Polizei nimmt Dutzende Demonstranten fest

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In der Türkei flammen die Proteste wieder auf: Tausende gingen in Istanbul und anderen Städten auf die Straße, Steine flogen. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfern. Eine türkische Zeitung berichtet von Dutzenden Festnahmen.

Istanbul – Wieder stehen sich in türkischen Städten Demonstranten und Polizei gegenüber: Weil ein Junge, der durch Polizeigewalt seit neun Monaten im Koma lag, am Dienstag starb, gehen die Menschen wieder auf die Straße. Dabei ist es in der Nacht zum Mittwoch offenbar zu Festnahmen gekommen: Bei Einsätzen gegen Demonstranten habe die Polizei erneut Dutzende Menschen festgenommen, meldet die türkische Tageszeitung „Radikal“.

In Istanbul hätten Beamte in der Nacht zum Mittwoch elf Demonstranten, in der Stadt Samsun 20 Protestierer in Gewahrsam genommen. Aus mehreren weiteren Städten sei eine größere Zahl von Festnahmen bekannt, meldet das Blatt.

Berkin Elvan starb nach 269 Tagen im Koma

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Der Junge, dessen Tod der Auslöser der Demonstrationen ist, war im Juni vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt der Protestwelle im Gezi-Park von einem Tränengasgeschoss der Polizei am Kopf getroffen worden. Und wieder setzte die Polizei gegen die etwa tausend Protestierenden vor dem Istanbuler Krankenhaus am Dienstag Tränengas und Wasserwerfer ein. In dem Hospital war der Junge Berkin Elvan nach 269 Tagen im Koma gestorben. Protestierende warfen Steine auf einen Polizeibus und entwendeten Helme und Schilde.

Nach der Nachricht vom Tod des Jungen, dessen Schicksal in der Türkei zu einem Symbol für das harte Vorgehen der Polizei gegen die Proteste geworden ist, gab es Demonstrationen in zahlreichen weiteren Städten. In Ankara ging die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern gegen rund tausend Studierende vor der Technischen Universität vor, die mit Fotos des toten Berkin in den Händen eine wichtige Verkehrsader blockierten.

Auf einem zentralen Platz der Hauptstadt versammelten sich weitere Hunderte Demonstranten. Augenzeugen berichteten von mehreren Verletzten in Ankara. Aus Istanbul wurde mindestens ein Verletzter gemeldet.

Berkin Elvan ist das achte Todesopfer der landesweiten Massenproteste gegen die Regierung, unter ihnen ist auch ein Polizist. Zudem wurden bei den Demonstrationen mehr als 8000 Menschen verletzt. Die Wut der Demonstranten hatte sich an einem staatlichen Bauprojekt im zentralen Gezi-Park in Istanbul entzündet, sich dann aber insgesamt gegen die Regierung von Reccep Tayyip Erdogan gewendet.

Der Spiegel





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