USA verweigern dem Soziologen Ismail Besikci die Einreise

Unterstützung für Protest von Kurden und Türken in Istanbul: Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert US-Einreiseverbot für türkischen Kurden-Experten

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Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) unterstützt die für den heutigen Montag (28.4.) geplanten Gespräche im amerikanischen Konsulat in Istanbul, bei denen Türken und Kurden gegen ein überraschend verhängtes US-Einreiseverbot für den türkischen Kurden-Experten und Soziologen Ismail Besikci protestieren wollen. „Besikci die Einreise in die USA zu verweigern, ist offenbar ein skandalöser Versuch, die objektive Stimme eines Wissenschaftlers für die Kurden in der Türkei zum Schweigen zu bringen“, kritisierte der Nahostreferent der in Göttingen ansässigen internationalen Menschenrechtsorganisation, Kamal Sido.

Auf Einladung der Kurdish American Society (KAS) sollte Besikci auf zwei Konferenzen in New York sowie in Washington D.C. über die Lage der Kurden und anderer Minderheiten in der Türkei berichten. In Deutschland wird Besikci vom 26. bis 31. Mai erwartet. Die GfbV hat ihn gemeinsam mit der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD) sowie dem Bonner Zentrum für Kurdische Studien – NAVEND zu Gesprächen und Vorträgen eingeladen.

Besikci und seinem Begleiter Ibrahim Gurbuz, dem Leiter der Ismail-Besikci-Stiftung, ist erst bei der Passkontrolle am Istanbuler Atatürk-Flughafen am vergangenen Sonntag mitgeteilt worden, dass die Behörden in Washington sie nicht in die USA einreisen lassen wollen. Das amerikanische Konsulat in Istanbul hatte den beiden zuvor ein gültiges Visum ausgestellt. Aus Protest gegen das Einreiseverbot und um Aufklärung zu fordern, hat die Ismail-Besikci-Stiftung zu der Mahnwache in Istanbul aufgerufen.

Der Türke Ismail Besikci ist Soziologe und beschäftigt sich als Wissenschaftler mit der Lage der 15 Millionen Kurden in der Türkei. Deshalb wurde er dort viele Male inhaftiert und misshandelt. Wegen seiner kritischen Veröffentlichungen über die Verfolgung und Diskriminierung der Kurden wurde Besikci in den vergangenen vier Jahrzehnten zu insgesamt 100 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von zehn Milliarden Lira (rund 5,1 Milliarden Euro) verurteilt. Acht Mal musste er eine Strafe tatsächlich antreten. Deshalb hat er insgesamt 17 Jahre in türkischen Gefängnissen verbringen müssen. Ihm war u.a. die „Gründung einer geheimen Ein-Mann-Organisation“ vorgeworfen worden. 32 seiner 36 Bücher, die sich nicht nur der kurdischen Frage, sondern auch der Verfolgung der religiösen Minderheiten der Aleviten, Yeziden oder der armenischen, der syrisch- und griechisch-orthodoxen Christen widmen, waren oder sind in der Türkei verboten.

Berlin/Göttingen, 28. April 2014

Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)





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