Iran: Ein Brief aus dem Gefängnis der zum Tode verurteilten Gefangenen Şirin Elemmuhoyi

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Die 28-jährige Şirin Elemmuhoyi aus der ostkurdischen Stadt Mako ist aufgrund angeblicher PJAK Mitgliedschaft seit 2 Jahren inhaftiert – eine junge Frau, die als Gefangene den zunehmenden Grausamkeiten des Islam und der zerfallenden persischen Macht ausgesetzt ist. Seit 2 Jahren erlebt sie jegliche Art von Folter. Sie wartet auf die Vollstreckung des Todesurteils und darauf, dass ein Aufschrei durch die Welt geht.

Im April 2008 wurde Şirin Elemmuhoyi mit der Begründung PJAK Mitglied zu sein, in der iranischen Hauptstadt Teheran zum Tode verurteilt. Elemmuhoyi ist inhaftiert im Teheraner Gefängnis Evin und der Folter ausgesetzt. Elemmuhoyi beschreibt die Folter, die sie erlebt hat in einem Brief.

Die iranische Regierung eliminiert weiterhin Regierungsgegner_innen mit der Todesstrafe. Während die iranische Regierung gegen die westlichen Regierungen lautstark vorgeht, versucht sie es bei den Kurd_innen in aller Stille. Immer wieder werden die Menschenrechte mit Füßen getreten und vor den Augen der westlichen Regierungen warten heute in den iranischen Gefängnissen zahlreiche Kurd_innen auf ihre Hinrichtung. Şirin Elemmuhoyi ist eine derjenigen, die der schlimmsten Form von Repression, Unterdrückung und Folter ausgesetzt ist und auf ihre Hinrichtung wartet. Mit dem, was sie in ihren Briefen beschreibt, mit dem Unvorstellbaren, was sie als Kurdin und Frau erlebt, löst sie Entsetzen aus.

Folter zwischen den Gebeten

In dem Brief, der im Frauentrakt des Evin Gefängnisses geschrieben wurde, heißt es, dass Elemmuhoyi am 18. Januar 2010 von einigen uniformierten Polizisten und einigen Zivilpolizisten verhaftet wurde und dem Zentrum der Revolutionsgarde übergeben wurde, wo sie 25 Tage lang blieb. Sie führte einen 22-tägigen Hungerstreik und schrieb: „In dieser Zeit war ich unterschiedlichsten Arten von seelischer, psychologischer und körperlicher Folter ausgesetzt. Die Verantwortlichen waren Männer und banden mich mit Handschellen an Stühlen fest. Mein ganzer Körper, meine Fußsohlen, mein Gesicht, mein Kopf wurden mit Elektroschocks, Knüppeln, Tritten und Schlägen malträtiert.“ Elemmuhoyi konnte zu diesem Zeitpunkt noch kein persisch und konnte daher auch nicht auf Fragen antworten: „Ich konnte weder Persisch verstehen noch sprechen. Weil ich auf die Fragen nicht antwortete, schlugen sie mich, bis ich bewusstlos wurde. Als der Gebetsruf kam, gingen sie beten. Sie gaben mir Bedenkzeit bis zum Ende des Gebets. Nachdem sie zurückkamen, ging es weiter mit Schlägen, Folter, Bewusstlosigkeit, kaltem Wasser usw.“

Wir sind froh darüber, dass uns ein PJAK Mitglied in die Hände gefallen ist
Elemmuhoyi schreibt, dass von staatlicher Seite versucht wurde, ihren Widerstand zu brechen: „Als sie mitbekamen, dass ich den Hungerstreik durchzog, versuchten sie mich mit Serum und Schläuchen durch meine Nase in meinen Magen davon abzubringen. Ich widersetzte mich und zog die Schläuche mit Blut und unter großen Schmerzen heraus. Die Schmerzen sind noch nach 2 Jahren zu spüren und machen mir zu schaffen. Während der Verhöre trat mich einer der Verantwortlichen mit großer Wucht in den Bauch, was schwerwiegende Blutungen auslöste. An einem anderen Tag verhörte mich die einzige Person, die ich zu Gesicht bekam. Meine Augen waren ansonsten immer verbunden. Er stellte mir teilnahmslos Fragen. Wenn ich eine Frage nicht beantwortete, schlug er mich. Er holte eine Waffe hervor und hielt sie mir an den Kopf: ‚Wenn ich dich etwas frage, antworte. Ich weiß, dass du Mitglied der PJAK bist. Du bist eine Terroristin. Schau mein Mädchen, es macht für uns keinen Unterschied, ob du redest oder nicht. Wir sind froh darüber, dass uns ein PJAK Mitglied in die Hände gefallen ist’, sagte er.“

Ärzte, die der Folter beiwohnten

Angeblich um sie zu behandeln, kamen während der Folter auch Ärzte dazu. Elemmuhoyi beschreibt die Schamlosigkeit der Ärzte in der Welt der Folter, wie folgt: „Einmal, um meine Wunden zu verbinden und sich meinen Zustand anzusehen kam ein Arzt. Aufgrund der Folter war ich nur halb bei Bewusstsein. Der Arzt wollte mich ins Krankenhaus bringen lassen. Der Folterer fragte ‚Warum sollte sie ins Krankenhaus gebracht werden? Kann sie nicht hier behandelt werden?’ Der Arzt sagte ‚nicht um zu behandeln. Ich werde sie zum Sprechen bringen, dass sie spricht wie ein Wasserfall.’ Am darauf folgenden Tag wurde ich mit verbundenen Augen und Handschellen ins Krankenhaus gebracht. Der Arzt legte mich auf ein Bett und gab mir eine Spritze. Ich war nicht mehr ich selbst. Egal was sie fragten, ich antwortete. Ich gab jede gewünschte Antwort. Sie nahmen alles mit Kamera auf. Als ich wieder zu mir kam, fragte ich wo ich bin. Ich erkannte, dass ich in einem Krankenhausbett lag.“

Lauter werdende Schreie vom Tonband

Elemmuhoyi schreibt, dass sie nach dem Krankenhaus zurück in die Zelle gebracht wurde, und die Folter weiterging „Als ob die Verhöre nicht gereicht hätten. So viel Folter. Und sie wollten, dass ich mehr leide. Sie schlugen meine Füße, bis sie dick waren. Mit inneren Verletzungen ließen sie mich kopfüber hängen. Danach brachten sie mir Eis. Von der Nacht bis zum Morgen hörten wir Schreie, Gewimmer und Weinen. Diese Laute haben mich sehr aufgewühlt. Später erkannte ich, dass die Schreie von Kassette gespielt wurden, um uns noch mehr zum Leiden zu bringen. Oder sie tropften in der Verhörzelle stundenlang kaltes Wasser auf meinen Kopf. Danach in der Nacht warfen sie mich in eine Zelle.“

Blau angelaufene Füße und abfallende Fußnägel

Elemmuhoyi wurde einmal wieder mit verbundenen Augen ins Verhör genommen. Während des Verhörs drückte ein Folterer Zigaretten an ihren Händen aus. Ein anderes Mal schlägt ein Folterer ihre nackten Füße, bis sie blau werden und so, dass ihre Fußnägel ausfielen. Das Ziel war, ihre Würde zu zerstören, ihr die Menschlichkeit zu rauben. Dafür wurde jede islamisch legitimierte Methode genutzt.

Zuckerbrot und Peitsche Politik

In den letzten Tagen der Folter wurde sie ständig ins Krankenhaus gebracht. Die ihr wie ein Teufelskreis erscheinenden Tage beschreibt sie in ihrem Brief wie folgt: „Am Ende konnte ich Tag und Nacht nicht mehr voneinander unterscheiden. Ich erinnere mich nicht mehr, wie lange ich im Krankenzimmer war. Als meine Verletzungen etwas verheilt waren, brachten sie mich in die Abteilung 209. Da fingen wieder die Verhöre an. Die Abteilung 209 hat ihre eigenen Verhörmethoden. Nach eigenem Gutdünken fahren sie eine Zuckerbrot und Peitsche Politik. Anfangs kommt ein knallharter Folterer, es folgen Folter und Drohungen, sie machen und sagen was sie wollen und dann gehen sie. Dann kommt ein Folterer mit pfirsichzarter Stimme und bittet, endlich aufzuhören sich zu wehren. Er bietet Zigaretten an und beginnt mit den Fragen. So fängt der Teufelskreis von neuem an.“

Die Stille dauert an

Es hat sich noch keine nennenswerte Öffentlichkeit gebildet, um die Urteilsvollstreckung von Şirin Elemmuhoyi zu verhindern. Im Iran habe einige Fraueninitiativen eine Unterschriftenkampagne begonnen. Darüber hinaus gibt es bisher keine Reaktion gegen diese von Menschlichkeit weit entfernte Politik. Şirin Elemmuhoyi, die mit der ebenso mit dem Vorwurf der PJAK Mitgliedschaft in einem siebenminütigen Prozess zum Tode verurteilten Zeynep Celaliyan, deren Aufenthaltsort zurzeit nicht bekannt ist, verwandt ist, ist mit dem Tode bedroht.
Trotz der Aufforderungen von Amnesty International, die Todesurteile gegen die kurdischen Gefangenen auszusetzen, fährt das iranische Regime fort, die Todesurteile zu vollstrecken.





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