Nûçe Nr. 570 – 1. Juni 2012

unter anderem mit:

HPG lassen sechs Dorfschützer frei

Marsh Arabs protestieren in Hasankeyf gegen Ilisu Projekt

Missbrauchsfälle in Pozanti: Erneut 15 Kinder festgenommen

Leyla Zana zu zehnjähriger Haftstrafe verurteilt

IHD veröffentlicht Bericht über Menschenrechtsverletzungen

Salih Muslim: Es gibt keine Guerilla-Einheiten der PKK in Syrien

http://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/nuce/NUCE570-0601.pdf
oder
http://www.nadir.org/nadir/initiativ/isku/nuce/index.htm

Nûçe Nr. 570 – 1. Juni 2012 – Textversion

HPG lassen sechs Dorfschützer frei

Das Presse- und Kommunikationszentrum der Volksverteidigungskräfte HPG hat bekanntgegeben, dass es keine direkte Verbindung zwischen der Gefangennahme der Dorfschützer und den Gefechten gebe, bei denen 15 Guerilla-Mitglieder ihr Leben verloren haben. Die Führung der HPG hat nach eingehender Prüfung der Lage entschieden, die gefangenen Dorfschützer freizulassen. Neben einem Aufruf seitens demokratischer Institutionen baten auch die Verwandten der Dorfschützer um deren Freilassung und erklärten, sich nicht weiter militärisch gegen das kurdische Volk zu stellen.

Im Bericht heißt es: „Am 18. Mai wurden im Dorf Çeltikli, Provinz Bedlis (Bitlis) sechs Dorfschützer festgenommen, weil der Verdacht bestand, dass sie am 23. März im Gebiet Shex Cuma an Operationen beteiligt waren. Zur Untersuchung wurden sie festgenommen. Die Untersuchung zeigte, dass die 6 Dorfschützer zwar an den Operationen beteiligt waren, aber nicht unmittelbar an den Gefechten teilnahmen.“

Laut der Erklärung hat das Dorf Çeltikli, also alle Angehörigen der 6 Festgenommenen, alles unternommen, um eine Freilassung der Dorfschützer zu erreichen (unter anderem haben die Verwandten alle Waffen niedergelegt). Des Weiteren habe man den Aufrufen der demokratischen Institutionen Gehör geschenkt.

In der Erklärung heißt es weiter: „Die türkische Regierung, das Militär der faschistischen türkischen Republik wollen mit einem Spezialkrieg in Kurdistan die Freiheitsbewegung der Kurd­Innen schwächen. Deshalb versucht der türkische Staat, das Dorfschützersystem weiter auszubauen, um einen Krieg innerhalb des kurdischen Volkes herbeizuführen.” Die HPG rief dazu auf, das immer im Bewusstsein zu behalten. Die HPG rief alle Dorfschützer dazu auf, ihre Waffen fallen zu lassen und nicht zu erlauben, dass sie vom türkischen Staat gegen das kurdische Volk ausgenutzt werden.

Am 29. Mai waren die sechs Dorfschützer in Bedlis von Guerilla-Einheiten der HPG festgenommen worden. Vertreter des Menschenrechtsvereins IHD hatten in Bedlis eine Pressekonferenz einberufen. Verwandte der Festgenommenen erklärten dort, ihre Waffen niederzulegen und nicht weiter mit der türkischen Armee gegen die PKK zu kämpfen. IHD und Menschenrechtsaktivisten hatten daraufhin die HPG dazu aufgerufen, im Gegenzug die Gefangenen freizulassen. (DK/ANF, 30.5., ISKU)

Marsh Arabs protestieren in Hasankeyf gegen Ilisu Projekt

„Weil niemand zu uns in den Irak kommt, um uns zu hören, kommen wir zu euch, um zu sprechen. Wir leben einer der bedeutendsten Regionen der Welt – den Mesopotamischen Sümpfen – und die ist wegen Ilisu in Gefahr.“ Mit diesen Worten begann Scheich Sayed Abbas in der türkischen Felsenstadt Hasankeyf eine Protestveranstaltung, die es so noch nie gegeben hat. Er ist mit acht weiteren Stammesführern (Scheichs) der Marsh Arabs nach Hasankeyf gekommen, um gegen Ilisu zu protestieren.

Zusammen mit den Bewohnern von Hasankeyf, ECA Watch, der türkischen Umweltorganisation Doga Dernegi und der irakischen NGO Nature Iraq unterzeichneten sie heute die „Tigris Deklaration“, in der die Vereinten Nationen (UNEP) zur Unterstützung im Kampf gegen Ilisu aufgerufen werden. „Die Folgen von Ilisu sind weitaus größer, als bisher angenommen. Wir hoffen, die UNO bringt die Türkei und den Irak an den Verhandlungstisch. Sonst wird die Wiege unserer Zivilisation zur Wüste,“ so Ulrich Eichelmann von ECA Watch.

Wird das im Bau befindliche Ilisu wie geplant fertig gestellt, hätte das über 1.000 Kilometer flussabwärts des Dammes verheerende Folgen. Im Stausee würde nämlich das Wasser zurückgehalten, dass die Sümpfe und deren Bewohner so dringend brauchen. Besonders die Frühjahrshochwasser sind entscheidend für die Überschwemmungsgebiete nahe Basra. Und genau die sollen im Stausee abgefangen werden. Im Irak und vor allem in den Sümpfen würde dann nur noch ein schmutziges Rinnsal ankommen. Doch in den jahrelangen Debatten um Ilisu waren die Konsequenzen für dieses Gebiet bisher nie ein Thema. Das soll sich ändern.

Die Marsh Arabs sind die Bewohner der wohl bedeutendsten Kulturlandschaften der Welt, den Mesopotamischen Sümpfen im Süden des Irak. Am Zusammenfluss von Euphrat und Tigris entwickelten vor über 6.000 Jahren die Sumerer die erste Schrift, die ersten Gesetze und die Grundzüge unserer Landwirtschaft. Der Sage nach soll dies der Garten Eden gewesen sein, das Paradies. In der nahen Stadt Ur soll Abraham geboren sein, der Stammvater des Christentums, Judentums und des Islams. Trotz zahlreicher Eingriffe existiert hier noch eine einmalige Landschaft, in der die Menschen wie eh und je in ihren Schilfhäusern leben, fischen, jagen und Wasserbüffel züchten, von denen es hier über 200.000 Tiere gibt.

„Wir sind aus Hasankeyf und den Mesopotamischen Sümpfen, wir sind Menschen aus Mesopotamien, wir sind verbunden über den Tigris. Dieser Fluss ist unsere gemeinsame Wurzel, unsere Lebensader und unsere Zu­kunft,“ so Scheich Sayed Abbas und macht zum Abschluss noch einen einfachen Vorschlag: „Wir müssen den Staudamm gar nicht ganz verhindern. Reduzieren wir die Stauhöhe von 130 Meter soweit, dass Hasankeyf nicht überflutet und unsere Sümpfe nicht austrocknen würden.“ Das würde etwa eine Reduktion von 65 Metern bedeuten. 65 Meter für die Wiege der Menschheit. Zuviel verlangt? (ECA, 22.5., ISKU)

Missbrauchsfälle in Pozanti: Erneut 15 Kinder festgenommen

Kurdische Kinder sind erneut zur Zielscheibe im türkischen Gefängnis Pozanti geworden. Innerhalb von 3 Wochen wurden 25 Kinder in Untersuchungshaft genommen und 15 von ihnen verhaftet.

Seitdem die Kinder den Skandal vom Pozanti- Gefängnis ans Licht gebracht haben, waren sie systematischem Druck und Folter unterzogen worden.

Der IHD-Vorsitzende von Mêrsîn, Ali Tanrıverdi erklärte, dass sich die Lage der kurdischen Kinder im Pozanti- Gefängnis mehr als zuvor verschlechtert hat. Die Kinder werden immer noch misshandelt, vergewaltigt und gefoltert. Er betonte, dass sich dort noch immer nichts geändert habe. Des Weiteren erwähnt Ali Tanriverdi, dass immer mehr kurdische Kinder grundlos festgenommen werden und in solche Gefängnisse wie Pozanti gebracht werden. Diese Kinder werden nicht nur in ein Gefängnis gebracht, nein, sie werden in ein Gefängnis gesteckt, indem sich Mörder und Vergewaltiger befinden, so Mêrsîn Ali Tanrıverdi.

Die 15 kurdischen Kinder, die in Mêrsîn verhaftet wurden, heißen: Hasan Katan, Mahmut Aksel, Devrim Eriş, Cengiz Er­gun, Alaattin Akgul, Berxwedan Ertaş, Azad Bozkurt, Mehdî Aslan, Hasan Şeker, Ramazan Bıdık, Lokman Aydemir, Ahmet Budak, Remzi Akay und Hasan Kaya. (DK/ANF, 30.5., ISKU)

Leyla Zana zu zehnjähriger Haftstrafe verurteilt

Die international bekannte kurdischstämmige Abgeordnete des türkischen Parlaments Leyla Zana ist am vergangenen Donnerstag von einem Gericht in Diyarbakir wegen angeblicher Unterstützung der Arbeiterpartei Kurdistans PKK zu einer Haftstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Zur Last gelegt werden der Abgeordneten der Partei für Frieden und Demokratie (BDP) neun Reden aus den Jahren 2008 und 2009, in denen sie unter anderem den PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan als Führer des kurdischen Volkes bezeichnet hatte. Der zuvor bereits verhandelte Fall war vom Obersten Gerichtshof an das Gericht in Diyarbakir zurückverwiesen worden. 1991 war Zana das erste Mal ins Parlament gewählt worden. Weil sie bei ihrem Amtseid in der verbotenen kurdischen Sprache hinzufügte »Es lebe die türkisch-kurdische Geschwisterlichkeit«, wurde sie gemeinsam mit drei weiteren Abgeordneten wegen Landesverrats zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt. Vor dem Hintergrund der EU-Beitrittsverhandlungen kam Zana, die Sacharow-Preisträgerin des Europäischen Parlaments ist, 2003 vorzeitig frei. (jW, 26.5., ISKU)

IHD veröffentlicht Bericht über Menschenrechtsverletzungen

Der Menschenrechtsverein der Türkei IHD veröffentlichte in Amed (Diyarbakir) seinen Bericht über Menschenrechtsverletzungen in den kurdischen Gebieten der Türkei, die sich in den ersten vier Monaten des Jahres 2012 zugetragen haben.

Dem Bericht zufolge sind annähernd 10.000 Menschenrechtsverletzungen registriert worden, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. 2.034 Personen wurden in diesem Zeitraum in Gewahrsam genommen, 33 Personen wurden inhaftiert und 281 Fälle von Folter und unmenschlicher Behandlung wurden dokumentiert.

Der IHD-Vorsitzende von Amed (Diyarbakir) Raci Bilici bedauerte, dass es an einer Entwicklung zum Frieden und zu politischen Verhandlungen mangele und das Jahr 2012 mit intensiven Konflikten begonnen hat. Anhaltende militärische und polizeiliche Operationen, die Isolation des PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan, das Kriegskonzept der Regierung, Rechtsverstöße innerhalb und außerhalb von Gefängnissen, Folter etc. bezeugen den Stillstand in der Lösung der Kurdenfrage, so der IHD-Vorsitzende.

Laut IHD-Bericht von 2011 wurden im zurückliegenden Jahr insgesamt 12.685 Personen festgenommen, 3.252 Personen gefoltert und misshandelt. (s. Internetausgabe des aktuellen Kurdistan Report) (ANF/DK, 29.5., ISKU)

Salih Muslim: Es gibt keine Guerilla-Einheiten der PKK in Syrien

Der Vorsitzende der kurdischen ,,Partei der Demokratischen Union” (PYD), Salih Muslim, verneinte die Existenz von Guerilla-Einheiten der PKK in Syrien und bezeichnete diese Meldungen als “Propaganda des türkischen Staates”.

Die AKP nahe Zeitung “Sabah” schrieb vor einigen Tagen, dass die Sicherheitskräfte der Türkei einen Bericht über die Verbindungen zwischen dem syrischen Regime und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorbereitet haben. Angeblich hätten beiden Seiten ein Abkommen mit dem Namen “Das Protokoll von Damaskus” unterzeichnet.

Der Vorsitzende der PYD sagte gegenüber Midyanews: “Die türkische Regierung versucht seit langer Zeit, uns über die Medien durch solche Meldungen als kriminell darzustellen. Sie suchen Vorwände, um in Syrien zu intervenieren”.

Muslim sagte: “Wir Kurden sind die Bewohner dieser Gebiete und wir haben hier keine PKK Präsenz gesehen. Aber wir haben in den Dörfern der Kurden Volksschutzkomitees gegründet. Sie versuchen, die Sicherheitslücken, die durch den jetzigen Zustand Syriens entstanden sind, auszufüllen.”

Es ist bekannt, dass die Beziehungen zwischen Syrien und der Türkei sehr schlecht sind, seitdem die Türkei sich mit anderen Staaten gegen Syrien stellt.

In Westkurdistan leben mehr als 3 Millionen KurdInnen. Sie leben vor allem in Efrin, Cizir und Kobane, aber auch in Großstädten wie Aleppo und Damaskus. (DK/MN, 30.5., ISKU)

Meldungen:

Erneut kein Besuch auf Imralı

Auch in dieser Woche wurde den Anwälten Abdullah Öcalans der Besuch ihres Mandanten verwehrt. Öcalan ist damit seit 310 Tagen in Totalisolation. (ANF, 30.5., ISKU)

Türkische Generäle verhaftet

Die türkische Polizei hat im Zuge der Ermittlungen zum erzwungenen Rücktritt des früheren türkischen Ministerpräsidenten Necmettin Erbakan erneut sechs pensionierte Generäle festgenommen. Die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, die Beschuldigten seien in den Rücktritt Erbakans 1997 verwickelt gewesen.

Im Zusammenhang mit ihrer Rolle bei der Abdankung Erbakans sind bereits mehr als 30 Offiziere festgenommen worden. Sie sollen Erbakan zu dem Schritt gedrängt haben, um so einer mutmaßlich von ihm forcierten Stärkung des Islam in dem säkulären Land entgegenzuwirken. (jW, 30.5., ISKU)

Roboski-Angehörige treten Sitzstreik an

Die Angehörigen der 34 kurdischen, überwiegend jugendlichen Zivilisten, die durch Angriffe der türkischen Luftwaffe in der Nähe des Dorfes Roboskî im Kreis Uludere (Provinz Şırnak) an der Grenze zum Irak getötet wurden, haben sich entschlossen, am Ort des Massakers einen Sitzstreik anzutreten. Der Anlass dazu ist, dass seit dem Massaker bereits 5 Monate vergangen sind und noch niemand der Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurde.

Die Familien, die ihre Kinder bei dem Massaker verloren haben, wollen am 2. Juni zu dem Ort des Grauens laufen und solange in ihren Zelten streiken, bis die Täter vorgeführt und bestraft werden. (RN, 31.5., ISKU)

Gever Frauen-Kooperative produziert Joghurt

Die Gever Frauen-Kooperative in Yüksekova hat nach dem Anbau von Tulpen und Hyazinthen mit der Produktion von Joghurt begonnen.

Sie kaufen Milch in den umliegenden Dörfern auf und verarbeiten die Milch zu Joghurt, den sie dann an Restaurants und im Lebensmittelgeschäft „ZAP-Markt“ verkaufen. Sie haben mit der Produktion von 150 Kilo Joghurt begonnen. In 5-Kilo-Einheiten wird der Joghurt für 8 TL verkauft. (DIHA, 26.5. ISKU)

Art for Öcalan

Kampagnenaufruf

Wo Worte versagen…

Die Internationale Initiative hat viele Texte über die Haftsituation Abdullah Öcalans und die wichtige Rolle, die er in jeglichem Friedensprozess spielen wird, veröffentlicht. Doch manchmal fühlen wir, dass Worte nicht alle Aspekte dessen ausdrücken können, was tatsächlich geschieht.

Ein außergewöhnlicher politischer Gefangener

Auf einer Insel, umgeben von Wasser

Im militärischen Sperrgebiet, bewacht von 1000 Soldaten

Kein Handschlag, keine Umarmung seit 1999

13 Jahre Isolation, 13 Jahre weiße Folter

Totales Verbot der Muttersprache, Kurdisch

Niemand zum Reden, nur Bücher zum Lesen

7000 handgeschriebene Seiten…

…muss Kunst sprechen.

Millionen von Kurdinnen und Kurden haben wieder und wieder für Öcalans Freiheit und eine politische Lösung demonstriert. Doch ihre Stimme wird oft nicht gehört. Kunst kann einen Unterschied machen.

Wir suchen Künstlerinnen und Künstler, die durch ihre Kunst die Kampagne für Öcalans Freiheit unterstützen wollen. Dies kann in Form von Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Videos, Texten oder durch Musik erfolgen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Wir werden Eure Kunst im Internet veröffentlichen, Ausstellungen organisieren, sie auf Plakate, Postkarten, Aufkleber, T-Shirts drucken usw.

Wenn Du Dich künstlerisch betätigst und Dich an der Kampagne „Art for Öcalan“ beteiligen willst, schreib uns an art [at] freedom-for-ocalan.com !

[art-for-ocalan.org]

Koordinationsbüro der Internationalen Initiative »Freiheit für Abdullah Öcalan – Frieden in Kurdistan«

Quellen:

ANF Fırat Nachrichtenagentur

RN rojnews.de

DK DieKurden.de

MN Midyanews

Nûçe

erscheint wöchentlich und kann in gewünschter Stückzahl gegen Übersendung des Portos bei der Informationsstelle Kurdistan, Spaldingstr. 130, 20097 Hamburg

Tel.: 040 – 421 02 845

E-mail: isku@nadir.org

bestellt werden.

Spenden auf unser Konto:

Postbank Köln, BLZ 37010050

Konto-Nr.: 39 68 506

Weitere Informationen und einen täglichen Pressespiegel findet Ihr im Internet unter:

www.isku.org





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