Archiv für Juli 2013

American passports found at Al Nusra’s headquarters

Attention-grabbing details about the armed groups attacking Rojava are revealed by the documents People’s Defense Units (YPG) seized two days ago after raiding the headquarters of the Islamic state of Iraq and Biladi Sham groups, including Al Qaeda affiliated Al Nusra Front.

The documents YPG seized have once again revealed the fact that the Al Qaeda affiliated armed groups attacking against YPG in Rojava are acting with the support of foreign powers, that of Turkey in particular.

The documents seized include a number of identity cards and passports as well, including those of American, Egyptian, Tunisian and Bahraini citizens.

One of the passwords found here belongs to a citizen of the U.S. which declared the Al Nusra Front as a terrorist organization. The American citizen is seen to have crossed into Syria from Turkey.

One id card YPG seized here belongs to a member of the Syrian Intelligence Unit, Cemil Şahin.

According to the report by ANHA news agency, the passports and id cards found here belong to;

- Emir Faruk İbrahim, from the American state of Pennsylvania, who crossed into Turkey through Istanbul’s Atatürk Airport

- Faruk Zeki İbrahim, originally from Egypt and was born in the U.S.

-Abdulrehman Adel Hasan Hamad from Bahrain

-Cemal Ali Riad Alaaddin from Egyptian capital Cairo who crossed into Turkey through Istanbul’s Atatürk Airport. He is seen to have been to Saudi Arabia, Jordan, Iraq and Libya using the same passport

-Ridha Hüseyin Mansori from Tunisia who went to Libya on 25 February 2013 and arrived at Istanbul’s Atatürk Airport within the same day

-Faruk Zeki İbrahim, originally from Egypt and was born in the U.S.

The other documents YPG seized include the sketches of military headquarters in Serêkaniyê, Tiltemir and Hesekê.

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ANF

Al Qaida terrorist in Turkey

Al Qaida terrorist Xalid Rimana in Ceylanpinar the State Hospital/ Turkey

Turkish army opens fire on Serekaniye

Turkish Armed Forces (TSK) Chief of the General Staff announced on its official website that Turkish military has opened fire on Serekaniye from the Cenkeser border post Wednesday afternoon in line with the rules of engagement.

Chief of the General Staff said that four houses and the police headquarters in Ceylanpınar have been hit by the bullets fired from the area of clashes going on in Serekaniye since last night. It said that Nezir Atilla, the head of Ceylanpınar’s Cumhuriyet neighborhood, has been slightly injured by a bullet, and that he is not facing a critical situation.

Not giving any information about the fact that the citizens in Ceylanpınar were hit by bullets fired from the area of the Al Nusra Front, the General Staff remarked that TSK is opening fire on the area dominated by YPG (People’s Defense Units) members.

Members of an armed group have also launched an artillery attack on Serekaniye from Tel Xelef today afternoon.

A delegation of BDP (Peace and Democracy Party) deputies will go to Ceylanpınar in the evening to make examinations in the district where local people are staging a march in solidarity with YPG units. Police and soldiers have surrounded the district with armored vehicles, having already intervened demonstrators with riot control vehicles and pressure water.

ANF

Volle Unterstützung der Türkei für Al Qaida in Syrien

Nach der Festnahme von drei tunesischen Mitgliedern der Al Qaida in der westkurdischen Stadt Afrin durch die dortigen kurdischen Sicherheitskräfte sind wichtige Informationen über die türkische Unterstützung der Al Qaida in Syrien an die Öffentlichkeit gelangt. Die drei Al Qaida Mitglieder waren auf legalem Wege über den Istanbuler Atatürk Flughafen, Antakya und schließlich über den Grenzposten Cilvegözü nach Syrien eingereist. Begleitet wurden sie auf dieser Strecke anscheinend von Offizieren der türkischen Armee.
Laut Angaben eines der festgenommenen Al Qaida Mitglieder ist eine Gruppe türkischer Offizieren verantwortlich für die Einreise von Dschihadisten nach Syrien. Auch die Behandlung von verletzten Dschihadisten in türkischen Krankenhäusern wird von derselben Gruppe Offiziere organisiert. Aus den Aussagender tunesischen Al Qaida Mitglieder wird besonders die Unterstützung der Gruppe Cephet El Nasra, dem syrischen Arm der Al Qaida, ersichtlich.

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Von Bengasi nach Syrien

Einer der festgenommenen Al-Qaida-Mitglieder, Essabi Musa, erklärte gegenüber den kurdischen Sicherheitskräften, dass er und sein Bruder sich zuvor in der lybischen Stadt Bengasi befunden hätten. Von dort sei zunächst sein Bruder mit Hilfe der Al Qaida nach Syrien geschickt worden. Anschließend habe Musa sich auch entschlossen in den Krieg nach Syrien zu gehen. Der 35-jährige Musa habe über einen Kontaktmann, Ebu Ziyad, seine Reise organisiert. „Innerhalb weniger Tage hat dieser Mann mein Flugticket in Richtung Istanbul organisiert. Von dort aus ging meine Reise über Antakya und Bab El Havadan (Cilvegözü) nach Syrien“, so Musa.

Von dort sei Musa zu einem Al-Qaida-Camp in Tıxarim bei Idlip gebracht worden. Nachdem er dort einer dreiwöchige Ausbildung unterzogen worden ist, sei er in ein anderes Camp gebracht worden. Musa, der sich bis zu seiner Festnahme knapp acht Monate in Syrien aufhielt, berichtete mit folgenden Worten von seinem Aufenthalt in Syrien: „Im Camp waren rund 120 Kämpfer. Die meisten von ihnen stammen aus Tunesien und alle sind über die Türkei nach Syrien eingereist. Neben Menschen aus Tunesien haben sich auch Kämpfer aus der Türkei, Algerien und Ägypten dort aufgehalten. Einige Kämpfer kehrten dann auch wieder in die Türkei zurück. Dort konnten sie sich problemlos aufhalten. Wir haben fast täglich mit ihnen telefoniert. Anschließend wurde wir in die Orte Duveylê, Ermenez, Teftenez, Binniş und Dane gebracht, wo wir dann an den Arbeiten teilnahmen.“

Musa, der später von seiner Einheit floh und wieder in sein Heimatland gehen wollte, berichtete, dass es unmöglich sei zu behaupten, die Türkei würde nicht wissen, dass es sich bei ihnen um Al-Qaida-Mitglieder handele.

Auch das zweite Al-Qaida-Mitglied, der 25-jährige Nadir Elwassani, berichtet, dass über Istanbul und anschließend über den Grenzübergang in Cilvegözü nach Syrien eingereist ist. Auch er bestätigte, dass die türkischen Verantwortlichen mit Sicherheit wissen, dass es sich bei ihnen um Mitglieder der Al Qaida handelt. „Sofort hinter der Grenze wurden wir von Al-Qaida-Verantwortlichen empfangen“, so Elwassani.

Elwassani berichtet von einer Gruppe mit dem Namen El Wassani, die ihr Zentrum in der syrischen Stadt Atme hat. Der Verantwortliche dieser Gruppe sei eine Person mit dem Namen Ebu Abdo Esseyef. Über diese Gruppe, in der auch türkische Offiziere sind, haben die Kämpfer der Al Qaida Waffen, Munition und Nahrung erhalten, erklärt Elwassan: „Auch wenn es Verletzte in unserer Gruppe gab, wurde ihr Transport in türkische Krankenhäuser von diesen Offizieren organsiert.

Der dritte Festgenommene Yusuf Ekkari behauptet von den Mitgliedern der Al Qaida reingelegt worden zu sein. „Sie sagten uns, dass die USA und andere Kräfte aus dem Westen in Syrien eingedrungen seien und dort die Sunniten niedermetzeln würden“, berichtet Ekkari.
In den Reisepässen aller drei festgenommenen Al-Qaida-Mitglieder lässt sich die Einreise über Istanbul nachweisen. Die Aussagen der drei Männer werfen ein detailliertes Bild auf die türkische Unterstützung für Al Qaida in Syrien.

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ISKU

BDP-Frauen-Räte: „Wir sind gegen die Untergrabung der Frauenrechte“

Die Frauen-Räte der BDP-haben eine schriftliche Erklärung abgegeben und verdeutlicht, dass Frauen diejenigen sind, die am meisten von gesellschaftlichen Einwirkung betroffen sind. „Jedes Jahr werden etwa zehntausend Frauen sexuell genötigt. Wir als die Frauen-Räte der BDP sind sowohl in Kurdistan als auch in der Türkei gegen die Untergrabung der Frauenrechte. Wir werden auf demokratischer Ebene gegen diese Gesellschaftsstruktur Widerstand leisten und uns für die Etablierung der Frauenrechte in der Verfassung einsetzen“, heißt es in der Erklärung. Die Parlamentarierin der BDP, Mulkiye Bîrtane, stellte hierzu eine schriftliche Anfrage an das türkische Ministerium. Allein in dem Zeitraum von 2002 bis 2008 seien demnach 61.469 Vergewaltigungen registriert worden. In dem Zeitraum 2009–2011 soll es zu 29.980 Vergewaltigungen gekommen sein.

Die BDP-Frauen-Räte gaben an, dass die Türkei weltweit das Land mit den meisten sexuellen Nötigungsvorfällen ist und die Türkei trotzdem keine konsequente Politik gegen dieses Unrecht durchführe. In der Türkei sei die Regierung Handlanger des Ganzen. Vor allem in Kurdistan gebraucht sie den sexuellen Missbrauch als eine politische Kampfhandlung.

Die BDP-Frauen-Räte betonen, dass die in Kurdistan vollzogene Politik des sexuellen Missbrauchs auch in der ganzen Türkei eine Gefahr darstelle und legt diesen Sachverhalt wie folgt dar: „In Wan hat der Ehemann seine Frau mit einem Messer ermordet. Schlussendlich hat die Regierung den Ehemann freigesprochen, mit der Begründung, dass nicht er, sondern ein Dieb diesen Mord ausgeübt hätte. In Midyat (Provinz Mardin) wurde eine Frau von zwei Dorfschützern vergewaltigt. Weil die Täter nicht verurteilt wurden, nahm sie sich das Leben. In Nisêbin und Sêrt nahmen sich zwei 14-jährige Mädchen weil sie Zwangsverheiratet werden sollten das Leben. Zudem wurde eine Minderjährige in Cewlig von acht türkischen Soldaten sexuell missbraucht. Bislang wurden die Täter jedoch nicht verurteilt, sondern freigesprochen. In Elazîz unterlag eine 80-jährige Frau dem sexuellen Missbrauch eines Mannes. Auch bei den Demonstrationen um den Gezi-Park (Istanbul) übte die Polizei, insbesondere gegen die Demonstrantinnen Gewalt aus und wurde bei der Inhaftierung der Frauen handgreiflich. Die Gewalt gegen Frauen ist Gewalt gegenüber der Gesellschaft und verdeutlicht die Männerstruktur in der Gesellschaft, die von der Regierung vertreten wird.“

ISKU

The Child’s Dream, single album for disappeared children

The music band Kent Şarkıları has just released its single album Çocuğun Düşü, the Child’s Dream, which it dedicated to all kidnapped and disappeared children. The song, which hosts poet and writer Cezmi Ersöz reading a poem of his at the beginning, has also been supported by photographer Erdal Kınacı with a child-themed photograph of his. The Child’s Dream aims to call public attention to the reality of disappeared children, a significant issue waiting for a solution in our country as well as in all parts of the world we are living in, and to create public sensitivity to disappearances.

Kent Şarkıları – Çocuğun Düşü 2013 from ANTIFA KURDISTAN on Vimeo.

ANF spoke to Erkan Güneş, music and lyrics composer of all songs in the three albums the band has released so far, and the director of photography of the band’s videos, about the disappearances in Turkey.

- What is it like to be a child in a country where childre are forced to work, spend years in jails and are supposed to lead a life bearing a perception and consciousness equal to that of elders. What do the children of such a country dream of and do you believe children in Turkey can enjoy their childhood?

Childhood is the first destination of the human journey. We start to live the life as a child, bearing the inexperience of having just started to live. Children are inexperienced people, it is the lack of experience that assigns an “innocent” meaning to them and it is this innocence that makes them valuable.

Being a child in Turkey has many meanings. It means being Dilruba, Türkan and Ahmet who was found buried out in the bush 18 months after leaving his home to visit his neighbors to collect candies in the morning of a bairam (religious festivals). It means being a girl named Ceylan whose body was torn into pieces with mortar shell, it means being a boy named Uğur who was shot with 14 bullets. It means being N.Ç. who was raped by 26 men while at the age of 13. As is known, this country witnessed the execution of 17 year-old Erdal Eren (Turkish revolutionary leader hanged in the period of 12 September military coup in 1980). Being a child in Turkey has so many meanings that it has almost lost its true meaning.

The majority of the children in our country has to lead a life in an environment that they do not want nor deserve. How difficult and painful it is to talk about the dreams of children in a country which considers those under 18 years of age as children but also where girls at the age of 13-14 are forced to marry men much elder than themselves „with the consent of their families“. Which dream could we possibly talk about in this case? These children find themselves in the midst of a nightmare yet before they have the opportunity to dream. There are still thousands of children who are sent not to school but to work.

The „disappeared children“ we handle in this project include not only those who are kidnapped and leave their houses with their own will but also those who are forced to work, are exploited, ignored, neglected, beaten and killed.

All these major problems do not allow the majority of the children in our country to enjoy their childhood. It goes without saying that there are differences between a child who swims in the pool of a deluxe house in Istanbul and a child who washes himself in a brook in Hakkari.

- Considering the fact that the children in these lands, which have witnessed a war going on for over 30 years now, are deprived of their childhood and dreams, what message do you want to give with the concept “The Child’s Dream”?

Thousands of children in this country have disappeared so far, with authorities having failed to initiate a legal process against disappearances and the parliament having failed to conduct a series work on the issue. The pain remains only for those who disappeared and those who lost them. Yes, there is a “silent” war going on in the country for 30 years now, having harmed thousands of children. The children of the people lost in this war are also a concrete reference to be mentioned in this respect. Those children have also suffered from disappearances, they lost their mothers and fathers in this war. The message The Child’s Dream gives is clear, as is said in its lyrics as well, “Rainbow gardens on my right and left, before and behind me…”. Our song aims to enable the children to enjoy their childhood.

-The single album is dedicated to all kidnapped and disappeared children. Considering the fact that we all are the children of some people, no matter of what age we are, is it possible to say that the feelings and considerations you have voiced in the song refer also to the children of Saturday Mothers who are looking for their beloved ones for years now?

Of course. What we refer to with the “child” concept in this project is all the disappeared people in our country. I came across with Saturday Mothers in front of Galatasaray High School while taking a walk on İstiklal Avenue on a Saturday long ago. Holding the photographs of their “disappeared children”, they were waiting in silence, mothers looking for their very young children lost in custody. They were looking for their children whom they lost inside the institution of the state they are the citizens of… Their case and their story is no doubt more tragic than many others.

- What is the pain of a child like? Is the aim of this work to voice the feelings of children who are raped in Pozantı (prison), killed with mortar shells in Lice and with F-16s in Roboski, left blind in Istanbul and forced to beggary in Ankara? Do you believe the voice of these children are being heard?

The voice of these children, needless to say, are not being heard at all. The pain in their voice can only be heard by those who hurt and who are hurt. The pain of children is a scream that could be heard by two people at most, remaining to human within the distance of conscience. Despite the fact that the desire to exploit the physical weakness of a child is born by characteristically weak people, remaining unconcerned with this matter makes you equal with those who make children suffer that pain. This is because of the fact that those who turn a blind eye to cruelty are cruel as well.

I am really very sorry about what the children in Pozantı prison suffered from. It reminded me of Yılmaz Güney’s film Duvar (The Wall) and the despair of the children there. It is a bitter reality that these children are subjected to all kinds of psychological, physical and sexual abuse in an institution of the state, being heard by nobody except for those who hear them but pretend not to have heard.

Besides, what do children have to do in jails? They are children, as the name implies! If a country has thousands of children in jails, this means something is wrong there.

The aim of this work is, as you have also mentioned, to voice the feelings of all lost, beaten, killed, sold and abandoned and working children, and to invite people to feel empathy with them. I hope it achieves its purpose.

- Does the hope, that of children left without mothers and that of mothers left without children, lie in tomorrow, as you say in the song?

That is a wish of ours because tomorrow is a new day which means new hopes. My friends and dozens of courageous children have contributed great efforts to this work. I extend my thanks to all of them, and to the families of these children.

ANF

THE WITNESSES OF THE WAR / KURDISTAN – Fragman

Haydar Isik’s Neuer Roman

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SULTAN SALADIN

Religiöse Toleranz und Weit-
herzigkeit schufen einen Nimbus
um Sultan Saladin, der in der europäischen Literatur
seinen Niederschlag fand und bis heute anhält.
Erzählt wird die Geschichte vom Aufstieg
des kurdischen Clans der Ravandi im 12. Jahr-
hundert, der in der Herrschaft Salahaddins
als Sultan über das damalige Kernland der
islamischen Welt im Vorderen Orient gipfelte.
Durch Kriegstaktik gelang die Erweiterung und
der Schutz seines Reiches vor inneren und
äußeren Rivalen. Besonders auch vor den
christlichen Kreuzfahrerheeren und dem zuvor
unbesiegten König Richard Löwenherz. Mit
dessen Rückzug endet die Chronik, die sich als
ein Meisterstück orientalischer Erzählkunst
auszeichnet.

Haydar Isik, geboren 1937, stammt aus dem haupt-
sächlich von alevitischen Kurden bewohnten Gebiet Dersim
in Türkisch-Kurdistan. Nach Lehramtsstudium und Studium
der Pharmazie kam er 1974 nach München. Er ist Autor
einer Reihe von Romanen in türkischer Sprache und hat
mehrere Bücher vom Türkischen ins Deutsche übersetzt.
Isik ist seit 1984 deutscher Staatsbürger und Mitglied im
Verband Deutscher Schriftsteller (VS) in Bayern.
Haydar Isik
SULTAN SALADIN
Siegreicher Feldherr – kluger Staatsmann
Ca. 360 Seiten, 13,8 × 22,0 cm
Hardcover mit Schutzumschlag
€ (D) 19,99 | € (A) 19,99 | CHF 29,90
Universitas
ISBN 978-3-8004-1518-2
August 2013

PDF DATEI ZUM NEUEN ROMAN herunterladen

http://www.haydar-isik.com

KEINE KOMMUNIKATION MIT DEM GEHEIMDIENST

Vor dem Hintergrund der vielen Versuche der Landesämter für Verfassungsschutz (LfV), Kurdinnen und Kurden – insbesondere Jugendliche – für Spitzeldienste zu gewinnen, wollen wir noch einmal auf Grundsätzliches im Umgang mit diesen Personen hinweisen.

Angesprochen werden Menschen gezielt und überall: auf dem Weg zur Arbeit, zu einem Verein, zur Schule, auf dem Universitätsgelände oder auf dem Heimweg. Häufig werden Kurdinnen und Kurden von Frauen oder Männern des Geheimdienstes direkt mit ihrem Namen angequatscht, was die Betroffenen erst einmal in Verwunderung setzen oder ihnen das Gefühl von Vertrautem vermitteln soll.

Bleiben die Angesprochenen stehen, stellen sich die Personen mit (Deck)-Namen, als MitarbeiterIn des VS oder des Innenministeriums vor und zeigen sich interessiert, etwa mit Fragen wie:

„Können wir uns mit Dir/Ihnen mal über den Kurdistan-Konflikt unterhalten?“

„Was denkst Du/denken Sie über die Morde von Paris?“

„Welche Meinung hast Du/haben Sie zu den Aufständen in Istanbul und in anderen Städten der Türkei?“

„Wie denkst Du/denken Sie über den Friedensprozess zur Lösung der kurdischen Frage?“

Spätestens hier gibt es nur EINE Reaktion: NICHT ANTWORTEN, NICHT REAGIEREN, WEITERGEHEN, IGNORIEREN.

GEHEIMDIENSTPERSONAL UNTERWEGS

Das bedeutet aber keineswegs, dass sie damit Ruhe geben. Sie werden es weitere Male versuchen. Das Personal dieser Behörden hat Zeit, Geduld und ist bestens auf seine Aufgaben vorbereitet und insbesondere darin geschult, Menschen anzusprechen, sie zu verunsichern oder unter Druck zu setzen. Niemand sollte glauben, mit denen schon fertig zu werden. Das wäre ziemlich gefährlich, für die Angesprochenen selbst und für andere.
Die AnwerberInnen scheuen auch nicht davor zurück, an der Haustüre zu klingeln oder Betroffene mit Telefonanrufen zu traktieren. Handelt es sich um Minderjährige, werden deren Eltern zum Teil massiv bedrängt und auch bedroht. Die Situation von noch nicht anerkannten AsylbewerberInnen wird hierbei rücksichtslos ausgenutzt und die Drohungen sind konkret: Keine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis, keine Niederlassungserlaubnis, keine Asylanerkennung, Abschiebung.

Bei Jugendlichen gehen die VS-MitarbeiterInnen davon aus, leichtes Spiel zu haben, weil diese politisch noch unerfahren, besser zu beeinflussen und problemloser unter Druck zu setzen sein sollen.

Es wird damit gedroht, die Eltern, die Schule oder den Arbeitgeber über die politischen Aktivitäten zu informieren, wenn man nicht mit dem VS zusammenarbeitet.

Auch jene Kurdinnen und Kurden, die sich von den politischen Zusammenhängen getrennt haben, können nicht sicher sein. Auch von ihnen versprechen sich die VS’ler Informationen über Personen und Strukturen: wer macht was und wo und mit wem hatte man Streit und warum hat man sich gelöst.
Als „Lohn“ für die Spitzeltätigkeit bieten die Repressionsbehörden oftmals regelmäßige Geldzahlungen an, eine Wohnung, ein Auto, einen job oder eine beschleunigte Asylanerkennung.

SPITZEL – IHRE „ARBEIT“ UND DIE FOLGEN

Wir können nur dringend davor warnen, sich mit den Strafverfolgungsbehörden einzulassen, die sich überhaupt nicht für Eure/Ihre Probleme und den türkisch-kurdischen Konflikt interessieren. Deren einziges Interesse ist, die Strukturen kurdischer Vereine und Organisationen auszuforschen und Informationen darüber zu erhalten, welche Veranstaltungen mit welcher Thematik dort stattfinden, wer das organisiert, wer redet oder wie viele Personen anwesend waren, wer Demonstrationen durchführt, wer Bustickets zu Festivals oder Broschüren und Zeitungen verkauft.
Dass Anwerbeversuche durchaus erfolgreich sind, belegen zahlreiche Behördenbescheide an Kurdinnen und Kurden, denen eine beantragte Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis, eine Niederlassungserlaubnis oder eine Einbürgerung verweigert wird. Seitenlange Auflistungen politischer oder kultureller Aktivitäten – teils über Jahre – werden hierfür als Begründung herangezogen. Und es geht hierbei nicht etwa um verbotene Veranstaltungen oder Demonstrationen oder gar um Straftaten. Einzig die Tatsache, dass es sich um Aktivitäten der von den Strafverfolgungsbehörden als „terroristisch“ eingestuften PKK handeln soll, macht aus politisch aktiven Menschen „Kriminelle“ und „Terroristen“. Solche Informationen im Detail können nur von Personen weitergegeben werden, die sich in den Dienst des deutschen Inlandsgeheimdienstes gestellt haben.

WAS BESSER IST:

Wer das alles nicht will, sollte also schweigen.
Stattdessen ist es sinnvoll, ein Protokoll über solche Anquatschversuche mit Orts- und Zeitangabe und sonstigen Einzelheiten anzufertigen, mit Freundinnen und Freunden zu diskutieren und es öffentlich zu machen.

In hartnäckigen Fällen sollte eine Anwältin/ein Anwalt eingeschaltet werden.

Und nicht vergessen: Der Verfassungsschutz hat keinerlei polizeilichen Befugnisse, das heißt, kein Gesetz kann Dich/Sie zwingen, mit diesem Personal zu kommunizieren.

Es gilt, sich selbst und die GenossInnen und FreundInnen zu schützen !

Zahlreiche Kurdinnen und Kurden haben ihre Heimat verlassen müssen, weil sie sich geweigert haben, sich vom türkischen Staat als „Dorfschützer“ gegen die eigene Bevölkerung zwingen zu lassen. Unerträglich ist, dass deutsche Behörden keine Skrupel haben, die gleichen schmutzigen Methoden zur Spaltung, Einschüchterung, Entsolidarisierung und Kriminalisierung anzuwenden.
Kein Kurde und keine Kurdin sollte sich hierfür instrumentalisieren lassen.

STAATSSCHUTZ

Zum Schluss noch einige Zeilen zu Kontakten mit dem Staatsschutz:

Im Grunde gilt im Umgang mit dem Staatsschutz – der politischen Abteilung der Kriminalpolizei – das Gleiche wie für den VS. Einzige Ausnahme: Hier müssen Angaben gemacht werden, die im Personalausweis vermerkt sind und zusätzlich Informationen zur Berufsbezeichnung (z.B. Studierende/r, Auszubildende/r, Selbstständige/r). MEHR ABER NICHT.
Sollte einem Anwerbeversuch evtl. eine ED-Behandlung (Fingerabdruck, Foto etc.) auf der Polizeistation folgen, sollte dagegen unbedingt Widerspruch eingelegt werden, am besten durch Anwältin/Anwalt.

AZADÎ e.V.
Rechtshilfefonds für
Kurdinnen und Kurden in Deutschland
Hansaring 82 * 50670 Köln * Tel. 0221 – 16 79 39 45
Email: azadi@t-online.de

Die Kurden

Halim Dener

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Es ist nicht möglich zu erklären, wie der damals 16 jährige kurdische Junge Halim Dener in Hannover ums Leben gekommen ist. Er begann keine Straftat oder etwas anderes, das ihn und andere Menschen in Schwierigkeiten hätte bringen können. Mit 16 Jahren war er nur ein Jugendlicher, der zu dem Zeitpunkt in Hannover lebte und aktiv in den Jugendarbeiten mitwirkte. Am 29.06.1994 wurde er in Hannover erschossen.

Halim Dener wurde am 23. Dezember 1977 in Cewlîk (türk. Bingöl) geboren. Wie viele andere Kurden, musste auch er sein Land verlassen. Auch Cewlîk war in den 90er Jahren von der Assimilations- und Unterdrückungspolitik des türkischen Staates stark betroffen. Cewlîk gehörte zu den Provinzen, die eine Schwelle bildeten. Entweder lebten dort patriotische Kurden oder assimilierte Kurden. Der Kampf des Staates, Cewlîk zu assimilieren, brachte viele Opfer mit sich.

Halim Dener erhoffte in Deutschland ein besseres Leben für sich und seine Familie. In Deutschland stellte er unter dem Namen Ayhan Eser einen Asylantrag. Um sich und seine Familie nicht Gefahr zu bringen, musste er seine Identität ändern.

In der Nacht des 29. Juni 1994 wollte Halim Dener aus Protest gegen das PKK-Verbot in Deutschland, die ERNK-Flagge in Hannover plakatieren. Als die Polizei den Jungen bemerkte, kam es kurzzeitig zu einem Konflikt mit der Polizei. Laut Zeugen, soll die Polizei schon mit gezogener Waffe Kontrollen durchgeführt und Verfolgungen gestartet haben. Kurz darauf soll die Polizei geschossen haben. Halim Dener soll in einem verletzten Zustand noch einige Meter gelaufen und dann zu Boden gefallen sein. Er starb noch vor Ort an inneren Durchblutungen. Die Kugel, die aus nächster Nähe geschossen sei, habe sein Brustkorb von hinten durchdrungen haben.

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Europaweit kam es zu großen Demonstrationen. Viele KurdenInnen und AntifaschistenInnen griffen deutsche Behörden an.

Natürlich hat das ganze zwei Perspektiven, aus denen man schauen muss. Auf der einen Seite gibt es die Biopsie, laut der die Kugel aus nächster Nähe geschossen sei. Ebenfalls gibt es noch die Aussagen der Zeugen. Laut einem weiteren Asylbewerber, ist die Polizei schon vorbereitet und mit Waffen auf den jungen Mann losgegangen. Halim Dener hatte keine andere Möglichkeit als zu fliehen.
Auf der anderen Seite gibt es die die Aussage des Täters, Beamter eines Sondereinheitskommandos, Klaus T, der nach dem Vorfall mit einem anderen Namen nach Hessen zog. Klaus T. sagte aus, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe. Dener soll versucht haben zu flüchten. Er habe ihn verfolgt, gepackt und zu Boden geworfen. Als bei einer Möglichkeit Halim Dener das Flüchten möglich war, soll er losgerannt sein. Klaus T., der seine Waffe in das Hohlster stecken wollte, soll dabei gestrauchelt sein und die Waffe losgegangen sein.

Die Hintergründe zeigen jedoch was anderes.
- Laut Biopsie soll die Mündung der Waffe, ein amerikansicher „Smith & Wesson-Revolver“ aus höchstens 15 Zentimeter Entfernung geschossen worden sein. Ebenso waren auf der Weste Deners Schmauchspuren zu erkennen.
In der Innenfläche der linken Hand des Jugendlichen waren diese zu erkennen.

- Zu der Waffe: Die Waffe, ein „Smith & Wesson-Revolver“. Laut Waffenexperten soll es fast unmöglich sein, dass solch eine Waffe automatisch losgeht. Diese Waffe hat eine automatische Sicherung und einen Abzugswiderstand. Das heißt, wenn der Abzug eine Kraft von ca. 4,5 kg zerrt, kann geschossen werden. Klaus T. muss demnach willkürlich geschossen haben. Der Schuss war geplant.

Klaus T. wurde 1997 freigesprochen. Urteilsbegründung des damaligen Richters August Wilhelm Marahrens war „Der Angeklagte hat den Schuss unter Stress in einer außergewöhnlichen Situation unabsichtlich abgegeben.“

Der kurdische Volksrepräsentant Abdullah Öcalan sagte bei einer Trauerrede für Halim Dener:
“Halim fiel für diese Fahne, die das Symbol des kurdischen Volkes ist und das kurdische Volk wird diese Fahne für immer hochhalten!“.

Halim Dener gehört zu den vielen jungen Märtyrer Kurdistans. Sein Mord, ob willkürlich oder nicht, bewegte viele junge Kurden in Deutschland. Auch Halim Dener gehört zu denen, die in Europa, im kapitalistischen System, Stärke und Mut bewiesen haben und sich dagegen stellten. Er und seine Tat sind ein Vorbild für alle Jugendlichen in Europa.
- Sehîd namirin, namirin, namirin!

Geschrieben von Roya Kurdistanî, 29.06.2013




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