Hunderttausende gedenken der Opfer / Völkermord an Armeniern

Eriwan/Washington/Frankfurt a. Main. 95 Jahre nach dem Völkermord im Osmanischen Reich haben in Armenien Hunderttausende am Samstag der Opfer gedacht.

Der armenische Präsident Sersch Sargsjan legte an einem Mahnmal Blumen für die bis zu 1,5 Millionen Armenier, die zwischen den Jahren 1915 bis 1917 ums Leben kamen, nieder und dankte den vielen Ländern dafür, dass sie das Massaker als Völkermord einstuften.

Die Türkei erkennt lediglich an, dass im Ersten Weltkrieg mehrere 100.000 Armenier im Osmanischen Reich getötet wurden, weigert sich aber, die Massaker als Völkermord anzuerkennen. Die Beziehungen zwischen Ankara und der armenischen Hauptstadt Eriwan sind daher nach wie vor gespannt. „1,5 Millionen Tote, ein ganzes Volk seiner Heimat beraubt, die Auslöschung einer alten Kultur – das sind die Ergebnisse einer staatlichen Politik und Ideologie, die die Vernichtung der Armenier zum Ziel hatte“, sagte Sargsjan.

Obama gedenkt der Opfer, spricht aber nicht von Völkermord

US-Präsident Barack Obama hat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich zum 95. Jahrestag beklagt, dabei aber den heiklen Begriff „Völkermord“ vermieden. Die Ereignisse in den Jahren 1915 bis 1917 zählten zu den „schlimmsten Gräueln des 20. Jahrhunderts“, sagte Obama am Samstag bei einer kurzen Ansprache zu dem armenischen Gedenktag. Zugleich begrüßte er die jüngsten Schritte der Annäherung zwischen der Türkei und Armenien.

Obama rückte von seiner Ankündigung aus dem Präsidentschaftswahlkampf 2008 ab, er wolle im Falle seiner Wahl als Präsident den Begriff Völkermord ausdrücklich für die Massaker an den Armeniern verwenden.

Die türkische Regierung reagiert auf die Verwendung mit harten diplomatischen Maßnahmen. Im März zog sie ihren Botschafter aus Washington ab, nachdem der außenpolitische Ausschuss des US-Repräsentantenhauses eine Resolution angenommen hatte, in der die Massaker als Völkermord beschrieben werden.

Deutsche Politik schweigt

In Deutschland haben sich am Gedenktag keine Politiker über die Nachrichtenagenturen zu dem Völkermord geäußert. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann forderte hingegen die Türkei auf, den Völkermord an den Armeniern „vorbehaltlos“ einzugestehen. Bei der Gedenkveranstaltung in der Frankfurter Paulskirche forderte er „die Aufklärung des Geschehens, verbunden mit einem ehrlichen und umfassenden Eingeständnis von Schuld und Versagen.“ Gleichzeitig betonte er, dass es keine Kollektivschuld der damals lebenden Türken an dem Völkermord gegeben habe.

Der Massenmord sei ein „Menschheitsereignis“, an das noch heute erinnert werden müsse, sagte der Bischof. Er ging auch auf die Verstrickung Deutschlands in den Völkermord an den Armeniern ein, die „auch uns heutige Deutsche mit Scham erfüllen muss.“

Armenien bricht Versöhnungsprozess mit der Türkei ab

Armenien erinnert traditionell am 24. April an die Tragödie, die an diesem Tag mit der Erschießung von Intellektuellen ihren Anfang genommen hatte. Sargsjan hatte am Donnerstag überraschend den historischen Versöhnungsprozess mit der Türkei abgebrochen. Im vergangenen Oktober hatten die Außenminister Armeniens und der Türkei zwei Protokolle zur Annäherung ihrer Länder unterzeichnet. Das Ratifizierungsverfahren solle erst wieder aufgenommen werden, wenn die Türkei keine Bedingungen mehr stelle.

Die armenische Regierung hatte dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan unlängst auch politische Brandstiftung vorgeworfen. Dieser hatte 100.000 illegal in der Türkei lebenden Armeniern die Ausweisung angedroht. Erdogan hatte damit auf Resolutionen in den USA und in Schweden reagiert, nach denen der Mord an den Armeniern als Genozid einzustufen sei.

F.R.





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