Archiv für Juli 2014

Med Graffiti

Interview mit Orsolo Casagrande (italienische Journalistin bei der Tageszeitung‚ „Il Manifesto“ in Amed mit der kurdischen Graffiti Gruppe ‚Med Graffiti’

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Med Graffiti

1. Ihr wählt Graffiti-Kunst um euch auszudrücken. Aus welchem Grund wählt Ihr diese Form der Kunst?


* Für die von den Machthabenden und der Regierung nicht als legal wahrgenommenen gesellschaftlichen Gruppen und Menschen gibt es begrenzte Möglichkeiten, um sich auszudrücken bzw. sichtbar zu machen. Wie Sie wissen, kann man heutzutage alle guten Regeln in eine Ecke schieben und die Augen vor den Ereignissen draußen verschließen und diese ausblenden oder über einen Bürgerkrieg nicht mehr nachdenken, während man vor dem neuesten Modell Fernseher auf der Couch sitzend noch die letzte Mühe aufbringt, um die Sendung zu wechseln. Wie Sie auch wissen, markieren manche Tiere mit Fäkalien und Kratzspuren ihr Revier, um zu signalisieren, dass es ihr Gebiet ist. Genau dann findet man sich plötzlich zwischen zwei Fronten, die sich gegenseitig eine Waffe entgegen halten. Erstere kämpft um die natürlich rechtliche Anerkennung und zweitere unterdrückt diese Forderung. Weil wir es können, hinterlassen wir mit Graffit-Kunst unsere Kratzspuren (in unserem Revier).

2. Was wusstet Ihr davor über Graffiti und Graffiti-KünsterInnen?


* In der Tat hatten wir ein Interesse an einer Form der Kunst, die sich auf die Verbildlichung ausrichtet. Während wir darüber nachdachten, sind wir Graffiti als Kunst begegnet. Ebenfalls haben wir über Graffiti-Kunst in theoretischer Hinsicht recherchiert. Interessiert haben uns Graffiti-KünstlerInnen, vor allem die Arbeiten von Banksy haben uns sehr motiviert. Im Bezug auf die politischen, ökologischen etc. Probleme der Menschen und der Gesellschaft haben wir in Graffiti eine starke Ausdruckskraft gesehen.

3. Ihr seid eine Gruppe, die auf hohes Interesse stößt? Wie integriert Ihr interessierte junge Menschen in Eure Gruppe?


* Da wir in Kurdistan die erste politische Graffiti Gruppe sind, wachsen wir langsam. Aufgrund der sozioökonomischen Realität der wir unterworfen sind, können wir nicht ausreichend an unserer Kunst arbeiten. Ganz gleich wo auf der Welt, würden wir gerne überall mit Graffiti-KünstlerInnen mit Herz für Revolution und Freiheit zusammenarbeiten wollen und sie in unsere Gruppe einladen.

4. Trotz der Konsequenzen, die folgen könnten, zeigt Ihr durch diese Kunstform, dass die Stadt Euch gehört. Was bedeutet Graffiti auf den Wänden von Amed für Euch?

* Die Stadt Amed spielt aufgrund von politischen und sozialen Faktoren eine große Rolle, deshalb hat sie als Großstadt eine bedeutende Stellung. Natürlich gibt es keine Realität, die nicht von Klassenunterschieden, kapitalistischen und imperialistischen Strukturen beeinflusst wird. Neben diesen Bedingungen, die die Verhältnisse erschweren, ist es umso wichtiger, die Kunst gegen die Ungerechten einzusetzen und die ungerecht Behandelten mit dieser zu rechtfertigen. Da wir Pioniere auf diesem Weg sind, müssen wir natürlich annehmen, mit Schwierigkeiten konfrontiert zu werden. Als die erste politische Graffiti Gruppe in Kurdistan hat es für uns eine große Bedeutung, die Wände von Amed mit unserer Kunst zu markieren.

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5. Wo liegt der Schwerpunkt in Eurer konzeptionell politisch-sozial gestalteten Graffiti-Kunst?

* Industrialisierung und die modernen Erfindungen führen dazu, dass wir unseren Verstand dahingehend nutzen, um die Menschen zu zerstören. Gesellschaftliche Probleme vermehren sich von Tag zu Tag zuungunsten der Unterdrückten. Die Natur, die Tiere, menschliche Beziehungen werden aufgrund der vorherrschenden Konsumlogik zerstört und gehen verloren. Genau in diesem Moment kommen wir ins Spiel. Diese Faktoren, auf die wir uns konzentrieren, sind der Auslöser für uns. Natürlich kommt der politische Aspekt hinzu. Als Gruppe positionieren wir uns auf der Seite der kurdischen Befreiungsbewegung. Neben Kurdistan, die für uns primär ist, verfolgen und solidarisieren wir uns mit revolutionären Kämpfen in anderen Ländern.

6. Gibt es Werke von Euch, die Ihr den betroffenen (kurdischen) Kindern in den Gefängnissen widmet? Was sind Eure Gedanken dazu? Was bedeutet es für Amed in den jetzigen Zeiten jung zu sein?

* Wir haben Werke, die die betroffenen (kurdischen) Kinder in den Gefängnissen thematisieren. Insbesondere versuchen wir (in unserer Kunst) betroffene (kurdische) Kinder in den Vordergrund zu rücken, die aufgrund der Begründung “Steinewerfen” (in den Demonstrationen) mit Hilfe des Anti-Terror-Gesetzes verurteilt werden. In Amed wird jede Protestform und Bestrebung sich selbst auszudrücken von Regierungsstellen im Keim erstickt. Beschimpfungen, Gewalt, sexuelle Belästigungen – jegliche Erniedrigungsformen sind hier an der Tagesordnung. Jeden Tag gibt es Gefängnisunruhen, jedoch werden diese Ereignisse seitens der Pro-Regierungsmedien nicht thematisiert. Sowohl national als auch international sollten unserer Meinung nach diese Probleme mehr Platz in der Öffentlichkeit bekommen. Hierfür brauchen wir natürlich die organisierte Macht der Medien. Wir werden unseren Kampf bis zum Ende fortsetzen, solange nicht nur die Geschichten der Machthabenden (Löwen) sondern die der Unterdrückten (Gazellen) erzählt werden.

7. Welchen Platz hat Musik in Euren Werken? Was für Musik hört Ihr?

* Wir versuchen unseren Fokus in der (Graffiti) Kunst auf bildliche Elemente zu legen. Noten und Audio-Elemente haben in der Graffiti Kunst neben den Zeichenelementen eine bedeutende Stellung, deshalb versuchen wir auch die Musik in unsere Arbeit zu integrieren. In unserer Gruppe haben wir einen vielfältigen Musikgeschmack. Es gibt Leute, die angefangen bei der traditionell kurdischen Musikrichtung Dengbêj, Keny Arkana, System of a Down und Azad hören. Weiterhin sollte der bekannte kurdische Rapper und Künstler Serhado, der in der kurdischen Jugend sehr bekannt ist, nicht unerwähnt bleiben. Serhado, ist unsere Inspirationsquelle. Er ist der beste Künstler, da er unsere Empfindungen in unserer (kurdischen) Sprache in einem Stil, den wir sehr mögen, ausdrücken kann.

Dengbêj: (kurdisch) ein professioneller Volksliedsänger, der nach einer alten epischen Tradition weltliche Lieder ohne instrumentelle Begleitung vorträgt.

Keny Arkana: ist eine französische Rapperin aus Marseille. Ihre Texte sind sehr politisch, so bezieht sie klar Stellung gegen Kapitalismus, Faschismus und Globalisierung.

System of a Down: (abgekürzt SoaD) ist eine 1995 in Kalifornien gegründete Alternative-Metal-Band, die verschiedene Musikgenres miteinander verbindet. Alle Bandmitglieder sind armenischer Herkunft.

Azad: ist ein deutscher Rapper kurdischer Abstammung.

Serhado: kurdischer Rapper


8. Graffiti-Kunst und Hip-Hop-Musik sind sehr eng miteinander verbunden. Wie ist es in Amed?

* In Amed ist die Zahl der Graffiti-KünstlerInnen sehr begrenzt. Die, die mit uns Graffiti machen, sind in anderen Bereichen ebenfalls tätig. Als Pioniere entwickelt sich (unser Vorhaben) langsam für uns – es braucht länger Zeit. Eine explizite Hip-Hop- und Straßenmusik hat sich in Amed noch nicht entwickelt. Jedoch werden wir von Tag zu Tag immer mehr.

Med Graffiti

Interview made by Orsolo Casagrande (italian journalist at the daily newspaper “Il Manifesto”) in Amed with the Kurdish graffiti group “Med Graffiti”.

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Med Graffiti

1. You choose graffiti art to express yourself. What were your reasons for choosing this particular form of art?

* For those who are not being acknowledged by those in power as legal society groups exist limited opportunities to express themselves and to make themselves visible. As you know, nowadays it is easy to push all the good rules in a corner and close your eyes to injustices happening outside your door or to not think about the civil war (tearing your country apart) while sitting on the couch switching the channels of your latest television model. As you also know, some animals mark their territory with faeces and scratch marks. Oppressed groups mark their land and suddenly they find themselves on the opposing side to the government. On one side is the revolutionary resistance front, and on the other side is a technological armed army or the government and state bodies. The first ones fight for a basic legal recognition and the second side continuous to suppress this claim. Because we can, we leave graffiti “scratch marks” in our area.


2. What did you know before about graffiti and graffiti artists?


* In fact, we were interested in an art that focuses on visualization. So, we came across graffiti. We have also researched graffiti art in theoretical terms. Especially the works of Banksy motivated us. In terms of the political, ecological, etc. problems of people and society we see a strong expressive power in graffiti.

3. Are you one group that sparks a lot of interest? How do you integrate these young people in your group?


* Because we are, the first political graffiti group in Kurdistan we are growing slowly. Due to the socio-economic reality which we are subjected to, we can not adequately work on our . We would like to work with graffiti artists from all over the world with a heart for revolution and freedom, and invite them to our group.

4. In spite of the consequences that could follow, you show through this art form that the city is yours. What is graffiti on the walls of Amed for you?


* Due to political and social factors the city of Amed plays a major role. That’s why this big city has a significant place in this area. Of course there is no reality that is not influenced by class divisions, capitalist and imperialist structures. In addition to these conditions, which complicate the situation, it is even more important to use the art against injustice and the inequality. Because we are pioneers, we have to assume, of course, to be confronted with difficulties. As the first political graffiti group in Kurdistan it is very important for us to mark the walls of Amed with our art.

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5. Where is the emphasis in your conceptual political-social Graffi-Art?


* Industrialization and the modern inventions lead us to use our minds destroy human kind. Social problems proliferate from day to day to the disadvantage of the oppressed. Nature, animals, human relationships are being destroyed and vanish due to the dominance of consumer logic. At this very moment we come into play. These factors, which we are focusing on are the catalyst for us. Of course, the political aspect is added. As a group we are positioning ourselves on the side of the Kurdish liberation movement. In addition to Kurdistan, which is primary for us we show our solidarity with the revolutionary struggles in other countries.


6. Are there any works of you that are dedicated to the affected (Kurdish) children in prisons? What are your thoughts on this? What does it mean in the current times to be young in Amed?

* We have works that deal with the affected (Kurdish) children in prisons. In particular, (in our art) we try to move affected (Kurdish) children into the foreground, who are for example condemned for „throwing stones“ (in the protests) with the help of the Anti-Terror Law. In Amed any form of protest and attempt will find itself choked by government agencies in the bud. Abuse, violence, sexual harassment – any degradation are approved agenda. Every day there are prison riots, but these events are not discussed by the pro-government media. Both nationally and internationally these problems should receive more public attention. For this we need the organized power of the media. We will continue our fight until the end, as long as not only the stories of those in power (lion) but those of the Oppressed (Gazellel) are told.

7. What place does music in your works have? What kind of music are you listening to?


* In our graffitis we try to place the pictorial elements in the foreground. Notes and audio elements have an important position in the graffitis alongside the drawn elements, so we try to integrate the music into our work. In our group we have various tastes in music. There are people who listen to the Dengbêj, the traditional Kurdish music genre, Keny Arkana, System of a Down and Azad. Furthermore, the famous Kurdish rapper and artist Serhado, who is especially known among the Kurdish youth, should not go unmentioned. Serhado, you can say is our source of inspiration. He is the best artist because he succeeds in expressing our feelings in our (Kurdish) mother language in a style that we like very much.

Dengbêj: (Kurdish) is a professional folk song vocalist who performs secular songs without instrumental accompaniment which is an ancient tradition in Kurdistan.

Keny Arkana: is a French rapper from Marseille. Her lyrics are political, she takes a clear position against capitalism, fascism and globalization.

System of a Down: (abbreviated SoaD) was founded in 1995 in California. They are an alternative metal band that combine different musical genres. All band members are of Armenian descent.

Azad: is a German rapper of Kurdish origin.

Serhado: Kurdish rapper


8. Graffiti art and hip-hop music are very closely linked. How is it in Amed?

* In Amed, the number of graffiti artists are limited. Those who do graffiti with us are also active in other areas. As we are pioneers our projects develop slowly. An explicit hip-hop and street music scene has not yet developed in Amed. But we are evolving day by day.

Der lange Arm des Imam – Das Netzwerk des Fethullah Gülen

aus der Reihe „die story“

Seine Anhänger finden sich auch in deutschen Firmen, Verlagen und TV-Stationen, es gibt ihm nahestehende Unternehmerverbände und Verbindungen in die türkische Politik: Der türkische Prediger Fethullah Gülen arbeitet erfolgreich an seinem Ruf als großer islamischer „Reformator“ – weltweit. In mehr als 140 Ländern soll seine Bewegung inzwischen Schulen gegründet haben. Zwei Dutzend sollen es allein in Deutschland sein. Hinzu kommen etwa 150 Nachhilfezentren. Die Bewegung ist in den deutsch-türkischen Gemeinden zu einer wichtigen Kraft geworden – nahezu unbemerkt vom Rest der Gesellschaft.

Produziert in HD

WDR : Montag, 15. April 2013, 22:00 – 22:45 (45 min.)

Quelle: WDR

Manipulation auf leisen Sohlen – Gülen Bewegung

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Warum die Gülen-Bewegung für unsere Demokratie gefährlicher ist als die Salafisten

Wesentlicher Bestandteil unserer offenen Gesellschaft und Demokratie sind freie Medien, freie Presse. Die Pressefreiheit hat nicht nur Verfassungsrang, sondern kann auch, wenn schon nicht Garant, so doch als Weg zur Wahrheitsfindung gar nicht überschätzt werden. Gruppierungen, die offen oder verdeckt diese Pressefreiheit nicht nur in Frage stellen, sondern auch bedrohen, kann man mit aller Berechtigung Feinde einer freien und offenen Gesellschaft nennen. Islamisten aller Couleur sind Gegner einer freien Presse. Kritische Berichterstattung ist ihnen ein Dorn im Auge, die Gegenmaßnahmen reichen von Anwaltsschreiben bei legalistischen Gruppen bis hin zu offenen Gewaltaufrufen gegen Journalisten durch jihadistische Sympathisanten. Bei offenen Gewaltandrohungen ist der gesellschaftliche Konsens sicher. Das Vorgehen legalistischer Gruppierungen wird hingegen meist erst gar nicht breiter bekannt. Sogar andere Journalisten scheinen sich oftmals zu scheuen, die Schikanen, denen auch seriös und wahrheitsgemäß berichtende Medienschaffende ausgesetzt sind, zu thematisieren. An einer Aufklärung der Inhalte selber sind sie erst recht nicht mehr interessiert: Die Kollegin, der Kollege dienen nur noch als abschreckende Beispiele, wie es einem ergehen kann, wenn man um die Berichterstattung über bestimmte Gruppen keinen großen Bogen macht oder sich gleich ganz gut mit ihnen stellt. Wenn bestimmte wahrheitsgemäße Inhalte nicht mehr berichtet werden, wenn auch nicht mehr berichtet werden kann, warum sie nicht mehr öffentlich werden können, dann kommt der Tod der Pressefreiheit auf ganz, ganz leisen Sohlen.

Eine dieser legalistisch operierenden Gruppierungen ist die Gülen-Bewegung

Die Gülen-Bewegung stammt aus der Türkei und geht auf den Prediger Fethullah Gülen zurück. Gülen lässt wechselnde Statements verbreiten, die auch nach Nützlichkeit und Zielgruppe wechseln. Mal angeblich demokratiefreundlich und egalitär, mal – zur Bewegung hin – streng sich auf den Koran berufend. Nach außen hin tritt die Bewegung bildungsorientiert und im Eigenmarketing apolitisch auf. Dass dies jedoch ein bewusst hervorgerufener Fehleindruck ist, dass sehr gezielt die politische und mediale Einflussnahme gesucht wird, zeigt sich nicht nur beim Blick in die Türkei. Der Gründer paktiert seit Jahrzehnten mit wechselnden türkischen Machthabern und regt seine Anhänger an, sie sollten unauffällig den Marsch durch die Institutionen antreten. In der Türkei haben sie das bereits und sind zu einem Machtfaktor geworden. Nach dem Zerwürfnis mit Erdogan in 2013, mit dem man lange gemeinsame Sache machte, ist Deutschland mit der hohen Zahl potentieller und auch realer Anhänger ein, wenn nicht der wichtigste Brückenkopf Gülens geworden.
Das liegt nicht nur an den strategisch verteilten Nachhilfeinstituten und Schulen, die oft unter Verdeckung des Gülen-Bezugs arbeiten, und der Einbindung fehlgeleiteter, weil fehlinformierter Politiker. Das liegt auch an der eigenen Medienmacht, die man nicht nur über den hauseigenen Medienkonzern ausübt, sondern auch die Infiltration der Medienlandschaft mit ausschließlich genehmen Positionen versucht. Breit werden strategisch ausgewählte Medienschaffende eingeladen, nach Art des „love bombing“ der Mun-Sekte mit Freundlichkeit geradezu ertränkt, um Zweifel an den Zielen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Wer so freundlich auftritt, kann doch nur ein guter Mensch sein und guter Demokrat. Auf diese Weise wurden schon Journalisten vom Spiegel, Vorsitzende von Landesmedienanstalten geladen, stellvertretende Intendanten und andere hochrangige Medienschaffende.

Zuckerbrot und Peitsche

Das ist das Zuckerbrot. Die Peitsche kommt, wenn kritisch berichtet wird. Dann kommen erst böse und ehrverletzende Kommentare im hauseigenen Deutsch-Türkischen Journal (dtj), dann Anwaltsschreiben und zuletzt Klagen. Die Kritiker, vor allem aber ihre Verbreitungsmedien, sollen eingeschüchtert, mürbe gemacht und klein gekriegt werden. Diese Vorgehensweise ist klassisch zur Zeit in Leipzig zu beobachten. Der MDR wird verklagt, obwohl er nach eigener, gerichtsfester Prüfung wahrheitsgemäß berichtete. Der Justiziar des MDR nahm trotzdem – angeblich eigenverantwortlich, was nach Rundfunkrecht so wie dargelegt gar nicht statthaft ist – den Beitrag aus dem Angebot. Wegen eines weiteren Beitrages, der wohl auf Protest der beteiligten Redaktion hin zustande kam, läuft die gerichtliche Auseinandersetzung noch. Die örtlichen Printmedien scheinen an den Hintergründen jedoch nicht breiter interessiert. Zumindest findet sich niemand, der da mal recherchieren will, weshalb der Leipziger SPD-Vorsitzende einen Stellvertreterkrieg ausficht, der für den Stadtverband nicht nur teuer, sondern auch rufschädigend ist. Parteieigene Verfahren haben versagt.
Man kann nur inständig hoffen, dass andere öffentlich rechtliche Medien sich ihrer Verantwortung bewusster sind als dieser in vorauseilendem Gehorsam tätige Justiziar des MDR. Wer, wenn nicht die öffentlich rechtlichen Medien, sollte das – überschaubare – Prozessrisiko für wahrheitsgemäße Berichterstattung tragen? Die Gülen-Bewegung hat bislang fast alle Verfahren vollumfänglich verloren. Was riskiert man also? Doch nur ein wenig Ärger und Arbeitszeit der juristischen Abteilung. Die aber sollte nicht nur dazu da sein, Prozesse abzuwenden, sondern auch dazu, sie auszufechten, wenn es die eigene Rolle dringend erfordert – und unser Gemeinwesen. Dafür zahlen wir auch unsere Gebühren, dass die Pressefreiheit hoch gehalten wird und nicht Spielball von Interessengruppen oder hauseigenen Bequemlichkeiten wird.

Leipzig ist überall

Auch wenn der Leipziger Fall stärker öffentlich bekannt sein könnte als andere und vielleicht auch ist, so ist dies kein Einzelfall. Gegen den Film „Der lange Arm des Imam“ wurde ebenfalls geklagt. Die Gülen-Bewegung verlor. Es gibt weitere Fälle, in denen beim Arbeitgeber angeschwärzt wurde, wie sogar im Gülenblatt dtj zugegeben. Medien, die sich sogar mit Weltkonzernen anlegen, werden schmallippig, wenn es um die Gülen-Bewegung geht. Bei keiner anderen Gruppierung, deren Beobachtung sogar vom Verfassungsschutz geprüft wird, ist eine solche Schweigespirale auch nur vorstellbar. Eine solche Haltung kennt man eigentlich nur aus anderen Ländern, wenn es z.B. um Scientology geht – oder die Mafia.

Too big to fail?

st die Gülen-Bewegung also schon zu mächtig? Nein, das ist sie nicht. Es ist der Popanz, den sie aufbaut und der ängstliche Gemüter und auch Profiteure beeindruckt. Krämerseelen, die den Popanz an sich lieben, und real Profitierende wie Dozenten, Wirtschaftsanwälte und andere, die vom größer als real aufgeblasenen Kuchen ein Stück abhaben wollen. Gier und Angst sind jedoch auch hier schlechte Ratgeber. Wenn man genau hinschaut, ist es vor allem jämmerliche Feigheit, die diese durchaus beachtlichen Effekte hervorruft. Denn wenn man genau hinschaut ist bislang kein Fall bekannt geworden, dass die Gülen-Bewegung jemanden hierzulande physisch ernstlich bedroht hätte. Wir haben den Rechtsstaat hinter uns. Sozialer Tod für Anhänger, die aussteigen wollen, ja. Wirtschaftlicher Ruin für Kritiker, ja, auch das wird angestrebt. Aber es ist kein Killer-Kommando zu befürchten, und wenn man sich den Anbiederungen der Bewegung versagt, passiert auch nichts jenseits des Umstandes, dass man am nächsten Morgen in den Spiegel schauen kann. Oder sein Geld auf bessere Weise verdienen muss.

Was die Gülen-Bewegung allerdings gefährlich macht, gefährlicher als die Salafisten, ist, dass sie diese Saat der Feigheit in die Mitte der Gesellschaft trägt. Wenn Presse- und Meinungsfreiheit Schaden nehmen durch einen solchen Popanz. Dass sie bewirkt, dass Menschen einknicken, dass nicht mehr kritisch berichtet wird, dass Menschen aus Angst um ihre berufliche Zukunft verstummen. Dass nicht mehr gesagt werden kann, was ist.

Von Sigrid Herrmann-Marschall


BOXVOGEL

ES LEBE YPG- YPJ / BIJI YPG-YPJ

RIHA/ Nordkurdistan

Während der Solidaritätsfeier für Kobane mit aufgeschlagenen Widerstandszelten in Riha (Urfa) sind ungefähr 300 Leute über die Grenze nach Rojava gegangen, um sich dort der YPG und YPJ anzuschließen.

AMED / 17.07.2014

In Amed gibt es starke Gefechte zwischen der gegen ISIS-Terroristen demonstrierenden YDG Jugend auf der einen Seite und der türkischen Polizei und Hizbullah auf der anderen Seite.

YPG gegen die ISIS-Terroristen in Kobane

Setzt ISIS bei Angriffen auf Kobanê chemische Waffen ein?

Der Sprecher der Volksverteidigungseinheiten (YPG) Rêdûr Xelîl hat über die Homepage der YPG erklärt, dass ISIS bei ihren Angriffen auf Kobanê wohlmöglich
chemische Waffen eingesetzt hat. Xelîl rief internationale Organisationen und Menschenrechtsvereine dazu auf, den Fall vor Ort zu untersuchen.
In der Erklärung des YPG-Sprechers heißt es unter anderem:
„Seit einiger Zeit ist der Kanton Kobanê brutalen Angriffen der terroristischen Organisation ISIS ausgesetzt. Bei diesen Angriffen setzen die Banden der
ISIS verschiedene schwere Waffen ein, darunter auch amerikanische Thermalraketen. Zudem hat das Gesundheitspersonal des Kantons Kobanê bei einer ersten
Untersuchung von verletzten und getöteten YPG-KämpferInnen den Verdacht vom Einsatz chemischer Waffen festgestellt. Die Ärzte haben an Leichnamen Spuren
von Verbrennungen und weißen Flecken ausgemacht.”
Xelîl macht in der Erklärung darauf aufmerksam, dass dem Gesundheitsteam in Kobanê das nötige Equipment für die abschließende Untersuchung für die Frage,
ob chemische Waffen eingesetzt worden sind, fehlt. Aus diesem Grund werden in der Erklärung internationale Organisationen dazu aufgerufen, in Kobanê diesen
Verdacht zu überprüfen.
Ein Gesundheitsteam in Kobanê hatte am 8. Juli erklärt, dass auf den Leichnamen von zwei YPG-Kämpfern möglicherweise Spuren des Einsatzes von chemischen
Waffen ausfindig gemacht worden sind.

ISKU

KCK warnt Türkei vor Unterstützung von ISIS

„Lösungsprozess und Unterstützung der ISIS kann nicht gleichzeitig laufen“

In einer schriftlichen Erklärung richteten die Kovorsitzenden der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans KCK warnende Worte an die AKP-Regierung und erklärten, dass der Lösungsprozess in Nordkurdistan nicht anhalten kann, wenn zeitgleich die ISIS im Kampf gegen Rojava unterstützt wird.

Die KCK macht in seiner Erklärung darauf aufmerksam, dass die Türkei die Grenzübergänge für Kämpfer der ISIS öffne, damit diese ihre Angriffe auf Kobanê durchführen kann. „Dahinter steckt ein schmutziger und gefährlicher Plan. Die AKP und ISIS haben eine Einigung getroffen. Die Einnahme von Kobanê und die Vernichtung der Rojava-Revolution ist eine gemeinsame Strategie beider. Mit dieser Übereinkunft versucht die türkische Regierung auch die Mitarbeiter in Mossul freizubekommen“, heißt es in der Erklärung.

In der Erklärung ruft die KCK zum gemeinsamen grenzübergreifenden Widerstand aller KurdInnen für Rojava auf. Gegen die Angriffe auf Kobanê dürfe heute niemand schweigen. Die KCK rief die kurdische Bevölkerung in Nordkurdistan dazu auf, den Widerstand von Kobanê zu unterstützen und die grenzübergreifende Unterstützung von ISIS durch die türkische Regierung zu unterbinden.

Weiter heißt es in der KCK-Erklärung:

„Die Revolution von Rojava ist eine Revolution ganz Kurdistans. Der Angriff auf Kobanê ist ein Angriff auf das Herz Kurdistans. Die notwendige Antwort aller vier Teile Kurdistans und der kurdischen Diaspora ist, eigenverantwortlich am Widerstand in Kobanê mitzuwirken. Der Widerstand von Kobanê steht für die Ehre des kurdischen Volkes, das sich niemals der Tyrannei beugen wird und bis zum Schluss standhalten wird. Der türkische Staat muss seine Unterstützung für ISIS sofort beenden. Die AKP und ISIS verfolgen eine gemeinsame Strategie, um Kobanê einzunehmen und die Rojava-Revolution zu erdrosseln. Das kurdische Volk muss sich darüber im Klaren sein, dass eines der Ziele dieses Plans die Freilassung der von ISIS entführten türkischen Konsulatsmitarbeiter in Mossul ist. Der AKP-Staat ermutigt die ISIS-Banden ganz offen, Rojava vor den Augen unseres Volkes in Riha (Urfa), Serê Kaniyê (Ceylanpınar), Bêrecûg (Birecik) und Pîrsûs (Suruç) anzugreifen. Wie können junge KurdInnen davor die Augen verschließen? Alle müssen gegen die AKP mobilisieren. Der Lösungsprozess in Nordkurdistan und die türkische Unterstützung von ISIS in Rojava können nicht nebeneinander existieren. Entweder der AKP-Staat unterstützt ISIS oder er handelt im Geiste des Lösungsprozesses. Andernfalls ist es unausweichlich, dass die Revolutionen im Norden und in Rojava eins werden und nicht mehr aufzuhalten sind.“

ISKU




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