Rojava: Vergewaltigungen legitimiert durch „stündliche Eheschließung“

Immer wieder vergewaltigen Mitglieder islamistischer Gruppen in Rojava kurdische Frauen. Um das aus ihrer islamischen Sicht zu legitimieren, zwingen sie vorher die Frauen zu einer “stündlichen Eheschließung”. Dies berichteten Kurdinnen aus Rojava, die in die Türkei geflohen sind, in Gesprächen mit dem BBC Türk Journalisten Rengin Arslan. Wir geben im Folgenden Ausschnitte aus der Reportage von Arslan wieder:

Fehime ist vor 10 Monaten aus Rojava in die Türkei nach Ceylanpinar geflohen. Sie hat sich Anfang November aufgrund der Bombardierungen des Regimes für diese Flucht entschieden. Zunächst hat sie ihre vier Kinder mit einer Familie in die Türkei geschickt. Vier bis fünf Tage später ist sie auch gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Ceylanpinar geflohen. Sie zeigt auf ihr jetzt zweijähriges Kind Pervin und sagt, dass sie zu jener Zeit Pervin noch gestillt hatte.

Sie fängt an zu erzählen und sagt, dass zunächst die Flieger des Regimes kamen und anschließend die bewaffneten Banden. Auf meine Frage hin erklärt sie, dass sie mit den Banden die Al Nusra Front aber auch Gruppen, die zur Freien Syrischen Armee gehören, meint.

Als Fehime und ihre Familie die Grenze zur Türkei überquerten, befanden sich schon bereits rund 10.000 Flüchtlinge aus Syrien in der Türkei. Fehime sagt immer wieder, dass sie in ihre Heimat zurückkehren will. Aber aufgrund der bewaffneten Auseinandersetzung in Til Halef ist das derzeit nicht möglich.

Sie erzählt, wie sich die Situation in Rojava nach der Niederlage der Regimekräfte verändert hat. “Die Kräfte der Freien Syrischen Armee sagten, als die Regimekräfte noch in Rojava präsent waren, dass sie mit einer Revolution Demokratie ins Land bringen wollen. Nachdem die Regimekräfte aus Rojava weg waren, war unsere Heimat auf einmal das Ziel der FSA. Ihre Ansichten veränderten sich. Wir verstehen nicht, was die Gruppen, die zur FSA gehören, wollen.”

Fehime glaubt, dass die FSA das Verhältnis zwischen den KurdInnen und den AraberInnen zerstören will. “Auch das Regime hatte solche Pläne, ist aber damit gescheitert. Die arabischen und kurdischen Familien hatten noch nicht einmal Probleme damit, dass ihre Kinder miteinander heirateten.”

Jetzt hat Fehime noch einen Bruder und eine Schwester in Rojava. Beide lebten zuvor in Damaskus, flohen aber mit Beginn des Bürgerkrieges in die kurdischen Gebiete. Jetzt telefoniert Fehime jeden Morgen mit ihren Geschwistern. “Sie leben dort allerdings unter ständiger Gefahr. Die Al Nusra Front stellt eine große Gefahr für die Region dar. Sie leben unter erbärmlichen Umständen.” Fehime erklärt, dass sowohl die Angriffe als auch das Embargo auf die Region das Leben sehr erschweren.

Vergewaltigungen durch stündliche Eheschließung

Ich frage Fehime nach der Situation der Frauen. Wie war die Situation zu Zeiten des Regimes? Wie ist ihre Lage jetzt?

Sie sagt, dass die Situation der Frauen zu Zeiten des Regimes besser war. Dann geht sie breit darauf ein, wie sich die Situation jetzt darstellt…

“Als ich beispielsweise zu Zeiten des Regimes nach Aleppo reisen wollte, waren in jeden Minibus mindestens drei oder vier Leute des Regimes. Ihre Aufgabe war zwar nicht der Schutz der Bevölkerung, sondern viel mehr ihre Einschüchterung. Aber zumindest traute sich niemand den Frauen die schlimmen Sachen anzutun, die vielleicht in den Köpfen einiger Männer herumschwirrten.”

Und jetzt? Die Blicke von Fehime werden wütend. Sie redet zwar in derselben Tonlage, aber ihre Worte werden schneller:

“Die Situation hat sich sehr verschlechtert. In Til Ebyad zwingt die Al Kaida die Frauen zu stündlichen Eheschließungen. Sie hatten eine Frau mitgenommen. Bis zum Morgengrauen haben sich acht Männer an ihr vergangen. Jede Stunde führen sie eine stündliche Eheschließung durch. Und das machen sie unter dem Namen des Islams. Sie gratulieren sich gegenseitig zur stündlichen Eheschließung. Und der Geistliche gibt aus, dass dies in Kriegszeiten halal (aus islam. Sicht rechtsmäßig) sei. Diese Frau hat nach dieser Nacht Selbstmord begangen.”

ISKU





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