3155 Minderjährige in Adana innerhalb eines Jahres festgenommen

Der Menschenrechtsverein IHD in Adana gab bekannt, dass 2009 alleine in Adana 3150 Minderjährige zwischen 13 und 18 Jahren festgenommen, und davon 299 verhaftet wurden.

Auf einer Pressekonferenz vor dem Büro des Menschenrechtsvereins İHD (İnsan hakları derneği) in Adana wurde der Bericht über die Verstöße gegen Kinderrechte des Jahres 2009 veröffentlicht. In dem Bericht wird betont, dass Kinder am stärksten von gesellschaftlichen Problemen beeinträchtigt würden und dass eine Umgebung, die von Gewalt geprägt ist sowie die ökonomische Situation, die physische und psychische Entwicklung der Kinder behindere. Laut des Berichts wurden im Jahre 2009 in Adana 3155 Minderjährige zwischen 13 und 18 Jahren festgenommen und davon 299 verhaftet. Es gab 2306 Vorfälle an denen Kinder beteiligt waren, 62 Verstöße gegen Kinderrechte wurden beim IHD gemeldet, so der Bericht. Gegenüber Kindern, die an verschiedenen Aktionen teilgenommen hatten und dabei festgenommen wurden, fanden Erniedrigungen, Misshandlungen und Folter durch Polizei und Sicherheitskräfte statt.

Folter und Erniedrigung

„Die Minderjährigen namens N. Ö. (15), G. B., İ. B. P.(16), K. S. (17), D. S. (17), Ç. G. (15), E. A. (16) meldeten, dass sie und ihre Familien aufgrund ihres Kontaktes zu demokratischen Organisationen von der Polizei belästigt worden seien,“ so der Bericht. Ihnen sei nachspioniert worden. Die Beschreibung des 15-jährigen M. A. vom 6. Dezember lautet in dem Bericht wie folgt: „Auf dem Heimweg von einer Hochzeitsfeier musste ich durch eine Polizeisperre hindurch. Die Polizeikräfte haben mich beschuldigt an einer Aktion teilgenommen zu haben und mich mit Schlagstöcken verprügelt und festgenommen. Im Auto haben sie mich weiter geschlagen. Ich dachte, sie würden mich auf die Polizeiwache bringen, doch sie haben mich zu einer mir unbekannten Orangenplantage gebracht. Die ganze Fahrt lang haben sie meinen Kopf auf den Boden gedrückt. Bei mir war auch H. Ö. Später haben sie mich auf den Boden gelegt und mich mit Gewehrkolben geschlagen. Als sie feststellen mussten, dass wir kein Schuldgeständnis ablegen werden, haben sie uns gesagt, sie würden uns hier umbringen. Aus Angst mussten wir gestehen. Später haben sie uns ins Polizeipräsidium gebracht, wo die Schläge und die Misshandlungen weitergingen. Sie haben uns zwei Tage kein Essen gegeben. Sie haben uns bei der Verrichtung unserer Notdurft behindert.“

In dem Bericht wird der Fall des Minderjährigen S. K. beschrieben. S. K. war am 30. Juli 2009 in seiner Wohngegend an Auseinandersetzungen mit der Polizei beteiligt gewesen. Von einem Plastikgeschoss der Polizei ins rechte Auge getroffen ist er auf diesem erblindet. Durch einen vorherigen Angriff der Polizei auf S. K. war schon die Sehkraft seines linken Auges stark eingeschränkt.

Zum Singen der Nationalhymne gezwungen

In dem Bericht wird beschrieben, dass Minderjährige nach ihrer Verhaftung nicht in die geschlossenen M-Typ Jugendstrafanstalt Pozantı gebracht wurden, sondern stattdessen in den geschlossenen E-Typ Strafvollzug Kürkçüler. Bei ihrer Inhaftierung in Kürkçüler wurden sie von Soldaten systematisch gefoltert, später wurde diese Behandlung von Wachpersonal über Tage hinweg weitergeführt. „Ş. Ö. (16), M. E. (15), Ç. S. (17) sind wegen ihrer Verletzungen nach der Folter zum amtierenden Gefängnisarzt gegangen und von ihm wiederum geschlagen und misshandelt worden. Sie wurden gezwungen, die türkische Nationalhymne zu singen.“

48 Minderjährige bekommen 203 Jahre Haftstrafe

Wie den Kindern des Kürkçüler E-Typ Gefängnis ging es auch denen im Pozantı M-Typ Jugendgefängnis, so der Bericht. Wegen der Verantwortungslosigkeit der Gefängnisdirektion verlor der 16-jährige Y. A. dort sein Leben.

Aufgrund von Vorwürfen wie „Steine werfen gegen die Polizei“ oder „Organisationspropaganda“ wurden 2009 gegen 48 Kinder insgesamt 203 Jahre, 3 Monate und 25 Tage Haftstrafe ausgesprochen.

Für die sofortige Freilassung der Minderjährigen

In dem Bericht wurde unter anderem gefordert, dass die Verpflichtungen der Kinderrechtsdeklaration eingehalten und sofort gesetzlich und administrativ umgesetzt werden sollen; Kinder sollen ein Recht auf Ausbildung in ihrer Muttersprache erhalten; die inhaftierten Minderjährigen müssen sofort freigelassen werden. Insbesondere wird in dem Bericht gefordert, dass Minderjährige vor einem Jugendgericht angeklagt werden sollen.

Der Vorsitzende des Menschenrechtsbüros in Adana, Beyhan Günyeli, erklärt, dass Adana eine Provinz sei, in der verstärkt gegen Kinderrechte verstoßen würde. „Mit den Festnahmen von Minderjährigen beginnen Misshandlung und Folter. In den Polizeiautos und den Polizeiwachen geht sie weiter. Die Kinder werden von Beginn ihres Aufenthalts in Haft die gesamte Dauer lang gefoltert und misshandelt.“





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