Two days like no other (either we make history, or we become history) / Zwei Tage wie keine anderen (entweder wir machen Geschichte oder wir werden Geschichte) / Greek – Griechenland [ Eng-Ger]

ENGLISH

And it’s come down to this. The absolute stand-off. As of Tuesday morning, in a few hours, our humble tent camp in Syntagma square will be the frontline of the people’s struggle against power, against the bloodthirsty plexus of capital and state eating away our lives.

Talking heads on TV sets don’t seem to be listening to their own voices anymore. Like talentless actors on stage without a script, they mumble out what they guess would be the appropriate propaganda. But in their expressions, in their awkward hand signals you can see the certainty past has gone. It’s evaporated. The crescendo is only a few notes away; they know so and they wait around hopelessly, it seems, for the inevitable to come.

Behind their thick security walls, talking suits spurt our cries for some imagined national unity – and yet, they slime creatures that they are, they seem unable to even agree on a common lie; desperate to grab onto their despicable lives they are willing to throw other suits out of the window of a vehicle that is nearing the cliff’s edge by the minute.

Out in the streets, the feeling is almost frighteningly exhilarating. The days when people would try veil their shame for their condition are long past. In Syntagma, day after day, assembly after assembly, someone will invariable take the microphone, hands shaking, and gazes flooded with lust for revenge. The teacher telling stories of her pupils asking her for food and of them losing focus in class from malnutrition. The endless array of unemployed, choking angry words; the girl who promised to fight for her friends who migrated already. The group of friends who had migrated themselves, but came back to Syntagma for a last fight.

All of us who came to take revenge for the lives they want to steal away from us. For our sisters and brothers rotting away in the cells of the democratic regime. For our migrant sisters and brothers, insulted, chased, stabbed in the dark corners of the city. For the helplessness of the teacher in seeing their pupils starve, for everyone’s helplessness in seeing and hearing a cataclysm of stories this. For the dignified silence of the old man, placard hanging from his neck, writing about the second Occupation he now lives through. For all these people, with all these people, we’ll take to the streets, once again.

(…)

It’s Saturday night in Exarcheia, and I meet a long-lost friend. We joke about the artistic plans we used to make years ago, about what would have happened to us in quieter times, where we would be now. Suddenly he stops. “I don’t know if we’ll win or lose on Tuesday,” he says quietly. “But whatever happens, I don’t want them to get all this through without blood being shed. I hope it will be a war.”

FROM THE GREEK STREETS

DEUTSCH

Es handelt sich hier um die Übersetzung eines Posts vom occupied london Blog vom 27.06.

Es geht um die aktuelle Situation in Griechenland.

Und hierher hat es nun geführt. Der absolute Aufstand. Ab Dienstagmorgen, in einigen Stunden, wird unser bescheidenes Camp auf dem Syntagma Platz die Frontlinie des Kampfes der Menschen gegen die Macht, gegen den blutrünstigen Plexus (Nervengflecht) aus Kapital und Staat sein, der unsere Leben auffrisst.

Die Sprecher_innen im Fernsehen scheinen ihren eigenen Worten nicht mehr zuzuhören. Wie talentlose Schauspieler_innen auf der Bühne ohne ein Manuskript, so murmeln sie heraus, was sie für die angemessene Propaganda halten. In ihren Äußerungen aber, in ihren ungelenken Handbewegungen kann man sehen, dass die vergangene Sicherheit verschwunden ist. Sie ist verdampft. Das Crescendo ist nur ein paar Noten entfernt; sie wissen es und wie es scheint warten sie hoffnungslos ab, auf das Unvermeidliche, das kommen wird.

Hinter ihren dicken Sicherheitswänden, [talking suits spurt our cries for some imagined national unity] – und inzwischen scheinen sie, jene schleimigen Kreaturen, sogar nicht mehr in der Lage zu sein, sich auf eine gemeinsame Lüge zu einigen; im verzweifelten Versuch sich an ihre jämmerlichen Leben zu klammern sind sie bereit, andere Anzüge aus dem Fester eines Fahrzeugs zu schmeißen, das sich gerade der Kante der Klippe nähert.

Das Gefühl draußen auf den Straßen ist fast beängstigen berauschend. Die Tage an denen die Menschen versuchten die Scham für ihre Lage zu verhüllen sind längts vergangen. Auf dem Syntagma Platz wird Tag für Tag, Versammlung für Versammlung, beständig jemand das Mikrofon nehmen, mit zitternden Händen, und Blicken, die angefüllt sind mit der Lust auf Rache. Die Lehrerin, die Geschichten von ihren Schüler_innen erzählt, wie sie sie nach Essen fragen und wie sie den Focus verlieren während des Unterrichts auf Grund von Mangelernährung. Die endlose Reihe der Arbeitslosen, die wütende Worte herauswürgen; das Mädchen, das versprachfür ihre Freund_innen zu kämpfen, die schon ausgewandert sind. Die Gruppe von Freund_innen, die selbst schon ausgewandert waren, die jedoch zurück gekommen sind auf den Syntagma Platz für einen letzten Kampf.

Wir all, die gekommen sind um Rache zu nahmen für die Leben, die sie uns stehlen wollen. Für unsere Schwestern und Brüder, die in den Zellen des demokratischen Regimes verrotten. Für unsere migrantischen Schwestern und Brüder, beschimpft, gejagt, erstochen in den dunklen Ecken der Stadt. Für die Hilflosigkeit der Lehrerin während sie ihre Schüler_innen hungern sieht, für die Hilflosigkeit von allenwährend sie die Katastrophengeschichten hören und sehen. Für die würdevolle Stille des alten Mannes, dem ein Plakat um den Hals hängt, das die zweite Besatzung beschreibt, die er nun durchlebt. Für all diese Menschen, mit all diesen Menschen, werden wir wieder auf die Straße gehen.
(…)
Es ist Samstagabend in Exarchia und ich treffe eine lange verschollenen Freund. Wir scherzen über die artistischen Pläne, die wir vor Jahren immer machten, darüber was in rühigeren Zeiten mit uns passiert wäre, wo wir jetzt wären. Plötzlich stoppt er. „Ich weiß nicht, ob wir am Dienstag gewinnen oder verlieren werden,“ sagt er schnell. „Aber was auch immer passiert, ich will nicht, dass sie all dieses durch kriegen ohne das Blut vergossen wird. Ich hoffe es wird ein Krieg sein.“

Indymedia





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