12 Jugendliche Verweigern den Wehrdienst in der Türkei

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Istanbul, Türkei – In Istanbul haben sich 12 Jugendliche bereit erklärt, den Wehrdienst in der türkischen Armee zu verweigern. Mit dieser Aktion wollen die Jugendlichen der Öffentlichkeit zeigen, dass sie einen Schritt zum Frieden zwischen dem türkisch-kurdischen Konflikt beitragen wollen. Außerdem kritisiert man die Wehrdienstbedingungen der türkischen Armee.

Die türkische Armee ist bekannt für ihre harte und zum Teil unmenschliche Ausbildung von Soldaten. Es steht eine 15-monatige Grundausbildung an. Man kann von Glück reden, wenn man in dieser Zeit nicht in den Kampf gegen die PKK-Kämpfer antreten muss. Mittlerweile kann man sich sogar in der Türkei für rund 13.000 Euro von der Armee freikaufen, sofern man schon das 30. Lebensalter vollendet hat.

„Glück für die Reichen – Pech für die Armen“, so lautet die Devise bei dieser Gesetzesänderung. Obwohl die Türkei mit 600.000 Mann unter Waffen die zweitgrößte Armee der Nato ist, will man weiterhin nicht vom Kriegsdienst abwenden. Nicht umsonst heißt ein bekanntes Sprichwort in der Türkei „Jeder Türke wird als Soldat geboren“ [Her Türk asker dogar]. Neben Aserbaidschan ist die Türkei das einzige Land im Europarat, das das Recht auf Kriegsdienstverweigerung nicht anerkennt. Seit 1927 besteht die Wehrpflicht für alle männlichen türkischen Staatsbürger. Die Möglichkeit eines Zivildienstes existiert nicht. Kriegsdienstverweigerung gilt als Straftat. Nach Paragraf 318 des Strafgesetzbuches, der die „Distanzierung des Volkes vom Militär“ unter Strafe stellt, bedeutet die Verweigerung „die Liebe der Gesellschaft verlieren“. Wer sich weigert, seinen Dienst anzutreten, wird von einem Militärgericht zu einer Haftstrafe verurteilt, in der Regel gefoltert und misshandelt und nach der Haft wieder an die zuständige militärische Einheit überstellt. Doch das ist nicht alles. Kurdische oder türkisch-alevitische Wehrdienstleistende werden zumeist von nationalistischen Soldaten unterdrückt. Oft kommt es sogar auch vor, dass Soldaten wegen ihrer Religion oder ihrer Herkunft umgebracht werden. In der Türkei spricht man dabei von “Selbstmorden”.

Seit Jahren hat sich in der Türkei nun eine Friedensbewegung in puncto Militärdienstverweigerung gegründet. Unter dem Motto ” Vicdani Ret”, auf Deutsch “Verweigerung aus Gewissensgründen”, verweigern mehrere Personen den Wehrdienst. Unter dem selben Motto haben vor kurzem Jugendliche in Taksim, Stadtteil von Istanbul, eine Protestaktion gestartet. Diese Aktion wurde dadurch beendet, dass sich zwölf mutige Jugendliche dazu beschlossen haben, den Kriegsdienst zu verweigern. Einige Passanten applaudierten den Protestanten, doch einige Weitere übten Provokationen aus. Es wurden Slogans wie unter anderem “Geh nicht zum Militär – vergieße nicht das Blut deines Bruders”, “Verweigere für den Frieden” oder “Niemand wird als Soldat geboren”. Einige nationalistisch gesinnte Türken fühlten sich provoziert und schrien im Gegenzug den Spruch „Jeder Türke wird als Soldat geboren“. Die Protestanten waren unbeeindruckt und antworteten mit Slogans wie “Jeder wird als Baby geboren” oder “Glücklich der sich Mensch nennt”.

Abschließend verkündeten die Kriegsdienstverweigerer, dass sie für ein Leben voller Frieden und gegen Militarismus, Krieg und gegen das Blutvergießen der Brüder sind. “In einer Phase, in der wir als Menschen dieser Region die höchste Stufe der Grausamkeit des Krieges ansehen mussten, erheben wir gemeinsam unsere Stimme gegen den Krieg, […] wir verkünden somit die Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen.” so die Friedensbewegung.

Die Kurden.de





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