Geistesblitze im konservativen Lager: IQ-Tests gegen Einwanderung

Jahrzehntelang – eigentlich bis heute – war es vor allem die CDU/CSU, die verhinderte, dass Deutschland eine vernünftige Einwanderungspolitik betreiben konnte. Stets ging man eher von einem Modell “saisonaler Gastarbeiter” aus, als davon, dass Einwanderung und Einwanderungspolitik für eine alternde Gesellschaft wie die deutsche dringend notwendig ist. So haben gerade die Konservativen am meisten Verantwortung für eben jene Probleme, die sie immer wieder gerne für populistische Querschläge ausnützen…

Woher sollen eines Tages die Pflegekräfte kommen, für die Millionen von Alten? Wer soll ihre Renten erwirtschaften? Dringende und überlebenswichtige Fragen. Doch wer sich vor all diesen Fragen jahrzehntelang gedrückt hat und bis heute keine gescheiten Konzepte vorlegen kann, sollte sich mit Anspielungen auf die mangelnde Intelligenz anderer Menschen lieber zurückhalten.

Woher kommen die vielen zurückgebliebenen und entsprechend wütenden jungen Männer mit “migrantischem Hintergrund”, die U-Bahnen und dunkle Gassen unsicher machen? Woher kommt die zum Teil erschreckende Unbildung, die sie selbst antisemitische Gräuelmärchen der untersten Kategorie glauben lässt? Ist es mangelnde Intelligenz oder eher eine verfehlte Bildungspolitik, deren Chancenungleichheit für eine westeuropäische Gesellschaft eine Schande ist und an der die gesamte Gesellschaft leidet, nicht nur die Migranten.

Zuerst sollte man die Einwanderung als Fakt, Chance und Notwendigkeit begreifen und anerkennen. Danach sollte man endlich daran gehen, eine Integration zu fördern, die diesen Namen verdient. Dass dazu nicht nur Sprachkurse sondern auch die Vermittlung oder auch Deutlichmachung westlich demokratischer Werte gehört, sollte in einer liberalen Gesellschaft, in der auch religiöse Tradition nicht die Würde des Menschen verletzen darf, klar sein. Dazu ist aber auch eine wirklich demokratische Gesinnung, gepaart mit sachlicher und emotionaler Intelligenz notwendig, die man bei der politischen Elite, die sich viel zu oft in populistische Dummheit flüchtet, viel zu selten findet.

Hierzu einige Kommentare aus der deutschen Presse:

Märkische Oderzeitung, 29. Juni 2010 – Frankfurt/Oder: Den Berliner CDU-Politiker Peter Trapp muss man nicht kennen; desgleichen nicht den CSU-Kollegen Markus Ferber. Die beiden haben jetzt für Zuwanderer nach Deutschland Intelligenztests vorgeschlagen. Ferber verwies dazu lobend auf das Beispiel Kanada, wo man von Zuwandererkindern einen höheren IQ verlange als bei einheimischen Kindern. Da hat sich die kanadische Botschaft in Berlin sehr gewundert.

Einen rationalen Kern hat der Sommerloch-Verstoß der beiden Unions-Heroen allerdings. Um Zuwanderung zu steuern, sie über Familiennachzug und Flüchtlingsaufnahme hinaus gezielt für Wissenschaft und Arbeit nutzbar zu machen, ist eine Debatte über Kontingente und Qualifikationen angebracht. Die klassischen Einwandererländer können hierbei durchaus als Vorbild dienen. Nur: Die Unionspolitikerin Rita Süssmuth hatte zu diesem Thema 2001 eine Reihe sinnvoller Vorschläge erarbeitet – und sich die Empörung ihrer Parteifreunde zugezogen. Aber das wissen Trapp und Ferber vielleicht nicht mehr. Schade eigentlich, dass in der Politik sich jeder äußern darf – ohne Test.

Ostsee-Zeitung – 28-06-10 – Rostock: IQ-Test für Einwanderer? Abgesehen davon, dass man “die Intelligenz” ohnehin nicht messen kann und so mancher sie mit Bildung oder Wissen (nach eigener Lesart am liebsten) verwechselt: Das Perfide an diesen Sommerlochtiraden ist zum einen, dass da mal eben schnell die Sündenböcke für die Krise gebrandmarkt werden: die Zuwanderer. Zum anderen wird die Debatte, wieso es in deren Kreisen zweifellos besondere Probleme gibt, flugs ethnisiert. Dass es aber gesellschaftliche Versäumnisse sind, die unter anderem aus der langjährigen Weigerung der Union herrühren, dieses Land als Einwanderungsland zu begreifen – das gerät so aus dem Blickfeld. Die gewiss notwendige Frage, wie Zuwanderung gesteuert und Integration verbessert werden kann, soll zum Spielball perfider Wahlkampfinteressen werden. Das ist so durchsichtig wie niederträchtig und zeigt. dass man es mit dem “C” bei den Unionsparteien so ernst wohl nicht meinen kann. Pfui Teufel.

Intelligtenztest für indische Software-Entwickler?

General-Anzeiger – Bonn – Kai Pfundt: Ein Intelligenztest für Zuwanderer? Interessanter Vorschlag. Aber wie wäre es vorher mit einem Intelligenztest für Abgeordnete in deutschen Parlamenten? Oder mit einer verpflichtenden Absurditätsprüfung für öffentliche Politikeräußerungen in den Sommermonaten bei Temperaturen über 25 Grad? Ganz im Ernst. Die Idee von zwei Unionspolitikern aus der zweiten und dritten Reihe, bezeichnenderweise über das führende deutsche Intelligenzblatt “Bild” ventiliert, sollte schnellstens im sich auftuenden Sommerloch entsorgt werden.

Abgesehen davon, dass IQ-Tests wissenschaftlich nicht unumstritten sind: Als Methode zur durchaus legitimen Steuerung der Zuwanderung nach nationalen Interessen und im weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe wären sie diskriminierend und beleidigend. Ein – zum Beispiel – indischer Software-Ingenieur, der sich einem Intelligtenztest unterziehen soll, bevor er in Deutschland arbeiten darf? Seltsame Vorstellung.
Zudem transportiert der Vorschlag der Herren Trapp (CDU) und Ferber (CSU) die unanständige und pauschale Unterstellung, in Deutschland lebten bereits zu viele Ausländer mit zu geringer Intelligenz. Botschaften dieser Art sind bestens geeignet, Verbitterung und Kränkung zu erzeugen, der beste Weg, Ausländerghettos und Parallelgesellschaften zu konservieren.

Zur Bewältigung der nicht wegzudiskutierenden Integrationsprobleme tragen solche vulgärdarwinistischen Vorschläge nicht bei. Wie Integration geht, beweist doch zurzeit die Nationalelf in Südafrika. Özil, Boateng und Podolski zeigen bei der Fußball-WM Spitzenleistung für Deutschland, ganz ohne IQ-Test.

Wer klug ist, macht sowieso einen Bogen um Deutschland

WAZ – Essen – Christopher Onkelbach: Wieso ein Intelligenztest für Zuwanderer? Polemisch könnte man anmerken: Wer klug ist, macht sowieso einen Bogen um Deutschland. Bürokratische Hürden, undurchschaubare Aufenthalts- und Arbeitsregelungen wirken abschreckend. Ausländische Fachkräfte folgen lieber den freundlichen Lockrufen von Ländern wie Kanada, der Schweiz, Australien oder USA. Zugleich wandern jedes Jahr mehr hoch qualifizierte Fachkräfte aus. Die Folge: Stellen für Ärzte, Ingenieure oder IT-Experten bleiben unbesetzt. Die Hoffnung, die gesellschaftlichen Folgen einer alternden Bevölkerung und einer geringen Geburtenrate durch qualifizierte Zuwanderung aufzufangen, wird sich auf diese Weise nicht erfüllen.

Deutschland muss alte Gräben zuschütten. Wieso nicht die Einbürgerung erleichtern? Wieso nicht im Ausland aktiv um Fachleute werben? Wieso nicht eine automatische Arbeitserlaubnis für ausländische Studenten, die hier ihr Examen schaffen? Zugleich muss sich die Bildungspolitik noch stärker um die verborgenen Talente im Inland bemühen, etwa mit maßgeschneiderten Integrationsangeboten von klein an. Es gilt, das miserable Image Deutschlands unter qualifizierten Ausländern zu wandeln – ein IQ-Test würde den schlechten Ruf eher verfestigen.

Stuttgarter Nachrichten – 28-06-2010 – Stuttgart: Natürlich muss in Deutschland über Zuwanderung gesprochen werden. Wer allerdings so tut, als könnten Intelligenztests das Problem lösen, hat weder eine Ahnung von Intelligenztests noch von Integration. Jahrzehntelang waren doch billige Arbeitskräfte aus dem Ausland gefragt. Dass ihre Kinder und Enkel teils zu den Bildungsverlierern gehören, ist auch eine Folge falscher Politik.

Neue Westfälische – 280610 – Bielefeld, Matthias Bungeroth: Da wollte der CDU-Hinterbänkler Peter Trapp mal so richtig ins Rampenlicht treten. Dies ist ihm mit seiner vermeintlich klugen Idee auch gründlich gelungen. Einen Intelligenztest sollten alle potenziellen Einwanderer hinter sich bringen, bevor sie eine Chance haben, die deutsche Grenze zu passieren – das ist sein Vorschlag. Welch ein Blödsinn! Gott sei Dank lebt Herr Trapp in einem Land, in dem es nicht verboten ist, schwachsinnige Anregungen öffentlich zu äußern.

Dennoch – oder gerade deshalb – muss es sich das Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses gefallen lassen, dass sein Vorstoß an dieser Stelle seziert wird. Ein Intelligenztest für Einwanderer wäre menschenverachtend, diskriminierend und garantiert nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Das haben gottlob auch rasch wichtigere Politiker der CDU wie Maria Böhmer, ihres Zeichens Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, erkannt und Trapps öffentlichen Gedankenspiele einkassiert. So bleibt zum Glück alles beim Alten: Es wird keinen Schlauheitstest für Einwanderer geben, und der Polizeibeamte Peter Trapp wird wieder auf den Hinterbänken des Berliner Abgeordnetenhauses Platz nehmen dürfen. Stellt sich nur die Frage: Wer stellt dort den Antrag auf Einführung eines Intelligenztests für Abgeordnete?

Quelle: Hagalil

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