobanê bereits begonnen hatte.
Heute ist klar, wozu diese ganze Maskerade dienen soll. Beobachter aus aller Welt schauen von der Grenze aus zu, wie der „IS“ gegen Kobanê vorrückt und in die Stadt eindringt. Der UNO Generalsekretär ruft zu sofortigem Handeln auf. Martin Schulz, Präsident des europäischen Parlaments, schließt sich dem an und auch Laurent Fabius, der Außenminister Frankreichs, betont die Dringlichkeit zu handeln.
Kurz, alle sehen die Notwendigkeit, sofort etwas zu unternehmen. Geografisch gesehen ist die von der Türkei kontrollierte Region die einzige Möglichkeit, um nach Kobanê vorzudringen. Die Türkei tut so, als würde sie kurz davor stehen, in Kobanê zu intervenieren. Mesud Barzani, Präsident der autonomen Kurdenregion im Irak (Süd-Kurdistan), der verstanden hat, dass nichts dergleichen geschehen wird, bat heute die Türkei, seine kurdischen Freiheitskämpfer, die Peschmergas, über das Staatsgebiet der TR nach Kobanê zu lassen. Doch der türkische Präsident und sein Anhang führten in der Vergangenheit nicht nur die Kurden an der Nase herum, sondern darüber hinaus auch die ganze Welt.
Heute hielt T. Erdogan unweit von Kobanê eine Rede, in der er seine Freude vor dem Fall von Kobanê kaum verbergen konnte. Diese Rede ließ er ins Arabische (nicht ins Kurdische) übersetzen. Er lässt es sich auf der Zunge zergehen, dass Kobanê bald fallen wird. Dieses politische Kalkül der Vernichtung der Kurden wird als Sorge und Betroffenheit politisch vermarktet und der Westen glaubt es. Was bei T. Erdogan ganz offensichtlich nur leere Parolen sind, die im Gegensatz zu seinen Taten stehen, erscheinen der Koalition dennoch glaubwürdig. Bittsteller stehen vor Erdogans Tür, doch die türkischen Panzer stehen an der Grenze still.
Während Erdogan davon spricht, in Syrien einzumarschieren, stellt er gleichzeitig seine erpresserischen Bedingungen an die Koalition. Die Koalition solle in Syrien gegen Asad intervenieren, während sie sich gerade einer dringlicheren Aufgabe gegenüber sieht. Dazu fordert er die Bewaffnung und Ausbildung „gemäßigter Kräfte“ (gemeint sind andere islamistische Gruppierungen, dieselben zu denen „IS“ gehört) die in der von ihm geforderten Pufferzone entlang der syrischen Grenze agieren sollen.
Aufgebrachte Kurden, die im Gegensatz zum „IS“ nicht über die Grenze gelassen werden, werden mit Tränengas auseinandergetrieben. Überall in der Türkei hingegen ist die Jagd auf Kurden eröffnet.
In bisher 7 kurdischen Städten wurde eine Ausgangssperre verhängt. Auf den Straßen zielen Polizisten mit scharfer Munition auf Kurden und schreien dabei den Schlachtruf des „IS“. In Varto wurde bereits ein 25-Jähriger Demonstrant von türkischen Polizisten erschossen. In Diyarbakir wurden zwei Kurden von Islamisten der Hisbollah erschossen. In den türkischen Städten lynchen Türken kurdische Demonstranten. Graue Wölfe und Islamisten erwarten mit Sehnsucht dieselben Verhältnisse wie in Kobanê. Ausgerechnet diese Türkei steht nun auf dem Papier an vorderster Front gegen den „IS“.
Wann werden Europa und die USA endlich aufwachen, und verstehen dass die Türkei nicht zu intervenieren gedenkt bis Kobanê gefallen ist? Die türkischen Panzer werden sich erst in Bewegung setzen, wenn Kobanê de facto gefallen sein wird. Dann gibt es nichts mehr zu intervenieren, sondern nur noch die Pufferzone einzurichten, in denen die Islamisten aus aller Welt angesiedelt werden sollen. Erdogan will nicht den „IS“ bekämpfen, sondern selbst der Kalif in der Region werden. Schließlich waren die Osmanen die letzten Kalifen.
Ein Bittsteller nach dem anderen präsentiert sich in der Türkei, zuerst Mesud Barzani, dann Muslim Salih, der Vorsitzende der PYD, dann der Außenminister Frankreichs, Laurent Fabius, um die Türkei zu bitten, zu intervenieren oder die Kurden intervenieren zu lassen. Die Kurden, die Kobanê flehen seit 14 Tagen die Koalition an, ihnen zur Hilfe zu kommen. Die Munition ihrer Handwaffen geht aus und die Stadt ist von der Wasserzufuhr und Stromversorgung abgeschnitten. Der Rest der Bevölkerung von Kobanê, die die Stadt zusammen mit den Widerstandskämpfern der PYD verteidigen, harren ohne jegliche Hilfe von außen aus.
Würde die Koalition nicht auf die Türkei zählen, stünde sie unter Zugzwang und hätte selbst intervenieren müssen. Die Türkei jedoch hilft nicht, sondern ruft durch ihr doppeltes Spiel den unmittelbar bevorstehenden Fall Kobanês herbei.
Die Türkei sieht wegen der Kurden gerade ihre Felle wegschwimmen. Wenn man das versteht, kann man ihre Handlungen im Voraus berechnen.
Amerikanische Think Tanks behaupten, dass Obama auf türkische Befindlichkeiten Rücksicht nähme und daher zwar den „IS“ bekämpfen wolle, jedoch ohne dass die Kurden damit gestärkt würden. Wenn es nur zwei Möglichkeiten gibt, dann muss man sich für die eine entscheiden. So einfach ist das. Sich nicht zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung.
Es ist wirklich ein Armutszeugnis für die westliche Politik, sich von einem T. Erdogan und der islamischen Allianz derartig vorführen zu lassen!

J.J.
München, 07.10.2014
Kurdische Gemeinde Bayern (V.i.G.)

Es lebe der Widerstand in Kobanê

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Der Kampf um Kobane




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