Kriegszustand in Şemzînan

In Şemzînan (Şemdinli) halten die heftigen Gefechte zwischen dem türkischen Militär und den Volksverteidigungskräften der HPG seit dem 24. Juli weiter an. Die Gebiete, die für das türkische Militär unzugänglich sind, werden permanent aus der Luft bombardiert.

Die Militäroperation in Şemzînan wurde am 24. Juli begonnen, nachdem die Guerillakräfte der Volksverteidigungskräfte (HPG) in der Region Straßenkontrollen durchgeführt haben. Parallel zu den heftigen Gefechten begann die türkische Luftwaffe das Gebiet zu bombardieren. Durch die Luftangriffe kann die Zivilbevölkerung von einigen Dörfern in Şemzînan, die sich zum Zeitpunkt der Angriffe auf der Weide befanden, immer noch nicht zurück in ihre Dörfer. Mindestens ein Zivilist wurde bisher durch die Luftangriffe leicht verletzt. Zudem brennen aufgrund der Bombardierungen gegenwärtig hunderte Hektar von Waldgebieten in der Region.

Vier strategische Punkte werden seit Anbeginn der Auseinandersetzungen von der HPG kontrolliert. Das Militär versucht diese Gebiete mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu entvölkern. In der Innenstadt von Şemzînan herrscht eine angespannte Ruhe. Die Bevölkerung versucht so wenig wie möglich ihre Häuser zu verlassen, weil sie ihr Leben durch die angespannte Situation gefährdet sieht. Sobald es dunkel wird, bleibt die Bevölkerung in ihren Häusern. Alle Zu- und Ausgänge in das Stadtzentrum von Şemzînan wurden durch das Militär versperrt.

„Das Militär kann vom Boden aus nichts ausrichten“

Der Bürgermeister von Şemzînan Sedat Töre erklärte gegenüber der Dicle Nachrichtenagentur (DIHA), dass die Bevölkerung unter der Militäroperation stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Kerngebiet der Gefechte liegt nach Töre etwa drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und sei ein besonders schwer zugängliches Gebiet. Deswegen könne das Militär auch vom Boden aus nichts anrichten und bombardiert das Gebiet seit zwei Tagen ausschließlich aus der Luft. Durch die Luftangriffe stehen große Waldgebiete in Brand. „Die Türkei ist nicht auf ein friedliches Miteinander der Völker aus. Deswegen rechnen wir damit, dass sich die Situation in den nächsten Tagen auch nicht ändern wird“, so Töre weiter.

Für die Dorfbevölkerung im Kerngebiet der Gefechte könnten die Luftangriffe gleichbedeutend mit der Zerstörung ihrer wirtschaftlichen Existenz sein. So geben viele DorfbewohnerInnen an, dass ein Großteil ihres Viehs entweder getötet wurde oder durch die ständigen Bombardierungen verschreckt entflohen sind. Auch große Ackerflächen seien zerstört worden. Das genaue Ausmaß der Zerstörung kann allerdings erst nach dem Ende der Auseinandersetzungen bemessen werden. Ein Dorfbewohner erklärte gegenüber DIHA, dass viele darüber nachdenken, nach Südkurdistan auszuwandern, sollten die Gefechte weiter anhalten. Ein anderer Dorfbewohner erklärte, dass so gut wie jede zehnte Bombe ein Dorf oder die nähere Umgebung eines Dorfes treffe. Sein Dorf musste aufgrund dessen bereits geräumt werden.

ISKU





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